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23.03.2016

Beno Meier, Schriftsteller und Menschenfreund

Der Autor Beno Meier hat mit «Hera sieht rot» seinen zweiten Erzählband vorgelegt. (Bild: ZVG)

Der Autor Beno Meier hat mit «Hera sieht rot» seinen zweiten Erzählband vorgelegt. (Bild: ZVG)

Beno Meier Im Knapp Verlag ist gerade Beno Meiers zweites Buch erschienen. Der ehemalige Gymnasiallehrer erweckt darin griechische Mythologie zu ungeahntem Leben.

Isabel Hempen

Wer sich mit Beno Meier unterhält, bekommt eine Ahnung davon, wie es sich angefühlt haben muss damals im Zimmer 408 an der Kanti Olten, wo der ehemalige Lehrer für Latein und Altgriechisch die Götter und Helden der Antike aufleben liess. Meier ist ein mitreissender Erzähler, seine Lektionen können niemals trockene Referate gewesen sein - wie man den eigenen Lateinunterricht vielleicht noch nachhaltig in Erinnerung hat - ganz im Gegenteil. Er stand im Dialog mit seinen Schülern, liess sich von ihren Fragen leiten und verknüpfte den alten Stoff schwungvoll mit den Themen, die den Jugendlichen unter den Nägeln brannten. Manche dieser Unterhaltungen über die griechische Mythologie hat er aufgeschrieben, im Knapp Verlag ist eben sein zweites Buch «Hera sieht rot» erschienen.

Menschlich, allzumenschlich

Wie schon im ersten Band «Aphrodite ungeschminkt» sind es leichtfüssige und zugleich lehrreiche Zwiegespräche zwischen Schüler und Lehrer, die niemals einen moralischen, jedoch durchaus auch mal einen gesellschaftskritischen Ton anschlagen. «Ich möchte im Grunde aufzeigen, dass der Mensch sich nicht verändert hat», erklärt Meier. Etwa wenn er Euripides mit den Worten zitiert: «Was du hast, gefällt dir nicht. Was du nicht hast, das reizt dich mehr» und der Schüler kontert: «Das kenne ich aus dem Kindergarten: ‹De Hans im Schnäggeloch hed alles, was er will…›». Der Mensch steht für Meier im Zentrum, und er selbst, gewinnt man den Eindruck, ist ein Humanist im wahrsten Sinne – ein Menschenfreund. Meier, der 1949 in Luzern geboren wurde und heute mit seiner Familie in Dulliken wohnt, kam 1976 an die Kantonsschule Olten. Dort unterrichtete er bis 2012. Über seine Lehrzeit sagt er selbst: «Wer hier in Olten nicht Schule geben kann, kann es nirgends – die Schüler hier sind sehr angenehm.» Er sei konsequent gewesen, aber fair. Auch wer keine guten Noten schrieb, sollte sich wohlfühlen in seinem Unterricht.

Elegante Frechheit

An seinen Schülern schätzte erbesonders eine «elegante Frechheit», deren Ton sich auch in seinen Büchern wiederfindet. Einer von ihnen war Werner De Schepper, ehemaliger Chefredaktor des «Blick» und heute Co-Chefredaktor der Schweizer Illustrierten. «Lehrer Meier […] wollte unsere Fragen hören. Und je besser, echter und origineller wir fragten, desto lebendiger wurden seine Antworten. Desto mehr schweifte er aus, wie der Lehrer in den Geschichten von ‹Hera sieht rot›», so De Schepper im Vorwort. Geschrieben hat Meier schon immer, anfangs jedoch nur für den Hausgebrauch, wie er sagt. An der Kantonsschule verfasste er Jahresberichte und schrieb fürs Schulmagazin, nach der Pensionierung wagte er sich dann an Grösseres heran – und landete einen «Wurf», wie ihm ein Freund versicherte. Der Knapp Verlag war gleicher Meinung.

«Wie im Zimmer 408»

Nun, nach dem zweiten Band, möchte sich Meier wieder anderen Dingen widmen – der Übersetzung des Heldenepos «Herzog Ernst» an der Uni Basel etwa, wo er einst einen Lehrauftrag hatte, oder einem schriftstellerischen Projekt mit einem Philosophen. Zudem singt er im Kantichor und im Kirchenchor von Dulliken. Und er reist viel und gerne. Mit seiner Frau vor einigen Jahren in den Iran, «eine der tollsten Reisen», wie er sagt. Er erwähnt Marokko, Griechenland, Elba, eine Donauschiffahrt von Passau bis zur Mündung. Auch Wandern gehört zu seinen Leidenschaften. Meier, der das Gegenüber mit seinem grossen Wissen beeindruckt, scheint die Auffassung zu vertreten, dass man nie ausgelernt hat. Eine der für ihn schönsten Rückmeldungen zum ersten Buch lautete: «Wenn man mir die griechische Mythologie so geboten hätte, hätte sie mich auch interessiert.» Auch Emil hat das Buch gelesen, er fand es «anspruchsvoll». Und ehemalige Schüler meinten nach der Lektüre zu ihm: «Ich komme mir wieder vor wie im Zimmer 408.»

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