13.10.2011

Kein Tag wie jeder andere

Gleich zwei Polizistinnen und ein Polizist habenkürzlich ihren Dienst bei der Stadtpolizei Olten begonnen. Der Stadtanzeigerbegleitet Daniela Iseli, eine der neuen Polizistinnen auf Patrouille. Ein ganz normaler Dienst, bis sie an die Unfallstelle der Bah

Daniela Iseli und Francesco Mauro auf Patrouille im Stadtpark. (Bild: mim)Entgleister Zug auf der Strecke Olten-Basel. (Bild: mim)

Daniela Iseli und Francesco Mauro auf Patrouille im Stadtpark. (Bild: mim)

Entgleister Zug auf der Strecke Olten-Basel. (Bild: mim)

Mirjam Meier

Am vergangenen Donnerstag um 16 Uhr im Aufenthaltsraum der Stadtpolizei Olten. Seit 11 Uhr sind Patrouillenführer Francesco Mauro und die im Juni vereidigte Polizistin Daniela Iseli im Einsatz. Bereits als Kind hatte Daniela Iseli den Wunsch Polizistin zu werden. Sie schlug aber erstmals einen anderen Weg ein und lernte Dentalassistentin und absolvierte die Berufsmatura. «Der Polizistinnen-Wunsch keimte wieder auf, jedoch war ich mir nicht sicher, ob ich mit den Bildern und Situationen des Alltags umgehen kann», so Daniela Iseli über ihre Zweifel zu Beginn ihrer Polizisten-Zeit. Während zwei Jahren arbeitete die heute 24-Jährige als polizeiliche Sicherheitsassistentin bei der Kantonspolizei Solothurn. «Ich erledigte meinen Dienst unbewaffnet, aber in Uniform, im Bereich Verkehr, Prävention und Gefangenentransport», erklärt Iseli.

Ruhestörung

Ein Anruf erreicht die Zentrale: Eine Frau klagt über die zu laute Musik ihres Nachbarn. Der 39-jährige Patrouillenführer Francesco Mauro und Daniela Iseli besuchen die verkrachten Parteien. Im Haus ist es jedoch still. Zuerst führen sie ein Gespräch mit der Tochter des Nachbarn und nehmen danach Kontakt mit der Anruferin und Vermieterin auf. Da die Polizisten selbst keine Musik feststellen konnten und es zudem schwierig, ist, am Tag jemanden wegen Ruhestörung zu belangen, bleibt den Beiden nur das vermittelnde Gespräch zwischen den Parteien. Danach müssen auf dem Polizeiposten die Rapporte ausgefüllt werden, denn es gilt, jeden Fall zu dokumentieren. Nach den administrativen Tätigkeiten fahren wir mit dem Auto auf Patrouille in den Stadtpark. Dabei erzählt Daniela Iseli von ihrer Ausbildung an der Polizeischule in Hitzkirch.

Top Ausbildung in Hitzkirch

Im September 2010 trat Daniela
Iseli ihre Ausbildung zur Polizistin bei der Stadtpolizei Olten an. «Während einer Woche habe ich bei der Stadtpolizei eine Einführung erhalten, danach besuchte ich die «Interkantonale Polizeischule Hitzkirch IPH». Die Schule ist wie ein Internat organisiert, so können die Schüler in der Schule übernachten. Zu Beginn absolvierten wir einen Theorie-Block und trainierten später auf dem Gelände der Polizeischule. Auf dem Gelände wurden eine Tankstelle, Einfamilienhäuser und Sportanlagen zu Übungszwecken nachgebaut», erzählt Iseli begeistert. Sie lobt die Polizeischule, in welcher sie eine Top-Ausbildung erhalten, und viel gelernt habe. Zwei Mal in der Woche standen Sportstunden auf dem Programm, zudem wurde Selbstverteidigung trainiert, das Rettungsschwimmerbrevet galt es zu absolvieren und selbstverständlich durfte auch das Schiesstraining nicht fehlen. Ein Praktikum anfangs Jahr beim Arbeitgeber in Olten, sorgte zusätzlich für den praktischen Bezug, so begleitete sie die Patrouille oder arbeitete am Publikumsschalter. «Das Praktikum war hilfreich, um den Kontakt zu den anderen Polizisten zu erhalten», so Daniela Iseli. Im Frühling fand die Durchhalteübung statt, bei welcher die Polizeiaspiranten und Polizeiaspirantinnen während 26 Stunden, 75 Kilometer zu Fuss, auf dem Velo und im Wasser zurückzulegen hatten. Ende Juli absolvierte Daniela Iseli die eidgenössische Prüfung und ein zweimonatiges Praktikum bei der Kantonspolizei, in welchem diverse kantonsspezifische Vorgänge, interne Informatik, die Sondergruppen und verschiedene Institutionen vorgestellt und vermittelt wurden.

