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14.11.2018

Wenn das Sälischlössli zur Akropolis wird

(v.l.) Mirjam Ledergerber, Alexandra von Arx und Mari Vihertola mit Büchern in ihrer jeweiligen Herzenssprache. (Bild: mim)

(v.l.) Mirjam Ledergerber, Alexandra von Arx und Mari Vihertola mit Büchern in ihrer jeweiligen Herzenssprache. (Bild: mim)

Buchfestival Olten Heute Abend startet das viertägige Buchfestival Olten. Dem diesjährigen Thema «Mehrsprachigkeit» widmet sich am Samstag, 17. November um 12.30 in der Schützi auch die Diskussionsrunde über eine Kurzgeschichte, die in Olten auf Reisen geschickt wurde.

Mirjam Meier

Dass die Organisatoren das Buchfestival nicht als reine Literaturveranstaltung verstanden haben möchten, widerspiegelt sich in vielen der 49 Veranstaltungen mit gegen 100 Autoren, die ganz dem Festival-Charakter an 19 Standorten und manchmal auch zeitgleich stattfinden. In diesem Jahr stellt das Buchfestival die Mehrsprachigkeit ins Zentrum, die sich bereits am heutigen «Müsterli-Abend» zeigt: Unter anderen liest Alex Capus im Café Grogg in Deutsch und Französisch während Franco Supino sich in der Buchhandlung Schreiber der italienischen und deutschen Sprache widmet. Daneben haben auch verschiedene Dialekte und die Spoken Word-Kunstform ihren Platz.

Das Olten der Kindheit

Nicht nur der Mehrsprachigkeit, sondern auch den verschiedenen Schriftbildern wollte sich Alex Summermatter, Vorstandsmitglied und Mitorganisator des Buchfestivals, mit dem Projekt «Eine Geschichte geht um die Welt» widmen. «Bereits als ich vor zwei Jahren erfuhr, dass mehr als 110 Nationen in Olten leben, fand ich, dass wir diese Vielfalt nützen müssten», erklärt Summermatter. Mit dem diesjährigen Schwerpunkt Sprache und Schrift machte er sich auf die Suche nach einer kurzen Geschichte und stiess dabei auf diejenige von Alexandra von Arx. Die Oltnerin nahm 2016 am Schreibwettbewerb teil. Ihre Kurzgeschichte «OlteNetlO», in der die Wörter Olten und Buch vorkommen mussten, wurde schliesslich für den Schweizer Schriftstellerweg ausgewählt. Der Originaltext ist von der Autorin selbst gesprochen auf der «LiteraThek» an der Baslerstrasse 32 in Olten zu hören. Von Arx entschied sich beim Schreiben des Textes für das Olten ihrer Kindheit, weshalb sie einige Wörter rückwärts notierte, was während der Schulzeit ein beliebtes Spiel mit ihrer Freundin gewesen war. Ausserdem durften in der Geschichte natürlich auch die Aare und der Nebel nicht fehlen. «Ich freute mich sehr, als ich für die Hörstation ausgewählt wurde und nun kommt, indem meine Geschichte in andere Sprachen übersetzt wurde, eine neue Komponente hinzu», so die 46-Jährige, die sich seither intensiv dem Schreiben widmet und in diesem Jahr den Förderpreis für Literatur des Kantons Solothurn erhielt. Die Wahlbeobachterin selbst pendelt sowohl als Übersetzerin zwischen den Sprachen als auch zwischen ihren Wohnorten in der Schweiz und Frankreich. «Mir war es ein Anliegen, dass die jeweiligen Übersetzer Freiheiten für ihre Versionen geniessen», betont von Arx und fügt an: «So wurde beispielsweise die russische Version eine Liebeserklärung an die Stadt Moskau.»

Die Heimweh-Oltnerin

Mirjam Ledergerber und ihr Ehemann Kostas wurden von Summermatter für die griechische Version angefragt. «Zuerst übersetzten wir den Text ins Griechische, beliessen ihn aber in der lateinischen Schrift, da wir uns nicht vorstellen konnten, wer die Geschichte sonst hätte lesen können. Erst auf Wunsch des Organisators haben wir die Geschichte in der griechischen Schrift festgehalten», erzählt Ledergerber schmunzelnd. «In unserer Version wurde die Aare zum Meer und das Sälischlössli zur Akropolis. Selber etwas beisteuern zu können, hat mir gefallen.» Die Oltnerin zog es mit 22 Jahren als Reiseleiterin nach Frankreich und schliesslich weiter nach Griechenland, wo sie ihren Ehemann kennenlernte und während zwanzig Jahren lebte. Als ihre beiden Kinder ins Schulalter kamen, beschloss das Ehepaar, nach Olten zurückzukehren. «Ich war eine typische Heimweholtnerin», erzählt die 42-jährige KV-Angestellte. Sie geniesse es nun, ihren Kindern zu zeigen, was sie als Kind in Olten erlebt habe.

Emotionale Zeitreise

Die Finnin Mari Vihertola lernte Summermatter an den Kabarett-Tagen kennen, wo sie jeweils an der Bar mithilft. Die 42-jährige Übersetzerin ist vor 15 Jahren der Arbeit wegen in die Schweiz gekommen und schliesslich wegen der Nähe zum Arbeitsort Bern in Olten gelandet. Sie habe sich über die Anfrage gefreut und die Kurzgeschichte zum Übersetzen in die Ferien in Finnland mitgenommen. «Ich wählte anstatt Olten meine Heimatstadt und anstelle des Riesen die gut sichtbare Radioantenne auf der Skipiste», erzählt Vihertola und fügt an: «Dies war für mich eine sehr emotionale Reise, weil ich mich nach 17 Jahren gefragt habe, ob es «mein» Finnland noch gibt.» In Olten fühlt sich die Finnin inzwischen heimisch: «Ich schätze Oltens Übersicht und Dorfcharakter sowie das breite Kulturangebot und freue mich jedes Mal, wenn mir jemand auf der Strasse zuwinkt oder -ruft», erzählt die aufgeschlossene Finnin lachend. Die Geschichte von Alexandra von Arx sowie alle Übersetzungen sind im Coop City in Olten ausgestellt.

Buchfestival Olten, Do., 15. bis So., 18.11.
«Eine Geschichte geht um die Welt»: Samstag, 17.11., 12.30 Uhr
Mehr zum Programm unter:

www.buchfestival.ch

 

 

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