29.04.2015

Christ zeigt ihren Dietrich

Die Oltner Slam-Poetin Lisa Christ führt mit humorvollen Texten und Anekdoten durch Adolf Dietrich’s Kunstwerke. (Bild: vwe)

Die Oltner Slam-Poetin Lisa Christ führt mit humorvollen Texten und Anekdoten durch Adolf Dietrich’s Kunstwerke. (Bild: vwe)

Oltner Kabarett-Tage Noch bis am 9. Mai halten die 28. Kabarett-Tage in Olten Einzug. Neu im Programm ist unter anderem eine satirische Kunstmuseums-Führung mit der Oltner Slampoetin Lisa Christ.

Viviane Weber

Wie jeden Frühling seit gut 28 Jahren verwandelt sich unsere kleine Aarestadt in den nächsten Tagen erneut zum Mekka für Kabarett-Liebhaber. Freunde der Comedy, Wortakrobatik oder musikalischer Kleinkunst pilgern nach Olten, um Newcomer und alte Hasen der nationalen sowie internationalen Kabarett-Szene live auf der Bühne zu erleben. Seit einigen Jahren tummeln sich auch einige Grössen aus der Poetry Slam-Szene unter den Interpreten. So in diesem Jahr neben Kilian Ziegler und Slam-Schweizermeister Christoph Simon auch die Oltner Slam-Poetin Lisa Christ. Die Lokalmatadorin wird jedoch nicht wie üblich mit ihren Texten auf der Bühne unterhalten, sondern führt durch die neue Ausstellung über den Thurgauer Künstler Adolf Dietrich im Kunstmuseum.

Kunst aus einem satirischen Blickwinkel

«Meine Führung wird eher unterhaltend als belehrend sein und einen etwas anderen Blick auf die Kunstermöglichen», entkräftet Lisa Christ allfällige Vorurteile. Wie genau sie jedoch die Besucher durch die neue Kunstmuseum-Ausstellung «Mit durchaus zeitgemässem Charakter» geleiten wird, ist der 24-Jährigen selbst noch nicht ganz klar. «Die Ausstellung ist nach wie vor in der Aufbauphase und noch nicht zu besichtigen. Allerdings lese ich mich momentan ins Leben von Adolf Dietrich ein und versuche so meine subjektive Sicht auf ihn und seine Werke zu entwickeln, um diese anschliessend bis am Donnerstag, 7. Mai in Worte zu fassen.» Dass der Oltnerin dies auf ihre ganz eigene Art und Weise gelingen wird, darin besteht kein Zweifel. Schliesslich begeistert Lisa Christ bereits seit gut acht Jahren mit ihren Texten auf Slambühnen im In- sowie Ausland und durfte sich 2011 gar U20-Schweizermeisterin nennen. Mal sprüht ihre gesprochene Literatur nur so vor Selbstironie oder humorvoller Gesellschaftskritik, mal stimmt sie auch leise und nachdenkliche Töne an - eines bleibt jedoch stets erhalten: Ihr feines Gespür für Satire. Dieses will sie auch in ihren Führungen zum Ausdruck bringen. «Satire und Kunst beissen sich meiner Meinung nach keineswegs, sondern passen unglaublich gut zusammen. Schliesslich weist gerade der Kunstmarkt mit seinen Kontroversen äusserst viele ironische Züge auf», schmunzelt die Oltnerin und sinniert: «Heutzutage wird einerseits von den Künstlern verlangt, einzigartig zu sein und ihre Werke aus selbstaufopfernder Leidenschaft zu entwerfen, andererseits müssen diese ja auch davon leben können, da sie meist nur minimale finanzielle Unterstützung erhalten.» In der Kunstlandschaft würden sich unzählige solcher Widersprüche finden lassen.

«Ich brauche beide Ausdrucksformen»

Für Lisa Christ ist die Kunstszene und deren Vermarktung keineswegs Neuland. Schliesslich absolvierte sie im letzten Sommer ihren Bachelor in «Vermittlung in Kunst und Design» und hat sich selbst bereits an verschiedenen Ausstellungen beteiligt. So auch an der JugendArt, heute JKON, im Jahre 2007, die für sie gleichzeitig den Startschuss ihrer Poetry Slam-Zeit bedeutete. «Auf der offenen Bühne der damaligen JugendArt las ich spontan Auszüge aus meinem Notizheft vor, in welchem ich stets meine unterschiedlichsten Gedanken festhalte. Gleich anschliessend wurde ich von art i.g.-Mitglied Rainer von Arx angespornt, am nächsten U20-Slam teilzunehmen», erinnert sich Christund fügt lachend an: «Und seit diesem ersten kleinen Auftritt hat es mich gepackt und ich habe nie wieder damit aufgehört. Die Schweizer Slam-Szene ist quasi zu meiner Zweitfamilie geworden.» Mittlerweile benötige sie das Schreiben sowie das Zeichnen als wichtige Ausdrucksmittel in ihrem Leben. «Die beiden Teile ergänzen sich. So zeige ich meine sinnliche und emotionale Seite lieber mit meiner visuellen Kunst und die satirische sowie humorvolle eher durch meine Worte.»

«Leben kann ich davon nicht»

Die 24-Jährige absolviert zahlreiche Auftritte pro Jahr in der ganzen Deutschschweiz und durfte von so einigen Slams mit einem Whisky, dem traditionellen Siegerpreis, nach Olten zurückkehren. Leben von ihrer Wortkunst kann sie jedoch nicht und jobbt daher nebenbei im Service. «Als Slampoet verdient man praktisch nichts.» Damit die Kunstart finanziell lukrativ wird, müssen sich die Slammer in unterschiedlichen Gebieten bewähren, wie es Gabriel Vetter mit seinen Büchern, Fernsehauftritten und abendfüllenden Programmen vormacht. «Ein Traum wäre es natürlich schon, jedoch möchte ich jetzt erstmal mein Masterstudium beginnen und mich vermehrt mit Kunstvermittlung auseinandersetzen.» Eventuell könne sie in Zukunft die beiden Bereiche mit weiteren interdisziplinären Projekten noch intensiver miteinander verknüpfen. «Bei mir ist alles offen»,lächelt Lisa Christ. Erstmals steht nun sowieso am nächsten Donnerstag,7. Mai ihre Premiere als etwas andere Museumsführerin an.

 

 

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