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22.01.2020

Der «Güggel» wird zehn

Das Coq-Team feiert am kommenden Wochenende in der Schützi das 10-jährige Jubiläum des «Güggels». (Bild: ZVG)

Das Coq-Team feiert am kommenden Wochenende in der Schützi das 10-jährige Jubiläum des «Güggels». (Bild: ZVG)

Coq d’Or Am Wochenende feiert das Coq d’Or in der Oltner Schützi seinen zehnten Geburtstag mit 16 Acts auf zwei Bühnen und Ausstellungen. Wir haben uns mit Geschäftsführer Daniel Kissling über die Anfänge, den Spirit, das Älterwerden, Finanzen und die Reorganisation unterhalten.

Mirjam Wetzstein

Die Nachricht, es solle eine neue, etwas andere Bar in Olten eröffnen, brachte den heutigen Geschäftsführer Daniel Kissling vor zehn Jahren dazu, mit Nathalie Papatzikakis Kontakt aufzunehmen. «Nathalie hatte zuvor einige Zeit in Zürich verbracht und sich von dessen Angebot inspirieren lassen.» Diesen Spirit wollte die damalige Geschäftsführerin schliesslich mit dem Coq d’Or nach Olten holen. «Eine Vision, die ich voll und ganz teilte», erzählt Kissling, der damals in Basel Literatur studierte. «Basel hat das Hirscheneck, Zürich die Mars Bar und Thun das Mokka, doch Olten hatte abgesehen von der Vario Bar damals kein Lokal, in dem neben dem Barbetrieb noch Kultur geboten wurde.»

Begriff auf der musikalischen Landkarte

Als Papatzikakis Ende 2012 die Türen des «Güggels» für immer schloss, waren es Daniel Kissling und eine Handvoll Personen, die ihre zweite Heimat nicht aufgeben wollten. Finanziell gestützt durch die Flura AG rund um Schriftsteller Alex Capus und unzählige Stunden ehrenamtlicher Arbeit ist das Coq d’Or im Januar wiedereröffnet und 2013 der Kulturverein Coq d’Or, der seither von Nils Loeffel präsidiert wird, gegründet worden. Über die Jahre haben zahlreiche Konzerte stattgefunden. Aber auch Spiele-Abende, Bilder- oder Fotografie-Ausstellungen sowie Poetry Slams und hin und wieder eine Podiumsdiskussion gingen im Coq über die Bühne. «Nicht nur, jedoch auch wegen uns ist Olten auf die musikalische Landkarte der Schweiz gerutscht», erzählt Kissling von einer Aussensicht. «Für manche Konzerte reisen Gäste von weither an.»

Reorganisation und Finanzen

«Es war nie unser Ziel, nur ein jüngeres Publikum anzusprechen, aber wir wollten stets junge Kultur ganz im Stil unseres Mottos «Kultur und Kater» anbieten», so der Geschäftsführer. Die Gäste sind im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Trotzdem kehre für ein Feierabendbier ab und an auch ein älteres Publikum im Güggel ein, freut sich Kissling, der mit seinen 32 Jahren auch nicht mehr zu den Jungspunden gehört. «Kürzlich wandte ich mich überrascht an ein Teammitglied und meinte mit einem Blick auf ihre karierten Schuhe, dass ich gar nicht gewusst hätte, dass sie Ska-Musik möge. Ihrem verwirrten Gesichtsausdruck war anzusehen, dass sie keine Ahnung hatte, was Ska-Musik, die in Olten vor rund 15 Jahren eine grosse Anhängerschaft zählte, ist. Trotzdem fühle ich mich nach wie vor wohl im Güggel», so Kissling, zündet sich eine Gauloise an und meint schmunzelnd: «Das Coq hält mich jung!» Mit der Reorganisation, die das Team im vergangenen Frühling gestartet hat, versuche man die Abläufe zu verbessern und die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. «Wir sind daran eine Struktur aufzubauen, damit mittelfristig auch in der Führung ein Generationenwechsel passieren kann», erzählt Kissling. Durch eine parallel geführte Crowdfunding-Aktion, die 55’000 Franken einbrachte, konnte das Coq seinen laufenden Betrieb für ein Jahr sichern und daneben dringende Unterhaltsarbeiten, wie das Ersetzen der Lüftungen und Malerarbeiten, tätigen. Nach dem Jubiläumswochenende wird die Bar zwei Wochen geschlossen bleiben, damit unter anderem die Toilettenanlagen aufgefrischt werden können. Grundsätzlich müsse das Coq langfristig auf finanziell sicherere Beine gestellt werden, betont Kissling, der sich von der Stadt Olten einen Leistungsauftrag gewünscht hat. Diesen gab es zwar nicht, aber der Betrag über 20’000 Franken schaffte es dank einer Mehrheit im Parlament ins Budget. Ein umstrittener Entscheid, bei dem der Stadtrat fürchtet, dass dieser weitere Anfragen nach sich ziehen könnte. Kissling findet, dass man unterscheiden müsse: «Im Gegensatz zu anderen Lokalen führen wir neben Fremdveranstaltungen, viele eigene Veranstaltungen durch. Das benötigt Ressourcen.»

Aus Gästen werden Freunde

Aus zehn Jahren Bar- und Kulturbetrieb gibt es aber auch die eine oder andere Geschichte zu erzählen, wie als ein gegen 80-jähriges Paar auf dem Weg in die Ferien in Olten strandete und im Coq herzlich aufgenommen wurde. Zwischendurch stoppe auch Autor Matto Kämpf auf der Durchfahrt, treffe sich eine Töffli Gang, deren Mitglieder in der ganzen Schweiz verteilt sind oder lässt Musiker Samuel Blatter sein Keyboard im Coq stehen, um es am nächsten Tag vor dem Auftritt wieder in der Bar abzuholen. «Nicht selten werden aus Gästen Freunde, manchmal auch Mitstreiter. Wir haben einige Personen über Jahre begleitet, vom Beginn des Studiums, bis zu dessen Abschluss oder Abbruch. Haben miterlebt, dass Paare zusammengekommen sind, sich getrennt oder eine Familie gegründet haben.» Daneben hätten sich über die Jahre auch Freundschaften zu verschiedenen Bands wie der italientischen Rockband «Beesus» und der schwedischen Stoner-Rock-Band «Greenleaf» entwickelt. Klar, dass neben 14 weiteren Bands aus verschiedensten Genres auch die beiden Rock-Formationen anlässlich des Coq-Jubiläums am Freitag, 24. und Samstag, 25. Januar auftreten werden. Es seien praktische Gründe, wieso das Coq-Jubiläum in der Schützi gefeiert werde. «Alleine mit den Acts und den Mitstreitern zählen wir so viele Personen, dass mit den Gästen zu wenig Platz vorhanden gewesen wäre», so Kissling. Ausserdem biete die Schützi mit der Galerie eine Möglichkeit, um auch das visuelle Gesicht der Bar anhand von Fotos und Plakaten sowie einer Installation zu zeigen. «Die als Ziel gefassten zehn Jahre habe ich geschafft», freut sich Kissling, der sich für das Coq jedoch noch weitere zehn oder gar zwanzig Jahre wünscht.

Jubiläum: 10 Jahre Coq d’Or
Fr., 24.1., 18 Uhr/Sa., 25.1., 14 Uhr, Schützi

www.coq-d-or.ch

 

 

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