«Wir profitieren auch von den Jungen»

Francesco Mauro hat mit seinen
39 Jahren selbstverständlich mehr
Erfahrung sowohl bei der Arbeit als Polizist, als auch im zwischenmenschlichen Bereich, als die junge Patrouillenkollegin, trotzdem sieht
er bei der Zusammenarbeit viele
Vorteile: «Wir, die Dienstälteren profitieren auch von den Jungen, denn sie sind auf dem neusten Ausbildungsstand», erklärt Francesco Mauro. Wie ist es denn als Frau im Team zu arbeiten? «Ich habe bis anhin keine schlechte Erfahrungen gemacht. Meine Berufskollegen erwarten von mir dasselbe, wie sie von einem männlichen Patrouillenkollegen auch erwarten würden», erzählt Daniela Iseli und Francesco Mauro fügt an: «Eine Frau kann ihre Stärken, wie beispielsweise die Kommunikation ins Team einbringen. Somit ergänzen sich eine Frau und ein Mann sehr gut auf Patrouille.» Und was mag die junge Polizistin an ihrem Beruf? «Es ist schön, wenn ich Menschen helfen kann, ausserdem lerne ich in meinem Beruf auch für das Leben und weiss nie, was mich beim nächsten Dienst erwartet.»

Notruf drängt zur Eile

Kaum gesagt, werden die beiden Polizisten an eine Unfallstelle gerufen. Dies bedeutet joggen zum Auto. Mauro fährt mit Blaulicht und Sirene ins Industriegebiet, was genau sie erwartet wissen die Beiden noch nicht. Als Erste treffen die Polizisten an der Unfallstelle ein: Zwei Züge sind entgleist. Rund 30 Personen konnten
unverletzt die Wagen verlassen.

Zuerst gilt es, die Schaulustigen wegzuschicken und die Bahnreisenden die Böschung hinunterzuführen. Vor dem Geschäft des Lindt-Fabrikladens werden die Personalien der Verunfallten aufgenommen und gleichzeitig von den Sanitätern über ihren Gesundheitszustand befragt. Die Fahrgäste berichten vom unangenehmen Geräusch, von aufeinanderprallendem Metall und an den Aufprall, der alle kräftig durchschüttelte. Inzwischen ist auch die Feuerwehr eingetroffen und versucht mit der Feuerwehrdrehleiter eine Person von der Böschung zu bergen. Kurz darauf landet die Rega und holt die verletzte Person ab. Strassen werden gesperrt und die verschiedensten Hilfskräfte bestehend aus Polizei, Feuerwehr und Sanität regeln die Abläufe an der Unfallstelle.

Daniela Iseli hat nun zwei Stunden die Personalien der Bahnreisenden notiert und Informationen zum
Unfallhergang entgegengenommen. Trotzdem wird ihre Schicht am heutigen Tag nicht wie nach Dienstplan um 20 Uhr enden, sondern etwas
später, denn in diesem Job, weiss man nie, was einen erwartet.

update AG - Agentur für Kommunikation