Im Gespräch
13.12.2017

Von der Froburg auf Olten schauen

Für Manfred Rötheli ist der Weg das Ziel. Um dies zu demonstrieren, hat der Coach farbige Stühle aufeinandergestapelt. (Bild: Sonja Furter)

Für Manfred Rötheli ist der Weg das Ziel. Um dies zu demonstrieren, hat der Coach farbige Stühle aufeinandergestapelt. (Bild: Sonja Furter)

Manfred Rötheli setzt als Coach den Schwerpunkt auf den «Leichtpunkt», ist Vater von fünf Kindern und findet, die Stadt Olten sollte etwas für jene Leute tun, die nur den Bahnhof kennen.

Sonja Furter

«Der Meierhof war wie eine Stadt in der Stadt», sagt der heute 51-jährige Manfred Rötheli über die 1966 erbaute Siedlung, wo er im Hochhaus Nummer vier aufgewachsen ist. «Ich beteiligte mich an den Kämpfen der Meierhof-Bande gegen die Starrkirch-Wil-Bande, die aus Dreikäse-hoch-Jungen aus dem Quartier bestand. Meine Freunde und ich waren überzeugt, dass es bei den Kämpfen um Leben und Tod geht», erzählt Rötheli lachend von seinen Kindheitserinnerungen. Einmal sei einer der Jungen von der gegnerischen Bande im Wald gefesselt und dann vergessen worden. Ob ihm dieses Schicksal auch widerfahren sei, wisse er leider nicht mehr, erzählt der heute fünffache Vater. Es sei immer ein Wunsch von ihm gewesen, einmal eigene Kinder zu haben. «Dass es gleich fünf werden würden, ahnte ich damals noch nicht.» Die zwei Töchter aus erster Ehe sind
20 und 22 Jahre alt und studieren an der pädagogischen Hochschule Primarlehrerin und soziale Arbeit. Der Beziehung zu seiner jetzigen Lebenspartnerin entstammen zwei Jungen im Alter von zehn und acht Jahren sowie ein sechs Jahre altes Mädchen. Die Kinder halten den Vater nicht nur auf Trab, sondern auch jung. «Wenn ich zum fünften Mal einem Kind das Fahrradfahren beibringe, ist dies für mich ein Ansporn, körperlich und geistig fit zu bleiben. Dies erreiche ich zum Beispiel durch Joggen oder Biken», erzählt Rötheli, der mit seinen Kindern gerne Schlittschuh fährt oder die neuste Version von Star Wars anschaut. «Jedes weitere Kind bringt seine eigene Persönlich- keit mit und verändert dadurch die Familiendynamik. Das ist spannend und herausfordernd zugleich.»

Der Coach, der Bügeleisen repariert

«Früher reparierte ich leidenschaftlich gerne kaputte Bügeleisen», begründet Rötheli schmunz- elnd, wieso er sich im Alter von 16 Jahren für eine Lehre als Elektromonteur entschieden hat. Nach Abschluss der Ausbildung besuchte er die Handelsschule und verkaufte bei der EAO Leuchttasten. Seine nächste berufliche Etappe war eine berufsbegleitende Ausbildung zum Informatiker, für die er täglich von Olten nach Zürich pendelte. Heute ist Rötheli noch immer in der IT-Branche tätig, jedoch in der Funktion eines Coaches. «Mich reizt es, mit sehr rationalen Leuten zu arbeiten, wie man sie in der Informatik-Branche oft antrifft. Wo Nerds Tüftler und Mathematik- genies zusammen kommen, ist Kommunikation ein wichtiger und vor allem unterschätzter Erfolgsfaktor.» Wer in der von Zahlen und Algorithmen bestimmten Informatikbranche Erfolg haben wolle, müsse dem Faktor Mensch mehr Bedeutung beimessen, ist Rötheli überzeugt. «Wenn zwei Personen im Team einen Konflikt haben, dann muss die Software diesen Konflikt ausbaden.»

Von den «Sozis» gelernt

Mit farbigen Stühlen, die er aufeinanderstapelt, demonstriert Rötheli, dass für ihn heute der Weg das Ziel sei. Den Schwerpunkt setzt er in seiner Arbeit als Coach denn auch auf den «Leicht- punkt» und hat sein Studio in Olten entsprechend benannt. Er hilft Teams dabei, Konflikte anzugehen und Projekte aus verschiedenen Perspektiven heraus zu entwickeln. Dazu hat er im Regal die Biene Maja und ihre Freunde Willi und Flip als Plastik-Figuren aufgereiht, die für unterschiedliche Rollen wie der Träumer, der Macher und der Kritiker stehen. «Meine Ausbildung an der FHNW in Olten in «Master of Advanced Studies Coaching» hat mir neue Welten eröffnet. Mit den umgangssprachlichen «Sozis» die Schulbank zu drücken und von Erfahrungen aus der Arbeit mit Drogensüchtigen zu hören, hat meinen Horizont erweitert.» Von sich selber sagt Rötheli, dass er ein Macher sei, manchmal etwas unstetig und blauäugig durchs Leben gehe und stets neue Erfahrungen suche. «Ich nehme die Dinge eher leicht und finde, dass man sich selber nicht zu ernst nehmen sollte.»

Veränderte Druckverhältnisse

«Olten vereint für mich beides, ist sowohl Stadt als auch Dorf, anonym und dennoch sozial», zieht Manfred Rötheli ein Fazit, während er darüber sinniert, dass der Mensch in einer Grossstadt auf fast komplette Anonymität treffe, während es in einem Dorf an Privatsphäre mangle. Wenn er mit seinem Bike unterwegs ist, fährt Rötheli aus der Stadt hinaus ins Grüne. «Von der Froburg, knapp über der Nebelgrenze, schaue ich aus etwas Distanz auf Olten herab und blicke links in Richtung Zürich und rechts in Richtung Bern.» Gegenüber Arbeitskollegen aus diesen beiden Städten habe er sich oft rechtfertigen müssen, wieso er in Olten wohne, erzählt Rötheli. «Wenn jemand nur mit dem Zug durch den Bahnhof fährt, kann ich nachvollziehen, dass er Olten nicht so prickelnd findet.» Diesen Leuten sollte die Stadt Olten etwas bieten und versuchen, sie zu erreichen, wünscht sich der Coach. «Die Dreitannenstadt würde ein paar Neuzuzüger vertragen.» Vor zwanzig Jahren sei Olten ein Nebelloch gewesen, heute scheine jedoch viel öfters die Sonne. «Das Vorurteil «Nebelstadt» stimmt nicht mehr. Die Druckverhältnisse in Olten haben sich verändert.»

update AG - Agentur für Kommunikation