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27.10.2021

Alle paar Wochen lockt frisches, saftiges Gras

Reto Nussbaumer behagt die Arbeit mit den Hühnern sehr: «Sie sind zutraulicher, als man gemeinhin denkt.» (Bild: Achim Günter)

Reto Nussbaumer behagt die Arbeit mit den Hühnern sehr: «Sie sind zutraulicher, als man gemeinhin denkt.» (Bild: Achim Günter)

Weidehühner Hauenstein Auf dem Mattenhof in Hauenstein erkunden die Hühner alle paar Wochen ein anderes Gelände und kommen so in den Genuss von frischem Gras. Deren Eier werden mittels Abo direkt zur Kundschaft nach Hause geliefert.

Von: Achim Günter

Vom Hofplatz aus sind es nur wenige Schritte. Einmal um eine Scheune herum, und schon befinden wir uns inmitten einer Hühnerweide. Keine gewöhnliche Hühnerweide, sondern eine mobile. Die rund 300 Hühner, die hier rumstolzieren, gackern, picken oder auch mal erschreckt aufspringen, beackern durchschnittlich alle vier Wochen einen anderen Weidegrund.

Da sich Hühner nur ungern weit weg von ihrem Stall bewegen, ist so gewährleistet, dass sie immer wieder in den Genuss von frischem Gras kommen und sich nicht bereits nach wenigen Wochen bloss noch auf einem weitgehend kahlen Acker bewegen müssen. Die Weidehaltung bringt den Hühnern in Abgrenzung zur verbreiteten Freilandhaltung also ein abwechslungsreicheres Leben. Und für uns Konsumentinnen und Konsumenten soll sie für besonders schmackhafte Eier sorgen.

Die Hühnerschar gehört zum Mattenhof, auf 690 Metern auf dem Hauenstein gelegen. Vater Andreas und Sohn Reto Nussbaumer bewirtschaften die rund 24 Hektar rund um den Mattenhof. Die beiden wichtigsten Standbeine des Familienbetriebs sind die Mutterkuhhaltung und -aufzucht von Black-Angus-Rindern sowie eben die Weidehühner. Vor gut einem Jahr haben Nussbaumers mit der Eierproduktion angefangen, nachdem sie zuvor 20 Hühner für wenig mehr als den eigenen Konsum gehalten hatten. Die Arbeit mit dem Federvieh bereite viel Freude, erklärt der Juniorchef, «weil sie zutraulicher sind, als man gemeinhin denkt».

300 Hühner für 270 Eier pro Tag

2020 mit einem eigenhändig errichteten mobilen Hühnerstall für 60 Tiere gestartet, dient seit August nun das professionelle, für 320 Tiere konzipierte Farmermobil als Unterkunft, Futterquelle und Legeplatz. Alle paar Wochen wechselt das Farmermobil seinen Standort – je nach Witterung beziehungsweise Graswuchs. Fast zehn verschiedene Parzellen rund um den Hof werden von den Hühnern in Beschlag genommen. «Wir verfolgen das Ziel, den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Die Hühner sollen ein Maximum an Komfort und Lebensqualität haben, damit wir ein qualitativ hochwertiges Produkt anbieten können», erklärt Reto Nussbaumer die Beweggründe.

Der 29-Jährige wohnt mit seiner ebenfalls auf dem Hof mithelfenden Freundin in Olten, ist aber oft auf dem elterlichen Hof anzutreffen, wo er in einem 50-Prozent-Pensum die Zweitausbildung zum Landwirt absolviert. Ansonsten arbeitet er in seinem angestammten Beruf als Elektriker. Den Mattenhof führt hauptsächlich sein 56-jähriger Vater Andreas Nussbaumer.

Die 300 Hühner legen pro Tag rund 270 Eier. Nussbaumers setzen sowohl bei den Eiern als auch beim Fleisch hauptsächlich auf Direktvermarktung. Die Margen sind besser. Und ihnen sei auch wichtig, die Freude an der Landwirtschaft unmittelbar mit anderen teilen zu können. «Uns macht es Spass, den Kunden eine Freude zu bereiten. Man kann ihnen die Landwirtschaft wieder etwas näherbringen – das gibt einem sehr viel zurück», so Reto Nussbaumer. Die Eier können direkt auf dem Mattenhof bezogen werden, aber auch – und das ist das Besondere – mittels Abo. Nussbaumers sind die einzigen Anbieter in der Region Olten, die Eier von Weidehühnern der Kundschaft nach Hause liefern. Ein Ei kostet 80 Rappen, ist also nur unwesentlich teurer als eines im Supermarkt. Es wird aber im Zehnerpack direkt in den Milchkasten geliefert und stammt von einer Juraweide vor der eigenen Haustüre. Die Auslieferungstour, welche die Bauernfamilie alle zwei Wochen unter die Räder nimmt, umfasst abgesehen von Hauenstein-Ifenthal auch Olten und Umgebung. Zwischen Winznau/Dulliken und Hägendorf/Kappel werden die Eier ausgeliefert. Eine Gebietserweiterung ist nicht geplant.

«Direkt von Klimaerwärmung betroffen»

Das Mattenhof-Team legt viel Wert auf nachhaltiges Wirtschaften – auch im eigenen Interesse, wie Reto Nussbaumer zu bedenken gibt. «Die Klimaerwärmung existiert. Wir sind direkt von ihr betroffen. Das haben wir in den vergangenen Jahren selber festgestellt. Das Gras wächst immer schlechter wegen oft zu trockenen Sommern. Also sind wir darauf angewiesen, nachhaltig mit den Ressourcen umzugehen.» Er nennt verschiedene Beispiele aus dem Hofalltag, bei denen sie speziell auf Nachhaltigkeit achteten. Etwa beim Einsatz von Maschinen, aber auch bei der Tierhaltung an sich. «Da wir Hühner und Kühe auf unserem Hof haben, besteht ein sehr schöner Kreislauf. Auf unseren Feldern können wir Getreide anbauen als Futter für die Hühner, die Hühner wiederum produzieren Mist, der auf die Felder verteilt wird, damit das Gras besser wächst, und das Gras wächst dann als Nahrung für die Kühe.»

Die Hühner machen sich kaum gross Gedanken, welche Rolle sie im Kreislauf der Natur spielen. Aber dass es ihnen auf ihrer Weide gefällt, lässt sich sehr wohl erkennen. Und falls das eine oder andere Huhn nicht so glücklich sein sollte mit dem aktuellen Standort: Schon bald wird die Aussicht wieder eine andere sein.

mattenhofladen.ch

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