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09.12.2020

Neues Oltner Kulturlokal

Die APA-Mitglieder (v.l.) Marielle Studer, Michael Suter, Christoph Birrer und Felix Hartmann im Saal des einstigen Kinos Camera, das in den nächsten Monaten durch Mitglieder der «IG KultA» in ein Lokal umgebaut wird (es fehlen Lea Hartmann, Malia und Patrick Allemann, Christian Dantas, Gina Küpfer, Janik Scheu, Maxim Koval und Stefan von Burg). (Bild: mim)

Die APA-Mitglieder (v.l.) Marielle Studer, Michael Suter, Christoph Birrer und Felix Hartmann im Saal des einstigen Kinos Camera, das in den nächsten Monaten durch Mitglieder der «IG KultA» in ein Lokal umgebaut wird (es fehlen Lea Hartmann, Malia und Patrick Allemann, Christian Dantas, Gina Küpfer, Janik Scheu, Maxim Koval und Stefan von Burg). (Bild: mim)

IG APA KultA Nach 16 Jahren bekommt die APA ihr eigenes Vereinslokal - das «APA KultA» - und Olten eine Lokalität für Veranstaltungen jeglicher Art. Um Gelder für den nötigen Umbau zu sammeln, führt die IG ein Crowdfunding durch.

Von: Mirjam Wetzstein

Ein Lichtfluter beleuchtet den Eingangsbereich des einstigen Kino Camera an der Römerstrasse 7 in Olten. Gelbe Bodenmarkierungen halten fest, wo künftig die neuen Bereiche hinkommen sollen. Nach 16 Jahren ohne Domizil haben die Mitglieder der «IG APA KultA» anfang Dezember die Schlüssel für ihr erstes eigenes Vereinslokal entgegengenommen. Der Verein «Aktion Platz für Alle», kurz APA, wurde 2004 von einer Gruppe Jugendlicher und Junggebliebener mit dem Ziel gegründet, mehr kulturelles Leben nach Olten zu holen und ein autonomes Jugendzentrum aufzubauen. Da letzteres Unterfangen zu teuer war, wurden die Konzerte, die meist im Punkrock-Bereich angesiedelt sind, in bestehenden Clubs durchgeführt. Insbesondere mit der Schützi und dem Coq d’Or pflegte APA stets eine enge Zusammenarbeit.

Das Gesicht von APA

Christoph Birrer, Michael Suter und Patrick Allemann gehören zu den Gründungsmitgliedern. Birrer ist gar über die Jahre das Gesicht von APA geworden und organisierte zwischen 2010 und 2018 alle Konzerte selbst. Zudem rief er vor zehn Jahren das inzwischen zur Tradition gewordene Multikulti-Streetsoccer-Turnier in Kooperation mit Surprise Strassenfussball in Olten ins Leben. Vor zwei Jahren wurde der Verein umstrukturiert und die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt. «Marielle hat mein organisiertes Chaos neu geordnet», meint Birrer lachend, der seit 2009 ein fester Bestandteil des Schützi-Teams ist und zusätzlich seit zwei Jahren in einem 50%-Pensum am Luzerner Theater als Bühnentechniker tätig ist. In Luzern arbeitet auch Marielle Studer als Produktionsassistentin. Die gelernte Hochbauzeichnerin und Floristin hatte bereits von Klein an eine Faszination für den Veranstaltungsbereich und hat schliesslich bei den Gäuer Spielleuten von Christoph Schwager Blut geleckt. «Jedes unserer 11 Mitglieder hat einen beruflichen oder hobbymässigen Hintergrund im Veranstaltungsbereich», erzählt der selbstständige Lichttechniker Michael Suter und fügt schmunzelnd an: «Wir wissen also auf was wir uns mit der Lokalität einlassen.» Trotzdem stellt sich die Frage: Wieso jetzt? Ist der Zeitpunkt von Corona, in dem die kulturelle Sparte blutet, tatsächlich der richtige? «Neu aufgestellt und motiviert, haben wir die Suche nach einem Vereins- und Veranstaltungslokal bereits im letzten Jahr, also 2019, aufgenommen», erklärt Suter. Das seit rund zwei Jahren leerstehende, einstige Kinolokal hätten sie zu Beginn des Jahres gefunden, doch Corona und ein Verwaltungswechsel verzögerten schliesslich den Zuschlag bis Anfang Dezember.

