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04.03.2020

Vom süssen Honig zur Improvisationsfreude

Mit ihrer klaren und gefühlvollen Stimme weiss die Jazzsängerin Elian Zeitel zu berühren. (Bild: Lorenz Frey)

Mit ihrer klaren und gefühlvollen Stimme weiss die Jazzsängerin Elian Zeitel zu berühren. (Bild: Lorenz Frey)

Elian Zeitel veröffentlicht am 20. März ihr Debüt-Album «Honig im Tee», mit dem sie am Samstag, 14. März in der Oltner Vario Bar Halt macht. Wir haben uns mit ihr über Musik als Ventil, walliserdeutsche Lieder und Parallelwelten unterhalten.

Von: Mirjam Wetzstein

Das Album «Honig im Tee» von Elian Zeitel hält eine Mischung zwischen melancholischen Jazz-Nummern, experimentellen Ausflügen und poppig angehauchten Songs bereit. Zehn Stücke geben einen Einblick auf das vierjährige musikalische Schaffen der 26-jährigen Jazzsängerin. Der erste Song «D’Chiäjeri» hört sich für unsere Ohren etwas fremd an und stammt als einziger nicht von Zeitel. «Es handelt sich dabei um ein altes walliserdeutsches Volkslied, das ich einst in der Kanti gelernt habe und das mich mit seinen Alpenklängen stets fasziniert hat», erklärt Elian Zeitel, die eigentlich Elian Frei heisst. Zeitel ist ihr zweiter Vorname und gleichzeitig ihr Künstlername.

Die Parallelwelt

Zeitel und ihre acht Geschwister sind mit Musik aufgewachsen. «Meine Mutter hat mit uns gesungen und mit meinem Vater haben wir gejammt», erzählte die Tochter von Markus Frei, Inhaber der Oltner Pianotechnik GmbH, einst. Trotzdem zögerte Zeitel zuerst, ganz auf die Musik zu setzen, musste schliesslich jedoch einsehen, dass sie sich nur dafür mit ganzem Herzen begeistern kann. Vor zweieinhalb Jahren reiste die Oltnerin im Rahmen ihres Masterstudiums an der Jazzschule Luzern für ein Austauschjahr in die finnische Hauptstadt Helsinki mit dem Ziel, ihre Komfortzone im sicheren Oltner Hafen mit Familie und Freunden zu verlassen. Wider Erwarten sei die finnische Sibelius Academy eine elitäre, traditionelle Schule gewesen, die grossmehrheitlich den traditionellen Jazz lehrt. «Es ging nicht darum, den eigenen Sound weiterzuentwickeln, wie ich es von der Jazzschule Luzern kannte, was mich am Anfang irritierte. Doch nach ein paar Wochen merkte ich, dass wenn ich mich hineingebe, ich noch viel Handwerk und Technisches lernen kann», erzählt die 26-Jährige, die neben der Schule viel Zeit hatte, um Land und Leute zu entdecken. Ein seltener Umstand für Zeitel, die in der Heimat eher dazu neigte, sich in viele Projekte zu verstricken. Aber auch die Stadt, die raue Natur und die zurückhaltenden, sanften Leute hatten es der Oltnerin angetan. «Einzig das frühe Eindunkeln um 15 Uhr war sehr gewöhnungsbedürftig», erzählt die Musikerin lächelnd und fügt an: «Ob in der Schweiz oder in Finnland, der jeweilige andere Ort wirkte auf mich stets so weit weg, wie eine Parallelwelt.»

Sich neu positionieren

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz kam nach einem arbeitsreichen Sommer im Palmaares Restaurant in der Oltner Badi im Herbst das zu erwartende Loch. «Ich hatte aufgrund des durch das Auslandjahr gestreckten Studiums nur noch wenige Kurse in Luzern zu belegen», erinnert sich die Jazzsängerin zurück. Obwohl Zeitel schliesslich in eine Wohngemeinschaft nach Luzern umzog, war die Musikerin auch im letzten Jahr immer mal wieder in Olten anzutreffen, so beispielsweise auch als musikalischer Act am Frauenstreik-Anlass in Olten. Ausserdem erteilt sie nach wie vor Privatunterricht in der Dreitannenstadt und unterrichtet an der Musikschule Wolhusen. Im vergangenen Mai hat die Musikerin ihr Masterstudium beendet und erhielt aus diesem Anlass die Möglichkeit, während vier Tagen in einem Studio ihr eigenes Album aufzunehmen. Eingespielt hat die zurückhaltende Oltnerin ihre Songs gemeinsam mit Musikerkollegen aus oder rund um die Jazzschule Luzern, mit denen sie auch die Frühlingstour bestreiten wird.

Zwischen Improvisation und Gefühl

«Das Album hat viel Zeit in Anspruch genommen, nur allein schon die Beschaffung von Fördergeldern, damit es gemischt und gemastert werden kann, war zeitintensiv. Hinzu kamen das Booking, Gestaltungsfragen und die Promo. Erst jetzt wurde mir so richtig bewusst, wie viel Zeit ich neben dem Singen und Schreiben für Administratives einsetzen muss», zeigt Zeitel auf. Für sie bedeutet ihre Musik, die meist am Piano entsteht, eine Art Ventil, um die eigene Schwermütigkeit abzubauen. Manch ein Song, wie «Honig im Tee», widmet sich auch dem Thema Trennung und beim Titel «After all», der in Helsinki entstanden ist, zeigt sich die Improvisationsfreude der Jazzsängerin. «Ich liebe es, sowohl mit der Sprache, aber auch mit Lauten zu experimentieren. Dies ermöglicht es mir, völlig andere Emotionen zu transportieren. So dürfen es, neben meinen sonst eher lieblichen Songs, auch mal hässliche Emotionen sein», meint Zeitel lächelnd. Sie freue sich sehr auf ihr Konzert in der Heimat, bei dem der Oltner Musiker Collie Herb bei einem Stück mitwirken wird. «Ich wünsche mir, auch in Zukunft meine Musik spielen zu können. Es ist das Grösste zu spüren, dass das Publikum durch die Musik berührt wird.»

Konzert von Elian Zeitel
Samstag, 14. März, 20.30 Uhr
Vario Bar, Solothurnerstrasse 22, Olten

www.zeitel.ch

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