«Auf dem Gipfel ist die Welt in Ordnung»

Mit dem SAC Olten auf dem Gipfel der Courtes (3856 m), im Hintergrund der Montblanc (v.l.): Dieter Kerschbaumer, Andreas Luder, Stefan Goerre und Corina Jehli. (Bild: Walter Fetscher)

Mit dem SAC Olten auf dem Gipfel der Courtes (3856 m), im Hintergrund der Montblanc (v.l.): Dieter Kerschbaumer, Andreas Luder, Stefan Goerre und Corina Jehli. (Bild: Walter Fetscher)

SAC Olten Mit dem Winter beginnt für den SAC die Zeit der Schneetouren und des Eiskletterns. Die vor 110 Jahren gegründete Sektion Olten steht ebenso für verlässliche Kameradschaft wie für Respekt vor der Natur.

Franz Beidler

Mit Steigeisen, Seilen und Eispickel ausgerüstet, vorbei an Gletscherspalten und Schneebrettern, unermüdlich den Berg hinauf, um von ganz oben den Blick über die Welt schweifen zu lassen. «Das Gipfelerlebnis macht immer wieder Lust auf mehr», erklärt Stefan Goerre seinen Antrieb zum Bergsteigen. Für den Präsidenten der Oltner Sektion des Schweizer Alpen-Clubs, kurz SAC, ist die Faszination eine Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Bewunderung für die Natur und verlässlicher Kameradschaft. «Nach einem langen und harten Aufstieg, ist die Welt auf dem Gipfel jeweils wieder in Ordnung», schildert Goerre lächelnd, «und die Ruhe ist ein Genuss.» Als Herzspezialist schätzt der 59-Jährige den Bergsport auch wegen dem positiven Einfluss auf den Kreislauf. «Full-Body-Einsatz» nennt er das Bergsteigen, da jeder Muskel beansprucht werde. Das sei gut für das Herz. Der Vater dreier erwachsener Kinder ist in Graubünden aufgewachsen und trat dem SAC schon als Jugendlicher bei. Seit 2012 präsidiert er den SAC Olten, «den mit Abstand grössten Sportverein der Region.» 1’070 Mitglieder in vier Altersklassen zählt der hiesige Ableger des SAC, mehr als die Hälfte davon sind weiblich, obwohl der SAC bis 1978 keine Frauen aufnahm. «Tourenleiterinnen und Bergführerinnen sind schon lange keine Seltenheit mehr», zeigt sich Goerre erfreut. Jede Altersklasse gestaltet ein eigenes Programm. So bietet der Verein unzählige Touren und Kurse zu jeder Jahreszeit an. «Besonders beliebt sind die Tourenwochen und die Kletterwochen am Mittelmeer», weiss der Präsident. Die Sektion Olten bewirtschaftet zudem drei Hütten: die Weismieshütte im Oberwallis, das General-Wille-Haus im Jura und das Elmerhüttli im Glarnerland. «Im Skigebiet Elm haben schon viele Kinder aus der Region Skifahren gelernt», zeigt Goerre die tiefe Verwurzelung des SAC Olten auf.

In Olten gegründet

In Olten verwurzelt ist der Schweizer Alpen-Club auch historisch: 1863 wurde er hier gegründet, die Sektion Olten rund 40 Jahre danach. «Natürlich sind wir stolz darauf, die Wiege des SAC zu sein», kommentiert Goerre schmunzelnd. Allerdings seien die Oltner an der Gründung nicht beteiligt gewesen, sondern die Gründer hätten sich wegen der zentralen Lage im Bahnhofbuffet getroffen. Dort zeugt bis heute eine Tafel vom historischen Ereignis. Der Zusammenschluss erfolgte, um die wenigen noch unbestiegenen Gipfel in der Schweiz zu erklimmen. Die meisten hohen Schweizer Berge waren von den Engländern schon bezwungen worden. Nur waghalsige Abenteurer stiegen damals zu Berg. Bedenken bezüglich ihrer Sicherheit kannten sie keine.

Die richtige Kletter-Ausbildung

Heute legt der Verein grossen Wert auf die Ausbildung seiner Mitglieder. «Daher ist die Trendsporthalle Momentum für uns extrem wichtig», erklärt Goerre. Die Halle biete einen Zugang zur Jugend und ermögliche es dem Verein, Kletter- und Seiltechniken in einem sicheren Rahmen zu vermitteln. So können schon Kinder ab acht Jahren die Grundlagen des Kletterns im Kinderbergsteigen, oder KiBe, erlernen. Ab 14 Jahren können sie sich der Jugendorganisation, kurz JO, anschliessen. Hier machen sie rund alle zwei Wochen eine Tour und lernen jeden Aspekt des Bergsports kennen. «Die Mitglieder der JO sollen mit 20 Jahren gut genug geschult sein, um die Ausbildung zum Tourenleiter anzutreten», erklärt Goerre. Als Jugendlicher durchlief er selber dieses Programm: «Da findet man leicht den Zugang zum Bergsport.» Die Aktiven, also jene ab 20 Jahren, erwartet jedes Wochenende ein vielfältiges Angebot: vom Klettern in der Halle über Bergwanderungen bis zu Hochgebirgs- und Skitouren. «Wir haben für jedes Niveau in jedem Alter ein passendes Angebot», kommentiert der Präsident stolz. Auch um die Senioren ist der SAC Olten bemüht: Sie treffen sich jeden Dienstag im Rathskeller in Olten und unternehmen jeweils donnerstags eine Halbtageswanderung. Das soziale Netz und die Bergkameradschaft würden von den Senioren besonders geschätzt. «Im Gegensatz zu anderen Sportvereinen sind bei uns alle Mitglieder aktiv», sagt Goerre.

Bergsteigen: kein Massenphänomen

Eines der Ziele des SAC Olten ist die Förderung und Ausübung des Bergsports. Gleichzeitig soll die Natur respektiert werden. «Natürlich liegt darin ein Dilemma», kommentiert Goerre, «allerdings sind Bergsteiger kein Massenphänomen.» Was der Natur schade, sei der Massentourismus auf Skipisten, Wanderwegen und Biketrails. «Zudem halten wir uns auf den Touren rigoros an die Wildschutzgebiete des Bundesamtes für Umwelt und der Kantone.» Wer einfach nur wandern wolle, mache das auch ohne den SAC. «Durch den SAC mit dem Bergsteigen zu beginnen, ist in jedem Alter möglich», so Goerre. Interessierte seien jederzeit willkommen und könnten die benötigte Ausrüstung beim SAC auch ausleihen.

www.sac-olten.ch

 

 

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