Kolumne
09.01.2019

Hebed Sorg

<em>Irène Dietschi</em>, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Irène Dietschi, Journalistin. (Bild: Daniela Friedli)

Irène Dietschi

Der Älteste, mein Gatte und ich sind uns einig: Das war eine gelungene Veranstaltung. «Beschwingt und doch besinnlich, fröhlich und doch mit dem gebotenen Ernst», bilanziert mein Gatte, die Straussschen Walzermelodien von der Orgel und die Alphornklänge noch im Ohr. Der Älteste war vor allem von Redner Pedro Lenz beeindruckt.

Dass der Neujahrsapéro in Olten dieses Jahr stattfinden konnte, war ja nicht selbstverständlich. Durch den budgetlosen Zustand sah sich der Stadtrat veranlasst, diesen Posten zu streichen. Ein «Shutdown» im Kleinen, der ahnen lässt, was eine handfeste Haushaltsperre bedeutet. Dabei wäre es für den Stadtrat ein Leichtes gewesen, die Ausgaben für Weisswein und Künstlerhonorare aus den Mitteln von 2018 zu bestreiten. Die drei Männer und zwei Frauen hätten diese symbolische Gelegenheit ergreifen, sich grossherzig zeigen und damit bedeuten können: Olten ist uns das wert!

Haben sie aber nicht.

Also sind andere, besonnenere Köpfe in die Bresche gesprungen: die Stadtkirche als Gastgeberin; Chöbu-Wirt Roger Lang, der tief in seine Taschen gegriffen hat. Und die Kreativen der Stadt wie eben Pedro Lenz. Aufrecht, die schlaksige Gestalt in Jeans und Kapuzenpulli gehüllt, stand er hinter dem Lesepult und unterstrich, wie wichtig es sei, in diesem «noch unverbrauchten, noch unverkachelten Jahr» miteinander zu reden. Denn: Liegt nicht eine tiefere Bedeutung darin, das Neue Jahr gut anzufangen? Ist ein umsichtiger, versöhnlicher Start nicht wesentlich, damit man dem Jahr Sorge tragen kann, damit die Saat aufgeht? Und liegt nicht jedem Anfang auch ein Zauber inne? Das alles haben Pedro Lenz und die übrigen Initianten erkannt, und dafür gebührt ihnen Dank. Frohes 2019!

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