Kolumne
04.07.2018

Velo oder E-Bike?

<em>Irène Dietschi</em>, Journalistin.

Irène Dietschi, Journalistin.

Irène Dietschi

Schwitzend kämpfe ich mich auf dem Velo den Berg hoch. Die Sand-grube ist so steil, dass ich in Serpentinen fahre, Höhenmeter um Höhenmeter ringgeliränggeli. «Frau Dietschi, Sie brauchen ein E-Bike», ruft mir von seinem Garten ein Nachbar zu, den Schlauch in der Hand. Ich möchte ihm gerne erklären, dass ich vor allem meiner Gesundheit wegen diese Strampelei absolviere. Und wegen des Speckgürtels. Stattdessen keuche ich: «Das E-Bike ist der Anfang vom Ende!» Mein Nachbar lacht gutmütig und widmet sich wieder seinen Blumen.

Ich habe im Grunde nichts gegen E-Bikes. Zumal sie ja inzwischen ja recht ansehnlich geworden sind (wobei ich mein Aarios noch immer eleganter finde als diese motorisierten Flitzer, die mich bergauf überholen). Wirklich störend hingegen finde ich bisweilen Autos. Die Strecke Hägendorf-Wangen-Olten ist zwar dank der ERO weniger verkehrsbelastet als früher. Aber wenn wie jetzt gebaut wird, ist es vorbei mit der friedlichen Ko-Existenz von Vier- und Zweirädern. Das merkt man schon in Wangen vor der ersten Ampel: Wenn manche Autofahrer wie gestört beschleunigen, um die Grünphase zur ERO noch zu schaffen – und auf die Radspur einbiegende Velofahrerinnen wie mich übersehen.

Schlimm ist es auch zwischen Neuhüsli und Chalchofe, wo momentan die Hälfte der Strasse fehlt. Neulich hat mich dort einer durchgehupt, weil ich die superschmale, gefährliche «Radspur» auf der rechten Seite ignoriert und die Autospur genommen habe. Kaum ist der Huper in seinem Cabrio an mir vorbeigeprescht, kommt er ein paar Meter weiter vor dem Rotlicht zu stehen. Welch ein Triumph! Mit einem Lächeln pedale ich rechts an ihm vorbei und rufe: «Mein Herr, Sie brauchen ein E-Bike.»

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