Kolumne
31.10.2018

Plastikmüll

<em>Irène Dietschi</em>, Journalistin.

Irène Dietschi, Journalistin.

Irène Dietschi

«Warum?», ist mir auf meiner Velofahrt an der Ortseinfahrt von Wangen wochenlang ins Auge gesprungen. Ein von Hand gesprayter oder gemalter Schriftzug, darunter baumelten Aludosen, PET-Flaschen und weiterer Müll. Das Schild hat mich beschäftigt: Solchen Müll fressen die Kühe, die auf der Weide neben der Strasse arglos grasen. Der Abfall gelangt in ihre Mägen und macht die armen Tiere krank.

Beim Weiterradeln hat das «Warum?»-Schild vor meinem inneren Auge den Bilderbogen aus «Sektor 1» in Gang gesetzt. Sie wissen schon: die polierte, gepützelte Welt in «Karls Kühne Gassenschau», die sich im Lauf des Abends in eine Apokalypse verwandelt, wo nur noch Abfallberge sich erheben. Das Stück ist grossartig, keine Frage. Doch mir setzte der Inhalt so zu, dass mir übel wurde.

Und jetzt ist der Plastikmüll also auch im Menschen drin. Die Nachricht irrlichterte letzte Woche auf allen Kanälen. «Wen wundert’s», kommentierte die Mittlere, «Plastik in den Welt-meeren, in den Mägen von Seevögeln – und jetzt also auch im menschlichen Verdauungstrakt.»

Acht Versuchspersonen hatten eine Woche lang Lebensmittel aus Plastikverpackungen gegessen und Getränke nur aus PET-Flaschen getrunken. Nach einer Woche wies man Mikroplastik im Stuhl aller Probanden nach. Das ist zwar nicht weiter erstaunlich, denn Plastik ist überall um uns herum, sogar in der Zahnpasta – doch genau das ist ja das Hauptproblem. Was also tun?

Die Mittlere hat für unsere Küche aus Stoff organische Frischhaltefolie fabriziert, die seit vielen Wochen in Gebrauch ist. Gemüse kaufen wir offen, Plastiksäcke sammeln wir keine mehr. Solche Aktionen wirken allenfalls im Mikrobereich – wenn überhaupt. Aber seither ist mir weniger übel.

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