Kolumne
06.12.2017

Schwimmen wir!

Irène Dietschi, Journalistin.

Irène Dietschi, Journalistin.

Irène Dietschi

Es ist ein lustiges Bild, das die Kanti-Direktorin, der Stadtpräsident, der Regierungsrat und der Kantonsbaumeister bei der Einweihung des sanierten Kanti-Hallenbads abgeben. Beschuht mit blauen Über-ziehern unter schwarzer Fest-kleidung, halten diese Offiziellen paarweise zwei gelbe Giesskannen fest, aus denen je ein Bächlein in das gefüllte Bassin strömt. «Schlüssel-Übergabe», prangt auf den Giesskannen. Fast lenkt diese unfreiwillig komische Szene davon ab, wie gelungen das Resultat ist, das hier gefeiert wird: die Sanierung des Kantibads. Mit dem vielen Holz und den warmen Farbtönen wirkt es heimelig und einladend. Sogar auf eine wasserscheue Person wie mich.

Zugegeben: Wasser ist nicht mein Element, ich habe lieber feste Erde unter den Füssen. Schwimmen ist nicht meins. Mehr als zwei Längen schaffe ich in der Badi nicht freiwillig, lieber lasse ich mich in der Aare treiben. Auch das Meer lockt mich nicht – da drohen Quallen und Haie. Doch all dies ist nichts gegen die Erinnerungen, die ich mit dem alten Kantibad verbinde. Das beissende Chlorwasser! Die ge-röteten Augen! Das Nachschwimmen frühmorgens, wenn man das Schwimmen verpasst hatte! Die endlosen J+S-Tests! Als es gegen die Matur ging, liess unser Turnlehrer, dieser liebe Mensch, manchmal mit sich handeln: 15 Runden Finnenbahn für eine Schwimmlektion.

Trotz alledem bin ich froh, dass ich schwimmen kann. Schwimmen hilft uns, nicht unterzugehen. Schwimmen befördert einen ans Festland, hilft einem, sich zu erden – und manchmal sogar zu Oberwasser. Deswegen wünsche ich dem neuen Kantibad von Herzen die angestrebten 10’000 Gäste pro Saison. Mein Besuch ist dem Hallenbad sicher – auch wenn ich dabei nur die Zehen benetze.

update AG - Agentur für Kommunikation