Im Gespräch
20.06.2018

Durch Knochenarbeit zum Chorspektakel

(v.l.) Korrepetitor Christoph Mauerhofer, Komponist Jean-François Michel, Chorleiterin Sandra Rupp Fischer und der musikalische Gesamtleiter Ludwig Wicki in der Alten Hauptwerkstätte in Olten. (Bild: Franz Beidler)

(v.l.) Korrepetitor Christoph Mauerhofer, Komponist Jean-François Michel, Chorleiterin Sandra Rupp Fischer und der musikalische Gesamtleiter Ludwig Wicki in der Alten Hauptwerkstätte in Olten. (Bild: Franz Beidler)

Theater 1918.CH In der Alten Hauptwerkstätte Olten wird fleissig geprobt, denn am 16. August feiert das Theaterereignis «1918.CH» hier Premiere. Die Chorleiterin Sandra Rupp Fischer und der musikalische Gesamtleiter Ludwig Wicki studieren mit dem Chor des Projekts die Musik von Jean-François Michel ein.

Franz Beidler

Der Chor steht in gespannter Konzentration vor der Zuschauertribüne. Die vielzitierte fallende Stecknadel wäre gut zu hören. Der Klang ihres Aufpralls würde sich am verwitterten Gebälk brechen und unter dem hohen Dach der geräumigen Halle verteilen. Aus den einzelnen Glasziegeln flutet warmes Sonnenlicht die Alte Hauptwerkstätte neben dem Bahnhof Olten und lässt sie trotz dem spaltenübersäten Betonboden einladend erstrahlen. «Jetzt mal nur das Einatmen und der erste Ton», weist Ludwig Wicki von einem Podium am kurzen Ende der Halle die rund vierzig Personen an und gibt den Einsatz. Auf der Zuschauertribüne tut es ihm Sandra Rupp Fischer gleich und verdeutlicht mit geschwungenen Handbewegungen die Anweisungen. Das Einatmen und der erst Ton werden gleich noch dreimal wiederholt. Musikalische Knochenarbeit. So proben Wicki, musikalischer Leiter und Dirigent, und Rupp Fischer, Chorleiterin und Musikschulleiterin der Musikschule Olten, zusammen mit dem Chor des Theaterprojektes «1918.CH». Am 16. August wird es in dieser Halle Premiere feiern. Dann werden zum Chor noch rund fünfzig Schauspiel-ende und ein fünfzehnköpfiges Kammerensemble der Basler Sinfonietta hinzustossen, um das hundertjährige Jubiläum des Landesstreiks von 1918 zu begehen. Die Aufführung der mehr als hundert Beteiligten in Olten bildet gleichzeitig den dramaturgischen Rahmen für jeweils zwei Gastbeiträge von zwanzig Theatergruppen aus der ganzen Schweiz. Zudem werden in der Alten Hauptwerkstätte performative Installationen zu sehen sein. «An die Premiere denken wir aber noch nicht», erzählen Rupp Fischer und Wicki. Bis dahin hätten sie und der Chor noch viel Arbeit vor sich.

Herausforderung für den Chor

«Der Chor besteht zum grössten Teil aus Laien, manche haben noch gar keine Chorerfahrung und lesen keine Noten», sagt Rupp Fischer. Das sei für die Beteiligten eine Herausforderung. Zudem sei der Chor überwiegend szenisch tätig. «Als traditioneller Chor kommt er eigentlich nur am Schluss zum Einsatz», verrät die Chorleiterin. Sie arbeite ausschliesslich mit Laien-Chören und freue sich immer wieder darüber, dass es möglich ist, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzubringen und mit ihnen eine Aufführung zu erarbeiten. «Das motiviert mich sehr.» Zudem sei der Chor von der Musik von Beginn weg begeistert gewesen. «Jean-François Michel hat hervorragende Chorsätze geschrieben», rühmt die Chorleiterin den Komponisten des Projekts. «Ich finde ihn einen tollen Komponisten», schliesst sich Wicki an, «sonst würde ich das Theaterereignis 1918.CH nicht dirigieren.» Er kenne Michel schon lange und habe schon viel mit ihm zusammengearbeitet. «Es sind nicht alle Komponisten gleich, aber die Guten sind immer sehr angenehm», so der musikalische Leiter.

Ein Gesamtspektakel

Michels Musik kommt beim Theaterereignis 1918.CH gleichwertig wie Text, Choreographie oder Kostüm- und Bühnenbild zum Einsatz. «Das liebe ich, wenn die Musik etwas Bestimmtem zudienen muss», sagt Wicki. «Ich freue mich sehr auf das Gesamtspektakel.» Ihm habe das Projekt auch den Landesstreik als historisches Ereignis nähergebracht, denn davon habe er keine Ahnung gehabt. «Inzwischen interessiere ich mich sehr für die Vorkommnisse zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.» Und Rupp Fischer geht es ganz ähnlich: «Klar kannte ich den Begriff Generalstreik, aber als historisches Ereignis habe ich das nie wahrgenommen», so die Chorleiterin. Umso dringlicher erscheint nun die Aufklärungsaufgabe von 1918.CH. «Fragen um die Gleichstellung oder Migration waren damals so aktuell wie heute», weiss Rupp Fischer und Wicki fügt an: «Ich erzähle allen, sie müssten das unbedingt schauen kommen.» Die Leute wüssten einfach zu wenig über den Landesstreik.

«Ich habe immer einen Plan B»

Bis am 16. August ein breites Publikum die Hintergründe zu dem einschneidenden Ereignis erfahren könne, komme aber noch viel Aufwand auf alle Beteiligten zu, bestätigen beide.
«Die Partituren sind teilweise noch nicht ganz fertig und als Dirigent werde ich sie noch lernen müssen», sagt Wicki. Jetzt müssten sie noch die Knochenarbeit in den Proben leisten, eine Voraussetzung für Qualität. Aber sie seien ein tolles Team und es herrsche eine fantastische Atmosphäre. Das stimme ihn zuversichtlich, dass alles wie geplant laufen werde. «Anders als ich hat Sandra einen Plan B», witzelt der musikalische Leiter. «Ich habe immer einen Plan B», bestätigt Rupp Fischer. «Ich habe keinen, weil ich weiss, dass wir keinen brauchen werden», scherzt Wicki mit schallendem Lachen und Rupp Fischer antwortet mit Augenzwinkern:
«Das kann er jetzt sagen, wo er sich auf meinen Plan B verlassen kann».

«1918.ch - 100 Jahre Landesstreik»
Donnerstag, 16. August bis Sonntag, 23. September
in der Alten Hauptwerkstätte Olten
Vorverkauf unter: www.1918.ch

 

 

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