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10.03.2021

Ein Bijou mit Strahlkraft

Das Heiligste des Trimbacher Hindu-Tempels: der zentrale Schrein, der Sri Manonmani Ampal gewidmet ist. (Bilder: Achim Günter)
Nadarasalingam Sathasivam (links) und Priester Sunthar Balasubramanian.

Das Heiligste des Trimbacher Hindu-Tempels: der zentrale Schrein, der Sri Manonmani Ampal gewidmet ist. (Bilder: Achim Günter)

Das Heiligste des Trimbacher Hindu-Tempels: der zentrale Schrein, der Sri Manonmani Ampal gewidmet ist. (Bilder: Achim Günter)
Nadarasalingam Sathasivam (links) und Priester Sunthar Balasubramanian.

Nadarasalingam Sathasivam (links) und Priester Sunthar Balasubramanian.

Hindu-Tempel Trimbach Er lockt jährlich Tausende von Menschen an und ist doch wenig bekannt: In Trimbach steht der grösste und schönste Hindu-Tempel der Schweiz.

Von: Achim Günter

Wer regelmässig mit dem «Läufelfingerli» unterwegs oder hinduistischen Glaubens ist, kennt ihn bestimmt. Den meisten anderen Menschen der Region Olten dürfte er hingegen weitgehend unbekannt sein: der Hindu-Tempel in Trimbach. Dabei lässt sich im Gebiet Miesern, wo ansonsten primär Gewerbetreibende beheimatet sind, ein kleines Bijou entdecken.

Die äusserst farbenfrohe Tempelanlage «Sri Manonmani Ampal» gehört dem «Verein zur Förderung der tamilischen Kultur in der Schweiz». Die vielen Tamilen, die vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat Sri Lanka in die Schweiz flohen, sind mehrheitlich Hindus. Ihren Glauben üben sie hierzulande meist in gesichtslosen Lagerhallen und Gewerbezonen aus. Das war zu Beginn auch in der Region Olten nicht anders. Ab 1991 bestand in der Asylunterkunft an der Baslerstrasse ein kleiner Tempelraum. 1993 richtete die örtliche tamilische Diaspora in einem Lokal an der Bleichestrasse in Trimbach einen Tempel ein – mitten im Wohngebiet. Der Drang nach einem eigenen, von aussen als solchen erkennbaren Tempel blieb.

Nach der Jahrtausendwende gelang es dem Verein schliesslich, ein Grundstück am Miesernweg oberhalb des «Isebähnli» zu erwerben. Ein Glücksfall für den Verein. Grundsteinlegung für den Hindu-Tempel war 2006, und nach mehrjähriger Bauzeit begannen die Einweihungsfeierlichkeiten schliesslich vor ziemlich genau acht Jahren, am 14. März 2013. Bei der Einweihung sei der Tempel zu rund 80 Prozent fertig gestellt gewesen, schätzt Priester Sunthar Balasubramanian. Später folgten noch Ergänzungsarbeiten und vor allem 2019 die Fertigstellung des mehr als 14 Meter hohen, in allen erdenklichen Farben geschmückten Turms. Dieser komplettierte die von einer rot-weiss gestrichenen Mauer umrandete Anlage.

Die Frauen setzten sich durch

Eingebettet zwischen Trimbacher Dorfbach und Eisenbahnlinie und talaufwärts durch die Driving Range des Golfclubs Heidental begrenzt, befindet sich der Tempel nun an einem ruhigen Standort. Vorteilhaft ist auch, dass etwas Distanz zur Nachbarschaft besteht. Das kann insbesondere an Festtagen mit hohem Verkehrsaufkommen oder umherwabernden exotischen Düften hilfreich sein. Dem Trimbacher Gemeindepräsidenten Martin Bühler ist seit dem Umzug des Hindu-Tempels in die Miesern «keine einzige negative Rückmeldung» zu Ohren gekommen, wie er auf Anfrage sagt.

Als Präsident des Vereins amtet seit 2014 Nadarasalingam Sathasivam. Der 54-jährige Trimbacher, der in einer Fabrik im Oberaargau arbeitet, kam vor 30 Jahren in die Schweiz. Stolz berichtet er, dass er von Besuchern aus nah und fern viel Lob für den Tempel erhalte. Gewidmet ist das 800 Quadratmeter grosse Tempelgebäude der Göttin Parvati, der Frau Shivas. «Die meisten Tamilen der Region beten vor allem zu Parvati», erklärt Priester Balasubramanian, der seit 2010 in Trimbach tätig ist.

Die Muttergottes Parvati respektive deren Erscheinungsform Sri Manonmani Ampal, nach der der Tempel benannt wurde, ist insbesondere bei Frauen sehr populär. Sie soll Glück, Wunscherfüllung und Gesundheit gewähren. Und so setzten sich die Frauen durch, als 1991 entschieden wurde, welche Gottheit im Zentrum stehen sollte. Der Hauptschrein im heutigen Tempel am Miesernweg ist noch immer Sri Manonmani Ampal gewidmet. Die Frauen sind offenbar auch die «besseren» Tempelgänger als die Männer. Der Priester meint jedenfalls lachend: «Sie sind gläubiger.»

Rund 90 Prozent der Besucher des Trimbacher Tempels stammten aus Sri Lanka, eine Minderheit aus Nordindien. Die Besucherzahlen unterlägen grossen Schwankungen. Priester Sunthar Balasubramanian vermutet, dass durchschnittlich rund 5000 Gläubige pro Monat den Trimbacher Hindu-Tempel besuchen. «Aber zum Umzug im Juni, dem Tempelfest, kommen alleine 3000, 4000 Leute», sagt Vereinspräsident Nadarasalingam Sathasivam. Dazu kämen jährlich rund 100 Hochzeiten.

Derselbe Architekt wie in Gretzenbach

Mehr als 3 Millionen Franken hat allein der Tempel gekostet. Aufgewendet wurde dieser Betrag von Spenden der Gläubigen und Sponsoren sowie Erträgen aus speziellen Anlässen. Als Architekt zeichnete der in Lostorf wohnhafte gebürtige Deutsche Günter Hildebrand verantwortlich. Dieser, Ende 2019 verstorben, hatte zuvor bereits den 2003 eingeweihten thai-buddhistischen Tempel in Gretzenbach erbaut.

Währenddem jener Tempel – wohl auch seines prominenteren Standorts wegen – einer breiten Öffentlichkeit bekannt sein dürfte, fristet der Hindu-Tempel in Trimbach bisher eher ein Schattendasein. Dabei handelt es sich um den grössten Hindu-Tempel der Schweiz – und auch um den schönsten, wie Sathasivam und Balasubramanian lachend versichern. 21 Hindu-Tempel gebe es derzeit schweizweit, im Kanton Solothurn neben demjenigen in Trimbach nur noch einen in Grenchen. In Europa sei nur ein Hindu-Tempel grösser als derjenige in Trimbach.

Bei diesen Vergleichen wird deutlich, dass die Standortgemeinde Trimbach tatsächlich ein besonderes Schmuckstück beherbergt. Womöglich sogar eines, das dereinst Touristen anlocken könnte. Das beurteilt auch Bühler so: «Der Hindu-Tempel hat durchaus touristisches Potenzial. Aber wir bewerben ihn derzeit nicht aktiv.» 2022 soll die Website der Gemeinde generalüberholt werden. Und ab dann sollen auf ihr auch Fotos vom Hindu-Tempel zu finden sein. «Denn wir sind stolz auf ihn», so Gemeindepräsident Martin Bühler.

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