Kolumne
19.12.2018

Das Jahrgängertreffen

<em>Urs Bloch</em>, Mediensprecher.

Urs Bloch, Mediensprecher.

Urs Bloch

Ochs und Esel sahen sich alle paar Jahre zu einem Jahrgängertreffen. Weil sie damals heimlich etwas von den Geschenken der Könige abgezweigt hatten, konnten sie weite Reisen machen. Anno 2018 trafen sich Ochs und Esel in Olten. Von Frankreich kommend, trotteten sie auf der Baslerstrasse ins Städtchen. Vorsorglich hatten sie – wie im Nachbarland gelernt – gelbe Westen angezogen, man weiss ja nie.

Kaum standen Ochs und Esel auf der Kirchgasse, hielt ihnen jemand einen Unterschriften bogen unter die Nase. Darauf standen die Worte «Referendum» und «Budget». Die beiden gingen davon aus, dass sie sich wie damals in Listen eintragen mussten, und der Ochse setzte schwungvoll zur Unterschrift an – «ich bin ja kein Esel», dachte er dabei. Das dachte auch der Esel selbst, doch in diesem Moment kitzelte ihn etwas in der Nase. Er musste niesen. Und wenn ein Esel niest, hat das halt so seine Wirkung. Nass und mit viel Wind erleichterte er sich. Dadurch verschmierten nicht nur alle Unterschriften auf den Bögen, sondern der nette Mann konnte seinen Stapel Papier wegen des kurzen Orkans nicht mehr halten. Die Blätter segelten die Mühlegasse hinunter und landeten in der Dünnern, wo sie langsam verschwanden.

Die beiden Tiere hatten gar nicht bemerkt, dass die Menschenmenge um sie herum inzwischen sehr gross war. Nach dem ungewollten Verlauf der Volkszählung grölten die einen belustigt, während andere konsterniert waren. Die beiden Polizisten, die man wegen einer Demonstration von «Gilets jaunes» gerufen hatte, wussten nicht so recht, was zu tun sei. Ochs und Esel nutzten das Durcheinander, setzten sich ins Karussell nebenan und genehmigten sich ein paar Tassen Glühwein. Und so wurde auch dieses Jahrgängertreffen noch zu einer lustigen Angelegenheit.

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