Im Gespräch
04.07.2018

Der neue Stern im «Star Wars»-Universum

Der 19-jährige Gymnasiast Jan Gutknecht steht kurz vor dem Abitur und sprüht vor Ideen. (Bild: S. Furter)Gesprayt, geklebt, genietet. Im Rahmen seiner Maturarbeit hat Jan Gutknecht viele Stunden Arbeit in die Herstellung seines Kostüms gesteckt. ZVG)

Der 19-jährige Gymnasiast Jan Gutknecht steht kurz vor dem Abitur und sprüht vor Ideen. (Bild: S. Furter)

Gesprayt, geklebt, genietet. Im Rahmen seiner Maturarbeit hat Jan Gutknecht viele Stunden Arbeit in die Herstellung seines Kostüms gesteckt. ZVG)

Jan Gutknecht verkörpert die Figur «Jaxe Knight», kämpft mit Waffen aus Sanitär-Rohren, produziert ein eigenes Hörspiel und spielt Guggenmusik mit der rätoro- manischen Ameise «Las Furmiclas».

Sonja Furter

Der Osterhase ist tot. Die hängenden Ohren und der tiefgefrorene Körper des Tieres lassen keinen Zweifel daran. «Das war ein Schock für mich, richtig böse», erinnert sich Jan Gutknecht an die «beste Geschichte» aus seiner Kindheit. Über die Erinnerung an den toten Hasen kann er heute lachen. Als kleiner Junge war er tief verunsichert, ob der Osterhase tatsächlich zu Tode ge- kommen war. Behauptet hatte dies Urs, der Ehemann von seiner Gotte. «Natürlich habe ich lautstark protestiert und darauf bestanden, dass es nicht stimmt», erinnert sich der 19-jährige Gymnasiast. Darauf stieg der passionierte Jäger Urs in den Keller hinunter. Um dem Dreikäsehoch Jan seine Theorie zu beweisen, zog er einen gefrorenen Hasen aus dem Tiefkühlfach. Den Jungen brachte diese Demonstration aus dem Konzept. «Nach dem ersten Schrecken habe ich dann aber realisiert, dass es ein ganz normaler Feldhase war.»

Las Furmiclas

Sich selbst beschreibt Gutknecht als leidenschaftlich und wortgewandt. Wenn ihn etwas begeistere, sei er nur schwer davon abzubringen. Gutknecht ist der Erstgeborene von drei Kindern. Seine Geschwister sind zweieiige Zwillinge und haben vier Jahre später das Licht der Welt erblickt. Der Vater arbeitet in den Stadtwerken von Zofingen, die Mutter ist als Hausfrau tätig. Seine Schwester absolviert das erste Jahr an der Kanti. Der Bruder besucht aufgrund einer geistigen Behinderung eine heilpädagogische Sonderschule. «Durch ihn habe ich gelernt, die Menschen nach unterschiedlichem Mass zu messen und auf verschiedene Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen», so Gutknecht. In seiner Freizeit spielt der Gymnasiast in der Guggenmusik «Las Furmiclas» mit. Der Name ist rätoromanisch und bedeutet «Ameise». Den Rhythmus habe er im Blut. «Singen kann ich jedoch nicht», verrät er. Am Sonntag dient Gutknecht als Ministrant in der katholischen Kirche, beim Hobby Kochen ist er «sich am Reinfinden» und nebst dem Fotografieren und Zeichnen liebt er es zu schreiben und zu lesen. «Mein Zimmer ist voll mit Büchern. Eine meiner Lieblingsgeschichten ist jene von Käpt’n Blaubär», so der Dreitannenstädter, der in Olten aufgewachsen ist. «Die Altstadt hat viel Charme, besonders die alte Holzbrücke gefällt mir sehr.» Wenn in der «Dorf-Stadt Olten» zu wenig los sei, brauche es eben Eigeninitiative. «Mein Cousin Floh hat immer wieder Events organisiert. Ich habe dabei mitgeholfen und war sozusagen seine ‹rechte Hand›», erzählt Gutknecht.

Spiel und Kostüm

Star Wars ist eine gigantische Welt, in der ein Fan versinken kann. Gutknecht ist seit seiner Kindheit davon begeistert und schwärmt: «Der Inhalt von «Krieg der Sterne» ist schier endlos und zu jeder noch so unbedeutenden Figur gibt es eine Geschichte.» Im Rahmen seiner Maturarbeit hat sich Jan Gutknecht darum mit dem Verkleidungstrend «Cosplay» beschäftigt. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern Kostüm und Spiel zusammen. Ziel ist es, eine Figur aus einer Serie oder einem Film darzustellen. In wochenlanger Arbeit hat er seinen eigenen Charakter mit dem Namen «Jaxe Knight» gebastelt. Dessen Waffen sind aus Sanitär-Rohren gefertigt, der Helm aus Polyvinylchlorid. «Beim Tragen hat das Kostüm überall geschmerzt. Beim nächsten Projekt werde ich darum Schulterpolster einbauen», so der Cosplayer lachend. Um seinem Alter Ego noch mehr Leben einzuhauchen, hat der Schöpfer fünfzig A5-Seiten über den dunklen Kämpfer «Jaxe» verfasst. Wer lieber hört als liest, findet «Jaxe Knight» auch als Audioversion auf Youtube.
«Ein Hörbuch zu produzieren ist wie einen Film ohne Bild zu drehen. Das bedeutet Spass und Herausforderung zugleich.» Den genauen Aufwand für sein Maturprojekt könne er nicht beziffern. Mehr als zweihundert Stunden seien es auf jeden Fall gewesen, sagt er und scherzt: «Dabei haben Kantischüler weder viel Zeit noch viel Geld.» Im Universum von «Star Wars» leuchtet seit der Fertigstellung seiner Maturarbeit ein neuer Stern. «Jaxe Knight» ist geboren worden und die «Krieg der Sterne»-Familie um ein Mitglied gewachsen. Jan Gutknecht und seine Freunde von der Cosplay-Gruppe «Fire Mynocks» treten in ihren Star-Wars-Kostümen auch ab und an im Youcinema Olten und Oftringen auf. Ihr Lohn: Ruhm, Ehre und einen Gratis-Eintritt.

update AG - Agentur für Kommunikation