Im Gespräch
06.06.2018

Jung-Ingenieure messen sich in Aarburg

Das Team «League of Robots» aus Erlinsbach (v.l.): Nicola, Riccardo und Jakob mit ihrem Roboter im Übungskeller. (Bild: F. Beidler)

Das Team «League of Robots» aus Erlinsbach (v.l.): Nicola, Riccardo und Jakob mit ihrem Roboter im Übungskeller. (Bild: F. Beidler)

Robotik-Olympiade Am kommenden Wochenende messen sich am nationalen Final der Robotik-Olympiade in Aarburg fast dreihundert Jung-Ingenieurinnen und Jung-Ingenieure mit ihren selbst gebauten Robotern. Auch das Team «League of Robots» aus Erlinsbach hat in monatelanger Arbeit einen Roboter für den Wettbewerb entworfen.

Franz Beidler

Ein Tastendruck am Laptop und der kleine Roboter surrt los, dreht gleich rechts ab, fährt weiter geradeaus, macht zwei Drehungen nach links und kommt schliesslich vor den aufgereihten, gelben Legosteinen zu stehen. Ratternd senkt er seine Griffarme, lädt zwei der Steine auf und surrt weiter, um die Legosteine an anderer Stelle behutsam wieder abzusetzen. Dann hält der Roboter plötzlich unerwartet an und bewegt sich nicht mehr. «Jetzt hat er sich ausgeschaltet», ruft Jakob. «Komisch, dabei läuft das Programm noch», fügt er an. Nicola runzelt die Stirn. Die Problemanalyse beginnt. Seit Mitte Januar treffen sich Nicola, 13 Jahre, und Jakob, 12 Jahre, fast jeden Samstag- Vormittag, um an ihrem Roboter zu tüfteln. Zusammen mit Nicolas Vater Riccardo, der als Coach fungiert, sind sie das Team «League of Robots». Am kommenden Wochenende werden sie sich in Aarburg mit ihrer Konstruktion am nationalen Final der Robotik-Olympiade mit insgesamt 110 Teams in drei Kategorien messen. Die Gewinner dürfen die Schweiz im nächsten November am internationalen Wettbewerb in Thailand vertreten. Die diesjährige Ausgabe steht unter dem Motto «Food matters», weshalb die Legosteine zum Beispiel Setzlinge darstellen, die zur Aussaat gebracht werden müssen. Pro Kategorie erhalten die Teams eine Aufgabe, die es auf einem rund drei Quadratmeter grossen Spielfeld zu lösen gilt. Dieser Parcours konnte Mitte Januar beim Veranstalter bezogen werden. Ein Exemplar steht seither eben auch im Keller der Familie Alessandrelli, wo Nicola, Jakob und Coach Riccardo ihren Roboter entworfen, gebaut und programmiert haben.

Am Anfang war der Spieltrieb

Seinen Anfang nahm alles damit, dass Nicola bei Schulfreund Jakob «Lego Mindstorms» kennen- lernte. «Ich war davon sofort begeistert und habe mir das auch gleich zu Weihnachten gewünscht», erinnert er sich. «Mindstorms» nennt sich die Produktserie des dänischen Kult-Spielwarenherstellers, die sich um einen programmierbaren Legostein dreht. Zusammen mit Lego-Elektromotoren, -Zahnräder, -Sensoren und -Pneumatik-Teilen lassen sich so Roboter bauen und mit dem entsprechenden Computerprogramm steuern. Für die Maschinen an der Robotik-Olympiade dürfen nur Lego-Bauteile verwendet werden. Die Bauteile-Sets sind wegen der vielen Elektronik ein eher teures Vergnügen. «Deshalb war für mich klar: Wenn ich meinem Sohn schon so ein Set kaufe, dann müssen wir auch etwas Richtiges damit machen», erklärt Vater Riccardo. Auf die Robotik-Olympiade sei er dann erst später gestossen. «Der Wettbewerb gibt ein klares Ziel vor und mit den Ambitionen entwickelt sich auch der Teamgeist». Für ihn sei aber immer wichtig gewesen, dass die Initiative von den beiden Freunden auskomme.

«Programmieren macht Spass»

«Riccardo unterstützt uns nur um herauszufinden, wie etwas funktioniert und wie wir etwas möglicherweise einfacher bauen können», erzählt Jakob. Dass der Coach von Beruf Automations-Ingenieur ist, hilft. «Ich kenne die Tricks und Kniffe. Meine Aufgabe ist es, dieses Wissen herunterzubrechen, sodass sie es verstehen». Für ihn seien die schönsten Momente denn auch jene, in denen sein Sohn und dessen Freund sich selbstständig in dem Projekt vertiefen und das Gelernte anwenden. Sohn Nicola geniesst besonders jene Augenblicke, in denen sich der Roboter wie geplant verhält: «Wenn wir lange an etwas herumgetüftelt haben, dann das Programm starten und es funktioniert, das ist jeweils toll.» Dem schliesst sich auch Jakob an. «Den Roboter zu programmieren macht mir besonders Spass.»

«Nächstes Jahr gewinnen wir»

«Ein bisschen aufgeregt sind wir schon», geben Nicola und Jakob im Hinblick auf das Wochen- ende zu. Schliesslich müssen sie den Wettbewerb ohne Rat von Riccardo bestreiten, denn die Trainer der Teams dürfen an der Olympiade nur noch zuschauen. «Vor dem Parcours müssen wir den Roboter vor Ort noch selbstständig zusammenbauen», erklärt Nicola. Für das Zusammen- fügen der rund 200 Einzelteile stehen zweieinhalb Stunden zur Verfügung. Nach dem letztjährigen 17. Rang hat sich das Team dieses Jahr eine Platzierung unter den besten Zehn zum Ziel gesetzt. «Nächstes Jahr wollen wir den Wettbewerb gewinnen», geben sich die Jung-Ingenieure kämpferisch. Auch wenn Roboter für sie immer wichtig bleiben werden, wollen die beiden ihr Berufsleben nur bedingt damit verbringen: «Ich will schon etwas mit Technologie machen», sagt Jakob und Nicola fügt an: «Ich will Tierarzt werden.»

Robotik-Olympiade
Samstag, 9. Juni
Sonntag, 10. Juni
jeweils 8.30 bis ca. 18.30 Uhr
Mehrzweckhalle Paradiesli, 4663 Aarburg

www.worldrobotolympiad.ch

 

 

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