Front
05.06.2019

Wenn Frauen am 14. Juni auf die Strasse gehen

Die Oltnerinnen Corina Bolliger (l.) und Siv Lehmann haben 45 Jahre Engagement für die Frauenrechte auf dem Tisch und den Frauenstreik 2019 am Freitag, 14. Juni fest vor Augen. (Bild: mim)

Die Oltnerinnen Corina Bolliger (l.) und Siv Lehmann haben 45 Jahre Engagement für die Frauenrechte auf dem Tisch und den Frauenstreik 2019 am Freitag, 14. Juni fest vor Augen. (Bild: mim)

Frauenstreik 2019 Zwei Frauen aus unterschiedlichen Generationen erzählen, wieso sie sich im Solothurner Kollektiv zum Frauenstreik, der am Freitag, 14. Juni landesweit stattfindet, engagieren.

Mirjam Meier

Die 65-jährige Siv Lehmann ging bereits 1991 auf die Strasse, als beim ersten landesweiten Frauenstreik 500’000 Frauen demonstrierten. «Es gab damals für Frauen viele alltägliche Gründe, weshalb ein Streik dringend notwendig war», erzählt sie. «Eigentlich dachte ich ja, dass man an einem solchen Anlass nur ein Mal im Leben teilnimmt», betont Lehmann und zeigt mit ihrer Aussage auf, dass viele Forderungen von damals noch heute nicht umgesetzt sind. Begonnen habe ihr Engagement für die Frau als 19-Jährige mit allgemeinpolitischen Themen, erzählt die Oltnerin, die unter anderem der Anti-AKW-Bewegung angehörte. Das Engagement für die Rechte der Frauen sei damals exotisch gewesen. «Ich wurde als Emanze bezeichnet, was für mich eine Auszeichnung war», erzählt Lehmann schmunzelnd. Angesprochen auf die eigene Betroffenheit, meint die Oltnerin: «In meiner 20-jährigen Tätigkeit als Gewerkschaftssekretärin habe ich sehr oft Frauen beraten und ihnen geholfen, damit sie den gleichen Lohn erhielten wie ihre männlichen Kollegen.» 1980 reichte die inzwischen aufgelöste Ofra, die Organisation für die Sache der Frau, bei der sich auch Lehmann engagierte, die Mutterschaftsinitiative ein. «Mein Sohn kam 1990 zur Welt und die Mutterschaftsversicherung trat schliesslich 2005 in Kraft, damals war mein Sohn bereits 15 Jahre alt.» Trotzdem oder gerade deshalb hat die 65-Jährige Durchhaltewillen bewiesen. Dies wird klar, wenn sie Buttons aus 45 Jahren Engagement für die Frau und Berge voller alter und neuer Zeitungsartikel auf dem Tisch ausbreitet. «Unglaublich, dass der Gleichstellungsartikel sowie der Grundsatz der Lohngleichheit 1981 in die Verfassung kamen, doch Ersterer erst 15 Jahre später in Kraft trat und von der Lohngleichheit sind wir noch heute weit entfernt», zeigt Lehmann auf. «Als ich davon hörte, dass am 14. Juni zum zweiten Mal ein landesweiter Frauenstreik stattfinden soll, wollte ich mich zuerst nicht nochmals so stark engagieren, dachte dann aber, dass ich nun dafür Zeit habe», so die Pensionierte schmunzelnd und fügt ernst an: «Unfassbar, dass der Forderungskatalog von 1991 dem Heutigen sehr ähnlich sieht.»

Sich frei entscheiden können

Corina Bolliger nennt zwei Hauptgründe, wieso sie sich im Solothurner Kollektiv engagiert. «Mein Vater ist jung gestorben. Meine Mutter musste sich und die Familie alleine durchbringen und hat dabei nicht immer die Hilfe bekommen, die sie benötigte. Noch heute ist es für Familien und insbesondere Frauen oftmals schwierig, Kind und Job zu vereinen. Deshalb müssen Frauen einerseits einen fairen Lohn erhalten und andererseits durch die Schaffung von bezahlbaren Krippenplätzen die Möglichkeit haben, Teilzeit zu arbeiten. Das Angebot soll da sein, damit sich Frau frei entscheiden kann, ob sie zu Hause bleiben oder arbeiten möchte», betont die 28-Jährige. «Doch auch die Männer sind froh, wenn sie nicht mehr alleine dafür verantwortlich sind, das Geld nach Hause zu bringen», zeigt das Oltner Gemeinderatsmitglied weiter auf. Ausserdem müsse das Strafgesetz angepasst werden, damit misshandelte Frauen nicht noch in der Beweislast stünden. Frauen sollen nicht als Objekt angesehen werden, so die Lehrerin und fügt an: «Es spielt keine Rolle, wie sich Frau gibt, entweder gilt sie als Nonne oder als zu freizügig, auf jeden Fall hat immer jemand etwas an ihr auszusetzen.»

Frauenstreik in Olten und Solothurn

Im Februar hat erstmals die Oltner Gruppe zusammengefunden, die in der Zwischenzeit auf rund 20 Aktivistinnen und einige Männer, die im Hintergrund wirken, angewachsen ist. «National haben sich 30 Kollektive formiert, die jedoch den Streiktag am jeweiligen Standort selbst gestalten», erklärt Lehmann. «Wir hoffen, dass so viele Frauen wie möglich am Freitag, 14. Juni mitwirken. Dabei gibt es drei Formen: Einerseits kann ein Zeichen gesetzt werden, so trägt beispielsweise das Pflegepersonal den Aufnäher «Stellen Sie sich vor, ich würde heute streiken». Mitmachen kann jedoch auch heissen, eine Streikpause zu machen oder den ganzen Tag die Arbeit niederzulegen.» Das Streikfest in Olten findet von 10 bis 14.30 Uhr auf der Kirchgasse mit violettem Risotto, einem offenen Mikrofon und Reden von Lisa Christ, Antonia Hasler sowie den Stadträtinnen Iris Schelbert und Marion Rauber statt. Musikalisch werden Elian Zeitel, Iandara Brobecker sowie «Franz» alias Franziska Grütter sowie eine Tanzgruppe unterhalten. «Es sollen auch Streiklieder gesungen werden, wobei wir in Olten nicht so viel geübt haben», erzählt Lehmann lachend. Um 15.02 Uhr besteigen die Frauen in Olten den Zug, um in Solothurn an der Demonstration teilzunehmen und ihre Forderungen dem Regierungsrat zu übergeben. Auch die Stadt Olten erhalte einen Forderungskatalog. «Vom Streiktag erhoffen wir uns, dass die Gleichstellung mit ihren verschiedensten Themen neuen Aufwind erhält», so die beiden Frauen.

www.frauenstreik19.ch

 

 

Günstige Komplettlösungen von update AG