Kolumne
09.05.2018

Drei Sonnenaufgänge über Bivio

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Rhaban Straumann, Schauspieler, Satiriker und Autor. (Bild: Remo Buess)

Rhaban Straumann

Der Rettungshubschrauber wirbelt kräftig Schnee auf. Mit hochgezogenen Kapuzen kauern wir unterhalb des Piz Lagrev und warten bis der Helikopter unsere Kollegin nach Samedan fliegt. Kreuzband futsch. Es ist kurz nach Mitte April und viel zu warm. Im Unterland überholt der Sommer den Frühling während droben ein sommerlicher Bergfrühling mit dem Winter flirtet.
Es liegen Schneemassen wie seit Jahren nicht mehr. Täglich erklimmen wir mit Fell und Ski, Harscheisen und Musse einen Gipfel. Der Bergführer ist erfahren, Bivio die Basis, die Gruppe angenehm und um uns herum herrscht kraftvolles Weiss, Ruhe und Erhabenheit, der über- wältigende Kitsch mächtiger Natur. Um das zu erleben muss man früh raus und ist zeitig zurück. Sonst wird es mühselig. Und gefährlich. Der Schnee wird schwer, die Verhältnisse ändern sich von Hang zu Hang und Lawinen sind spontan. Drum schnallen wir, sobald Heli fort, die Skier zügig an und geniessen vorsichtig die Abfahrt. Es ist die Stunde vor Mittag. Gleichzeitig kämpft sich eine Gruppe hoch. Das dauert noch. Fahrlässigkeit am Berg scheint weit verbreitet. Und nimmt zu je näher das Wochenende. Analog zum Ausflugverkehr am Julier und mit ihm sorglos Zigaretten- stummel im Schnee entsorgende Berggänger und ihre Führer. Angesichts grosszügig unter- schätzter weisser Gefahr sowie des Defizits an Respekt gegenüber der Natur zweifle ich, ob Mensch es jemals schaffen wird, den Klimawandel wahrlich ernst zu nehmen. Mich einge- schlossen. Etlichen wortreichen Beteuerungen folgen stets noch zu zahlreiche Billigflüge.
Dabei liessen sich mit etwas Glück an einem Morgen über Bivio gleich drei atemberaubende Sonnenaufgänge geniessen.

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