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17.02.2016

Von der Revolverküche zum Art House-Cinema

«100 Jahre Lichtspiele müssen gefeiert werden», findet Jacqueline Arnold vom Filmverein Lichtspiele. (Bild: vwe)

«100 Jahre Lichtspiele müssen gefeiert werden», findet Jacqueline Arnold vom Filmverein Lichtspiele. (Bild: vwe)

Kino Lichtspiele feiert sein 100-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsprogramm

Viviane Weber

Mitten im ersten Weltkrieg brach Ende 1916 mit der Eröffnung des Lichtspiel-Theaters das Kinofieber in Olten aus. Zuvor wurden in der Eisenbahnerstadt nur sporadisch Filme unter dem Veranstaltungsnamen «Kinematograph Helvetia» im Hotel Gotthard sowie Hotel Löwen gezeigt. Das Lichtspiel-Theater am Klosterplatz war somit das erste richtige Kino, das ausschliesslich zum Zwecke des Filmvergnügens erbaut wurde. Doch wie entwickelte sich das ehemalige Lichtspiel-Theater zum heutigen Arthouse-Cinema, das von einem Filmverein betrieben wird?

Teil des Schibli-Imperiums

Ab 1920 übernahm mit dem Oltner Kurt Schibli kein Unbekannter das Lichtspiel-Theater. Auch Kurt Schibli’s Cousin, Bruno Schibli, mischte in der Oltner Kinobranche mit und eröffnete sechs Jahre später mit dem Palace das zweite Filmtheater in der Aarestadt. 1930 wurde in diesem mit dem deutschen Klassiker «Der Korvettenkapitän» gar der erste Tonfilm in Olten gezeigt. Das Kinoimperium der Schiblis nahm somit in den 1920er-Jahren seinen Anfang und wird heute vom stadtbekannten «Kino-Koni» (Konrad Schibli, Enkel von Bruno Schibli), der heute sowohl das Kino youcinema, Palace als auch Capitol betreibt, weitergeführt.

Verruchte Revolverküche

Nachdem in Olten Filmtheater wie das Capitol, das Palace oder auch das Kino Rex (heute youcinema) nur so aus dem Boden sprossen, geriet das Lichtspiel-Theater im Laufe der Zeit immer mehr in Vergessenheit. Ab den 1950-er-Jahren galt das Kino am Klosterplatz gar als verrucht und war in der Stadt nur als «Revolverküche» bekannt. Auch Jacqueline Arnold vom Filmverein Lichtspiele erinnert sich, dass sie als Kind nie einen Fuss in das Filmtheater gesetzt hätte. «Wenn ich beim Kloster vorbeiging, kam mir das Gebäude mit der Aufschrift «Lichtspiel-Theater» stets etwas suspekt vor», erinnert sich die Ur-Oltnerin.

Rettung des Kinos Lichtspiele

Da half auch das zusätzliche «e» im Namen des Filmtheaters, welches ab 1970 hinzugefügt wurde, nichts, um den Ruf des Kino Lichtspiele zu verbessern. Obwohl im altehrwürdigen Gebäude noch im 21. Jahrhundert unterschiedlichste Filme liefen und sich im oberen Stock eine Videothek befand, war der Betrieb schon lange nicht mehr lukrativ und die Räumlichkeiten bedurften laut Jacqueline Arnold einer dringenden Sanierung. «Vor allem aus diesen Gründen entschied sich Konrad Schibli 2009 für die Gründung eines Filmvereins, der sich zukünftig dem Betrieb und dem Wiederbeleben des Lichtspieles annehmen sollte.» Denn bis dahin hatte sich nach wie vor «Kino-Koni» für das erste Oltner Filmtheater verantwortlich gezeigt. «Indem Konrad Schibli Filmliebhaber aus Olten auf den Plan rief und involvierte, konnte das Lichtspiele gerettet werden», so Arnold.

«Filme sind unser Kerngeschäft»

Nachdem anfangs noch über eine differenziertere Nutzung des Kinos Lichtspiele diskutiert wurde, einigten sich die Mitglieder an der ersten GV, das Kerngeschäft weiterhin der jahrzehntelangen Filmtradition folgen zu lassen. Seit 2010 werden daher im Kino Lichtspiele Arthouse-, Doku- oder unbekanntere Filmproduktionen gezeigt. Sprach-, Kultur- und Themenvielfalt sind beim Kinoprogramm keinerlei Grenzen gesetzt. Für Jacqueline Arnold, welche das Programm zusammenstellt, ein grosser Zeitaufwand. «Da ich vom Titel her meist nicht auf die Qualität des Filmes schliessen kann, schaue ich mir jeden unserer Programmpunkte zuvor selber an und besuche viele Filmfestivals, um neue Ideen zu sammeln.» Doch nicht nur das handerlesene Filmprogramm benötigt viel Zeit und Hingabe, auch die Filme werden Tag für Tag von ehrenamtlichen Vereinsmitgliedern abgespielt. «Wenn man ein richtiger Filmfreak ist, verbringt man gerne seine Zeit im Kino.» Nebst Jacqueline Arnold setzt sich der heutige Lichtspiele-Vorstand aus den Filmliebhabern Markus Arnold (Präsident), Emile Stricker, Bea Engeli, Kim Becker und Markus Wyss zusammen.

Jubiläumsprogramm zum 100-Jährigen

Zusätzlich zum alltäglichen Kinoprogramm finden ab und an auch andere Kulturveranstaltungen wie Konzerte oder Theater im Kinogebäude beim Klosterplatz statt. Dies ist auch während des diesjährigen Jubiläumsprogrammes zum 100-jährigen Bestehen des Kino Lichtspiele der Fall. So zelebriert der Filmverein sein Jubiläum am Freitag, 19. Februar mit einem Theaterspektakel. Das Theater Marie aus Aarau wird die Zuschauer in ihrem theatralischen Essay auf eine Reise durch die Schweizer Kinogeschichte mitnehmen. Am 29. April folgt eine Plauderei mit Alt-Stadtarchivar Martin Eduard Fischer zum Thema «Vom Daumenkino zum Kinematografen». Für Filmmusikfans wartet mit den Konzerten des Projektchors am 7. und 11. Mai ein Leckerbissen und auch Lieb- haber von Stummfilmen kommen am 21. Oktober auf ihre Kosten. Um gegen Ende des Jubiläums- jahres noch einmal auf die Pauke zu schlagen, beehren am 2. Dezember 12 Musiker der Balkan Brass Band «Traktorkestar» das Lichtspiele und zum Abschluss der Feierlichkeiten werden Ende Dezember kostenlos Filmperlen aus dem Kinoprogramm gezeigt.

update AG - Agentur für Kommunikation