Im Gespräch
20.12.2017

«Ich kochte Risotto mit Eistee»

Reto Derungs vor einem Apfelbaum in seinem Garten an der Felsenstrasse 50. Der Oltner mit den bündnerischen Wurzeln beeindruckte seine zukünftige Frau mit seinem Erfindergeist. (Bild: S. Furter)

Reto Derungs vor einem Apfelbaum in seinem Garten an der Felsenstrasse 50. Der Oltner mit den bündnerischen Wurzeln beeindruckte seine zukünftige Frau mit seinem Erfindergeist. (Bild: S. Furter)

Reto Derungs ist Hausmann und Vater, hat mit Eistee Risotto gekocht, ist mit einem alten englischen Morris durch Neuseeland gefahren, putzt leidenschaftlich gern und beherbergt in seinem Bed and Breakfast in Olten Gäste aus der ganzen Welt.

Sonja Furter

Die Familie ist das Wichtigste in seinem Leben. «Sie ist mein Hobby», verrät Derungs schmunzelnd. Der 49-Jährige ist in Olten aufgewachsen und bezeichnet die Dreitannenstadt als seine Heimat. Sein Vater war ab 1966 Wirt im damaligen Coq d`Or bis zu seinem frühen Tod fünf Jahre später. Die Mutter arbeitete im dazugehörigen Hotel und danach als Verkäuferin im Bahnhofs-Kiosk. Seine Ehefrau Huguette hat Reto Derungs vor dem Elternhaus in Olten kennen gelernt. «Meine Mutter kannte die Mutter von Huguette. Eines schönen Tages stand meine Zukünftige vor der Haustüre», lacht er. Huguette und Reto gingen zusammen Kanu fahren. «Das war unser erstes Date. Leider hatte ich vergessen, eine Flasche Wasser einzupacken. Bei der Rast auf einer Insel habe ich in der Not Risotto mit Eistee gekocht.» Dieser Erfindergeist beeindruckte Huguette. Sie erzählte ihm später, dass für sie in diesem Moment klar gewesen sei, dass er der Mann fürs Leben ist. Nach dem Kanufahren kam das Bungee-Jumping auf der anderen Seite der Weltkugel. Das Paar fuhr mit einem alten, englischen Morris durch Neuseeland, verbesserte seine Englischkenntnisse und bewunderte die Landschaft. «Diese Reise war ein tolles Erlebnis. Neuseeland ist ein schönes Land und fantastisch für Hippies», schwärmt Derungs.

Vom Tiefkühllager zum Hausmann

Als sich Nachwuchs ankündigte, heirateten die beiden im kleinen Kreis und der Vater in spe sah seine Zeit gekommen, sich beruflich neu zu orientieren. «Die Lehre hatte ich als Koch gemacht und anschliessend bei der Migros als Wareneingangs-Kontrolleur im Tiefkühllager bei -28°C gearbeitet. Nach der Geburt unseres Sohnes war für mich klar, dass ich Hausmann werde.» Ungewöhnlich sei das nicht, findet Derungs und verweist auf die Kolumnen von Bänz Friedli im Migros-Magazin. Dieser sei Hausmann mit Leib und Seele und seine Texte würden in der ganzen Schweiz gelesen. «Wenn mein achtjähriger Sohn nach Hause kommt, mache ich zuerst mit ihm Hausaufgaben», gibt sich der Vater streng und handelt in der Erziehung nach dem Grundsatz, dass zuerst die Arbeit, und dann das Vergnügen kommt.

Haare und Molton gefärbt

Als ein Umbau des Wohnhauses anstand, entschied die Familie, ein Bed and Breakfast zu gründen. Inspiriert hatte sie der Inhaber eines Bed and Breakfast auf einer Reise durch Schottland. «Ich habe mir gesagt, wenn er das kann, dann kann ich das auch. Ausserdem putze ich leidenschaftlich gerne», begründet Derungs den Schritt in die Selbstständigkeit und fügt stolz hinzu: «Ich nenne den besten Wischmopp der Welt mein Eigentum.» Nach acht Jahren «Bett und Frühstück» hat Reto Derungs viele Geschichten zu erzählen. Lustige, traurige, seltsame und schlicht unglaubliche. Einmal habe ihm ein reicher Hotelbesitzer aus der Türkei, der am Vortag mit einem Mercedes angereist war, vier doppelwandige Bloomix Gläser aus dem Frühstücksraum gestohlen, ein andermal habe sich eine Frau im Zimmer nicht nur die Haare, sondern auch den Kissenbezug und den Molton in der neuen Farbe gefärbt. «Das Bettlaken konnte ich waschen, den Molton jedoch musste ich entsorgen und einen neuen kaufen.» Derungs schüttelt ungläubig den Kopf, während er eine weitere Begebenheit erzählt. «Nicht schlecht gestaunt habe ich über das Geschäft von drei freundlichen Bauern aus Venezuela. Sie hatten ihr Häufchen nicht in der Toilette verrichtet, sondern sorgfältig zugeschnürt in einem Säckli im Abfalleimer entsorgt.» Am Standort Olten schätzt Derungs persönlich und geschäftlich den Bahnhof als Knotenpunkt und das vielfältige kulturelle Angebot wie Konzerte und Poetry Slam. «Ich habe viele Gäste, die von Olten aus die ganze Schweiz bereisen.» Niemand komme nach Olten, um in der Stadt Ferien zu machen, gibt der Hotelier zu, stellt jedoch fest: «Nach einer Erkundungstour durch die Altstadt finden viele Gäste, dass Olten ein hübsches Städtchen ist.» Die meisten Zimmer vermietet der Hausmann an Schweizer, aber auch Gäste aus Deutschland, Österreich Frankreich, Holland, Belgien China, der USA, Argentinien oder gar aus Kasachstan und Tasmanien hat er schon beherbergt. «Für mich gibt es nur eine Welt, eine Erdkugel. Wir sind nicht Schweizer oder Argentinier, sondern Menschen.»

«Ich bin eine Plaudertasche»

Sich selbst beschreibt der 49-Jährige als kommunikativ und als jemand, der aus Wenigem das Beste herauszuholen versucht. «Ich strebe nach dem Optimum. Dabei fair zu bleiben ist mir wichtig.» In seiner Freizeit fährt Derungs gerne E-Bike oder macht Ausdauertraining auf dem Crosstrainer. An der Dreitannenstadt schätzt er die Badi sowie den Bahnhof und kritisiert die schlechten Velowege. «Diese sind zu eng und es gibt zu wenige davon. Dies führt im Strassenverkehr zu gefährlichen Situationen.» Seine Gäste bringe er oftmals zum Lachen, er sei ein humorvoller Mensch, sagt Derungs und gibt zu: «Ich bin auch eine Plaudertasche. Wenn jemand mir etwas erzählt, das ich weiter geben will, dann weiss es bald ganz Olten.»

Günstige Komplettlösungen von update AG