Mr. Schützi geht in Pension

Oli Krieg, vor einem Bild des verstorbenen Trompeters Umberto Arlati, welcher dem Kulturzentrum einst die musikalische Anlage ermöglichte. Krieg wird der Schützi nicht ganz den Rücken kehren, sondern auch im nächsten Jahr Konzerte organisieren. (Bild: mim)

Oli Krieg, vor einem Bild des verstorbenen Trompeters Umberto Arlati, welcher dem Kulturzentrum einst die musikalische Anlage ermöglichte. Krieg wird der Schützi nicht ganz den Rücken kehren, sondern auch im nächsten Jahr Konzerte organisieren. (Bild:mim)

Oli Krieg Ende Monat endet die Ära Oli Krieg als Geschäftsführer der Schützi. Wir haben mit ihm über vertragslose Zustände, vergangene Zeiten und die Freiheit gesprochen.

Mirjam Meier

In der Schützi herrscht am späten Nachmittag geschäftiges Treiben. Oli Krieg trifft mit seinem Team die letzten Vorbereitungen für das integrative Theaterprojekt Tocca. 16 Jahre stand er als Geschäftsführer manchmal Tag und Nacht im Kulturzentrum Schützenmatte im Einsatz. Doch nun ist Schluss. Ein Jahr früher als ursprünglich geplant, lassen sich Oli Krieg und seine Lebens- partnerin Esther Straumann, die während neun Jahren in der Schützi tätig war, pensionieren.

Traumjob, trotz allem

Ende 2017 ist nach zehn Jahren der Leistungsvertrag zwischen der Stadt und der Schützi ausgelaufen. Die Stadt stellt das Gebäude sowie Wasser und Strom zur Verfügung. Krieg wollte eine zusätzliche finanzielle Unterstützung über 15’000 Franken für den Unterhalt des Gebäudes aushandeln. «Wir haben diesen bisher stets selbst geregelt und unzählige, unbezahlte Überstunden geleistet. Das uns, nach einem Jahr noch immer kein Vertrag vorliegt, ist enttäuschend. Wir empfinden wenig Wertschätzung vonseiten der Stadt Olten.» Das Tüpfelchen auf dem «i» sei aber die Ablehnung der Oltner Kulturfachstelle durch das Volk gewesen. «Eigentlich war ich kein Fan von der Idee, eine Kulturfachstelle zu schaffen, doch genau diese hätte bei den vergangenen Verhandlungen hilfreich sein können. Trotz allem ist der Frust klein, denn die Geschäftsführung der Schützi war mein Traumjob - die ideale Kombination zwischen Job und Hobby», betont der 64-Jährige, der auch in seiner Freizeit Veranstaltungen organisiert. Doch manchmal sei es schon etwas verrückt gewesen: «Nach einem Punk-Konzert bis morgens um vier waren wir bis zehn Uhr am Putzen, damit die Partyhölle einem tamilischen Familienfest mit Räucherstäbchen und rosaroter Dekoration und am Abend dem Offiziersball weichen konnte.»
Der persönliche Geschmack müsse dabei hinten anstehen, weiss Krieg, der sich gegen jegliche Extreme wehrt, jedoch nicht zensurieren will. Ein schmaler Grat. Anfangs November gestattete er die Durchführung eines Konzerts, gegen das eine linksextreme Gruppe wegen einer scheinbar nazifreundlichen Band protestierte, was schliesslich vorsorglich auch die Kantonspolizei auf den Plan rief. «Das war heftig, da nicht einzuschätzen war, was genau geschehen wird», so Krieg, der als bekennender Linker und Bewohner einer Mehrgenerationen-Wohngemeinschaft irritiert war über die Vorwürfe.

Wissen in der Praxis erarbeitet

Nach seiner Ausbildung zum Radioelektriker und der Rekrutenschule arbeitete Krieg auf einem Bauernhof auf dem luzernischen Sörenberg. Danach jobbte er als Tankwart auf dem Rastplatz Gunzgen Süd und baute gleichzeitig die eigene Temporärfirma auf. 1982 kaufte er das einstige Arbeiterwohngebäude der Giesserei von Roll mit 56 Aren Land in Oensingen. «Wir, also Esthi und eine Gruppe von fünf Männern, renovierten alles eigenhändig.» Krieg hat sowieso sein Wissen in der Praxis erarbeitet, so auch die Buchhaltung. «In unserer WG wollte niemand den Buchhalter-Job übernehmen. Schliesslich willigte ich ein, jedoch nur unter der Bedingung, dass ich einen Apple 2-Computer erhalte», erzählt Krieg schmunzelnd. Weder mit EDV- noch mit Buchhaltungs-Kenntnissen ausgerüstet, studierte er nächtelang Bücher und besuchte Nachhilfestunden. Später war Krieg als Verwalter für die WOGENO Solothurn und als Mitglied des Schulleiter-Teams an der freien Volksschule Solothurn tätig. Als ihm eine Kollegin das Inserat zukommen liess, dass der Trägerverein Schützi einen Geschäftsführer sucht, musste Krieg einen Moment überlegen. «Ich habe Olten lange Zeit boykottiert, weil ich es der Stadt übel genommen habe, dass sie die Genossenschafts-Beiz Isebähnli nicht gerettet hat», erzählt Krieg und winkt schmunzelnd ab:
«Das wäre nochmals eine ganz andere Geschichte.»

Nur noch tun, was Freude bereitet

Als er von Raymond Plüss die Schützi übernommen hatte, waren die ersten Schritte gemacht, nicht aber ein Ziel definiert. Der Trägerverein beschloss schliesslich, dass zwei Drittel der Anlässe kulturell sein sollen und durch kommerzielle Anlässe querfinanziert werden müssen. «Mein Herzblut schlug stets für die Jugendkultur. Dies war auch der Grund, wieso ich mit «Rainbow- beatz» und unter Einbezug von Jugendlichen Konzerte organisierte, welche sich lange grosser Nachfrage erfreuten. Diese Zeiten sind vorbei», so der Reggae- und Ska-Liebhaber, der weiss, dass es sich bei den rückläufigen Konzertbesuchern um eine schweizweite Entwicklung handelt. Die Schützi ohne Oli Krieg? Schwer vorstellbar, war doch beides eine gefühlte Ewigkeit untrennbar miteinander verwoben. Auch die Familie mit Esther Straumann und Sohn Django, der vor zehn Jahren zum Team hinzukam, zogen mit und sorgten mit ihren Einsätzen für die notwendige Flexibilität. «Alle machten alles: Aufbau, Technik, Bar und Putzen», erzählt Krieg und bestätigt, «ja natürlich, es fliegen auch mal die Fetzen bei der Familie Krieg.» Ein radikaler Schlussstrich des Allrounders wird es nicht geben. Er wird auch im kommenden Jahr ausgewählte Konzerte in der Schützi organisieren und seinem Nachfolger Thomas Knapp mit Rat zur Seite stehen. Zudem bleibt er im Planungsteam der Kabarett-Tage. «Ich freue mich darauf, nur noch das zu tun, was mir Freude bereitet, ohne die Last der Geschäftsführung mit dem immensen Büroaufwand stemmen zu müssen.» Es gibt da sowieso noch so einiges, an dem Krieg Freude hat und das in den vergangenen Jahren zu kurz kam. «Ich möchte wieder mehr Wandern, Motorrad fahren und an meiner Moto Guzzi herumschrauben.» Daneben wird sich das Paar den neun Kindern und damit dritten Generation annehmen, die mittlerweile die WG in Oensingen belebt.

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