Ein Kulturlokal für alle

«Auf eigenen Beinen zu stehen ist auch aus finanzieller Sicht sinnvoll, denn wenn wir unsere Konzerte in anderen Lokalitäten veranstalten, ist es schwierig, ohne die Bar-Einnahmen auf einen grünen Zweig zu kommen», erklärt Suter und fügt an: «Mit der eigenen Lokalität haben wir nun die Möglichkeit auch kleinere Acts zu zeigen und diese mit der eigenen Bar quer zu subventionieren.» Die Bar soll allerdings nur in Kombination mit einer Veranstaltung geöffnet sein. Die Miete des Lokals wird durch die Mitgliederbeiträge bezahlt. Ganz getreu ihrem Namen - APA Aktion Platz für alle - möchte es Birrer auch im Vereinslokal «APA KultA» halten. Geplant sind zu Beginn monatlich vier bis sechs Veranstaltungen - eigene und fremde. «Wir sind offen für alle, vom Krawattenträger bis zum Hippie, und die unterschiedlichsten Ideen», betont Birrer. «Mit der Grösse bis zu 100 Besuchern ist der Raum sehr vielfältig einsetzbar: Vom Figurentheater über das Töggeliturnier, den Kindernachmittag zum Vereinsanlass und vom Konzert weiter zur Lesung bis zur privaten Feier», zählt Produktionsassistentin Studer auf, während sie die leicht abgerundete Treppe in den einstigen Kinosaal hinabsteigt und fügt an: «Dabei ist es uns wichtig, dass wir mit den regionalen Kulturschaffenden zusammenarbeiten. Es geht nicht darum ein Konkurrenzangebot zu schaffen.»

Crowdfunding für den Umbau

«Die Vereinsmitglieder hoffen, mit finanzieller Unterstützung die nötigen Umbauarbeiten bis im Frühling abschliessen, und das «APA KultA» je nach Corona-Situation zumindest in eingeschränkter Form eröffnen zu können. Bis dahin muss jedoch noch einiges passieren. «Wir wollen die Räume möglichst modular halten, damit diese für die verschiedensten Veranstaltungen nutzbar bleiben. Im Eingangsbereich muss die Decke montiert und alles gestrichen werden. Zudem werden ein Technikraum und ein Wasseranschluss für die Bar installiert», erklärt Studer und zeigt auf den schrägen Boden des einstigen Kinosaals. «Hier werden wir einen Teil ebnen lassen und eine Bühne aus Elementen bauen.» Bei den Umbauarbeiten, die im fünfstelligen Bereich angesiedelt sind, möchten die Mitglieder möglichst viel selbst erledigen, aber trotzdem fachmännische Arbeiten den Profis überlassen. «Es soll ein qualitativ guter Umbau werden, aber kein Luxusobjekt», betont Studer. Die Frage, ob es das Ziel sei von «APA KultA» zu leben, sorgt für ein herzhaftes Lachen. «Natürlich hat insgeheim jeder diesen Traum und wir haben auch einen Businessplan verfasst, doch das Vereinslokal ist unser Hobby, welches wir mit viel Leidenschaft und ehrenamtlichem Engagement ausüben», erklärt Studer. Das Crowdfunding wird heute, Donnerstag, 10. Dezember, lanciert und steht für Interessierte via Webseite www.crowdify.ch offen. «Jeder erhält natürlich eine Gegenleistung, doch wir sind auch für Likes, Materialspenden oder «Menschpower» äusserst dankbar», so Marielle Studer.

www.apa-olten.ch

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