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07.03.2018

Die Tagträumerin lädt zum Segeln auf die Aare

Die Sängerin und Songwriterin Denise Donatsch entflieht mit ihrer Musik der Enge des Alltages. (Bild: André Albrecht)

Die Sängerin und Songwriterin Denise Donatsch entflieht mit ihrer Musik der Enge des Alltages. (Bild: André Albrecht)

Denise Donatsch Am Samstag, 17. März präsentiert Denise Donatsch ihr erstes eigenes Album «Wenn alles angersch wär» in der Oltner Galicia Musik Bar. Wir haben mit der Musikerin über das Anderssein, ihre gedankliche Bootsfahrt nach Costa Rica und die Kunst des Ankommens gesprochen.

Mirjam Meier

An Fantasie hat es Denise Donatsch noch nie gemangelt. Das Lied «Wenn alles angersch wär» ist sogleich der Titel ihres ersten eigenen Albums. «Der Song beschreibt meine «Begabung», gedankliche Riesengebilde nach dem Prinzip «was wäre wenn...» entstehen zu lassen», erzählt die Singer-Songwriterin und fügt schmunzelnd an: «Andererseits kann ich vor allem im privaten Bereich auch Horrorszenarien entwerfen und mich so richtig hineinsteigern.» Ein Gefühlsmensch durch und durch, was auch ihren schweizerdeutschen Texten und den jazzig-sinnlichen Klängen anzuhören ist.

Die Königin der Tagträume

Ihren Tagträumen nachzuhängen sei eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Diese Eigenschaft half ihr bereits zu Teenagerzeiten, der Realität zu entfliehen. «Ich war schon immer etwas eigen- sinnig», erzählt Donatsch und fügt an: «Ich stamme aus einer sehr einfachen Familie, die in den 1970er-Jahren aus dem Bündnerland nach Olten gezogen ist, habe Trends nicht mitgelebt und eher dem uncoolen Lager angehört», erzählt die 36-jährige Oltnerin und fügt lachend an: «Meinen ungewöhnlichen Kleidergeschmack konnte ich bis heute nicht ablegen.» Bereits als Kind musizierte Donatsch mit Vater und Schwester bei einer Hochzeit, war später Solistin im Jugendchor und sang während ihrer Kanti-Zeit mit ihrer besten Freundin mit Mittelscheitel und Wildledermantel 60er-Jahre-Songs in der Oltner Bahnhofunterführung. «Mit meinem sensiblen Naturell bin ich im Herzen ein Hippie geblieben. Ich wünsche mir Frieden und, dass alle Menschen gleich behandelt werden. Zudem mag ich ein gleichbleibendes privates Umfeld», erzählt die Sängerin, die sowohl Klavier als auch Gitarre spielt. «Manchmal ist es mir aber zu eng in der starren Schweiz», erklärt die chaotisch veranlagte Sängerin. «Dieser Enge entfliehe ich heute durch meine Musik und deshalb entstehen Songs wie «Costa Rica», in dem ich mit dem Radio via Aare nach Costa Rica segle.»

Falsches Biotop

Nach der Geburt ihrer Tochter mit 20 Jahren beendete Donatsch das Lehrerseminar und arbeitete als Primarlehrerin. «Die Festanstellung und das starre Schul-Korsett mit beengenden Stunden- plänen wurden mir zu viel», erzählt die Sängerin. Sie besinnte sich auf ihre Musik, absolvierte die dreijährige Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Swiss Musical Academy in Bern und wurde Mitglied in der Musicalshowgruppe von Damian Meier. Aber auch das Theater war nicht Donatsch’s Welt. «Mir wurde bewusst, dass ich für dieses Biotop nicht die Richtige bin. Zudem kann ich zwar Singen und Tanzen, bin jedoch eine schlechte Schauspielerin», so die 36-Jährige, die unter anderem beim Musical «Joseph and the amazing technicolor Dreamcoat» und bei verschiedenen Musikprojekten als Sängerin mitgewirkt hat. Zudem stand sie beim Improtheater «Die Preisverleihung» mit Patrick Frey und Joachim Rittmeyer auf der Bühne.

Das vierte Kind

«Heute kann ich sagen, dass ich in der Musik zu Hause bin. Um das zu realisieren, musste ich gefühlt eine Weltreise unternehmen, während der ich in haufenweise Fettnäpfchen getreten bin und mich förmlich in ihnen gewälzt habe», erzählt die Sängerin selbstkritisch. Auf die Frage, wieso erst 2018 ihr erstes eigenes Album erscheine, meint Donatsch: «Ich denke, dass sich mir zuerst mein Herzenswunsch nach einer eigenen Familie erfüllen musste, damit nun «konkurrenzfrei» mein viertes Kind zur Welt kommen konnte.» Die Schwangerschaften mit ihren beiden jüngeren Kindern hätten ihre Welt auf den Kopf gestellt und sie teilweise zu ungewöhnlichen Textideen sowie zu vielen Balladen inspiriert. «Nicht selten kommen mir die Ideen zu meinen Songs während dem Kochen», erzählt Donatsch, die ihren Ehemann als ruhenden Pol bezeichnet, der sowohl im wörtlichen Sinn als auch auf geistiger Ebene Ordnung in das manchmal chaotische Leben seiner Ehefrau zaubert. Nach der Geburt ihrer Tochter im Jahr 2016 waren die Zeit reif und genügend Songideen vorhanden: «Ich holte mir den Pianisten Jean-Luc Gassmann mit ins Boot, um die Lieder fertig auszuarbeiten. Zudem stellte ich im vergangenen Jahr die Band zusammen und begab mich ins Tonstudio.» In einer Woche, am Samstag, 17. März ist es nun soweit, das vierte Kind wird um 21 Uhr in der Galicia Bar getauft. «Ich freue mich, wenn ich mit meinen Songs auch das Publikum zu Tagträumen verführen kann», so Denise Donatsch.

Plattentaufe von Denise Donatsch
Samstag, 17. März, 21 Uhr, Galicia Bar Olten

www.denisedonatsch.ch

 

 

 

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