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26.05.2021

Die Grande Dame vom Sälischlössli

«Organisiert euch!»: Christa Baranowksi in ihrem Garten. (Bild: Franz Beidler)

«Organisiert euch!»: Christa Baranowksi in ihrem Garten. (Bild: Franz Beidler)

Was macht eigentlich? Christa Baranowski führte während zehn Jahren das Restaurant Sälischlössli in Starrkirch-Wil. Mit dem jähen Ende von damals hat sie sich längst versöhnt.

Von: Franz Beidler

Jeden Nachmittag um fünfzehn Uhr klingelt in Christa Baranowskis Wohnung ein Wecker. Dann trinkt sie einen Tee. «Dazu gibt es Gebäck. Ich backe gerne», erklärt sie.

Baranowski war schon an vielen Orten zuhause: In Ostpreussen, im Sauerland, in Spiez, Freiburg oder Bern. In Olten, wo sie heute zuhause ist, kennen die meisten sie wohl als jene Frau, die während zehn Jahren das Restaurant Sälischlössli führte. Baranowski erzählt gerne davon. Wie die Bürgergemeinde Olten, der das Schlössli gehört, sie einstimmig zur Pächterin wählte. Wie bei der Eröffnung 1991 neben den 120 geladenen Gästen auch die nationale Presse dabei war. Wie sie Schloss- und Ritterfeste, Silvesterpartys und Hochzeiten veranstaltete, mit Musikern, Magiern, Kostümen und selbst gemachter Dekoration. «In der Wildsaison habe ich dafür manchmal halbe Bäume aufs Schlössli geschleppt», scherzt Baranowski.

«Einen Moment, das kann ich ihnen zeigen», sagt Baranowski mehrmals im Gespräch. Dann springt sie hoch und kehrt zurück mit einem dicken Ordner. Darin hat sie sorgfältig Souvenirs abgelegt: Speisekarten, Präsentationsmappen, Programme, Zeitungsberichte, Dankesschreiben. Ein ander Mal kehrt sie zurück mit einer Flasche Wein. «Das war der Hauswein.» Trinken könne man diese Flasche schon lange nicht mehr, sagt sie lachend.

Weniger gerne spricht Baranowski vom jähen Ende, das ihre Zeit auf dem Sälischlössli nahm. Im Jahr 2000 kündete die Bürgergemeinde den Pachtvertrag auf. Von nun an sollte Starkoch Anton Mosimann das Zepter übernehmen. Er machte aus dem Sälischlössli das «Chateau Mosimann», ein Gourmettempel für exklusive Klientel. «Nach drei Jahren musste er aufgeben», sagt Baranowski. Inzwischen kann sie die Geschichte ohne Groll erzählen.

«Ich verstehe das ja»

Damals aber sei die Kündigung ein Schlag ins Gesicht gewesen. Eine letzte Silversterparty veranstaltete Baranowski, um den Sprung ins neue Jahrtausend zu feiern – das legendär gewordene Feuerwerk inklusive. Ende Januar 2000 musste sie gehen.

«Ich verstehe das ja», sagt sie heute. Die Renovationen, die das Schlössli damals benötigte, hätte sie nicht stemmen können. Einer wie Mosimann, dessen Starpower auch Geld verhiess, kam da gerade recht. So berichtete damals sogar das nationale Fernsehen über den Wechsel im Sälischlössli. «Noch am gleichen Abend hatte ich neue Angebote auf dem Tisch», erinnert sich Baranowski. «Ich musste das aber zuerst verdauen.»

Die ausgiebigen Spaziergänge im Wald unterhalb des Schlössli, vorher ein Ausgleich zur Arbeit, halfen ihr nun dabei. In einen langen Mantel gehüllt und mit ihrer Dogge Axila kam sie dann jeweils auch am Eingangstor des Schlössli vorbei. «Axila wartete dann immer davor und wollte rein», erzählt Baranowski. Das sei schon eine traurige Zeit gewesen.

Bald fand Baranowski, die auch im Schlössli gewohnt hatte, ihre heutige Oltner Wohnung, gleich am Fusse des Säliwalds. Dort brachte sie in den ersten Monaten auch zwei ihrer ehemaligen Angestellten unter, die nun ohne Stelle dastanden. «Wir waren halt ein super Team», meint Baranowski.

Eine Einladung zum Kaffee

Versöhnt mit dem Sälischlössli hat sich Baranwoski nicht zuletzt dank dem heutigen Pächter, der ebenfalls Mosimann heisst. «Eines Tages schickte er mir ein Kärtchen mit einer Einladung zum Kaffee», erzählt Baranowski. Beim Gespräch habe sie gleich gespürt, dass die Chemie stimmte.

Heute ist Baranowski immer mal wieder auf einen Kaffee im Restaurant: «Mosimann leistet tolle Arbeit», findet sie. «Er ist immer für alle da.» Auch die ausgedehnten Spaziergänge behielt sie bei. Dogge Axila allerdings ist 2005 verstorben. In Baranowskis Wohnzimmer erinnert eine gerahmte Zeichnung an ihr geliebtes Tier.

«Organisiert euch», sagt Baranowski mit Nachdruck nach ihrem üblichen Tagesablauf gefragt. Das sei besonders für Pensionierte wichtig. «Meine Ärztin scherzt immer, dass bei meiner Geburt wohl der falsche Jahrgang notiert worden sei», beantwortet Baranowski die Frage nach ihrem Alter mit einem Schmunzeln. Sie habe keine Gebrechen und fühle sich fit.

Jedem Tag sein Programm

So legt sie sich jeden Abend das Programm vom nächsten Tag zurecht. Lange Schlafen, «eine Gewohnheit vom jahrelangen Spätdienst im Gastgewerbe», ein ausgiebiges Frühstück, dann ein Spaziergang, «wenns geht auf einem steilen Weg», dann ein frischer Smoothie und relaxen in der Swing-Liege auf der Terrasse. Dann Einkaufen, den Garten anpflanzen, Nähen oder Putzen, «viel Arbeit bei meiner geräumigen Wohnung.» Dazwischen: «Sporteinlagen: Ich steppe, mache Hometraining oder gehe in die Physiotherapie.» Zum Abendessen gäbe es nur noch kalte Küche, erklärt die Gastronomin, «Fleisch: zweimal pro Woche.» Und den Tee gibts eben um fünfzehn Uhr. Wöchentlich besucht Baranowski Bekannte in Altersheimen, samstags geht sie auf den Markt. Etwa dreimal im Jahr besucht sie ihre Nichte in Bonn. «Sie führt dort einen Reitbetrieb mit über fünfzig Pferden.» Als Tierliebhaberin geniesse sie diese Zeit, auch wenn sie selber nicht reite. Und jährlich reist Baranowski ins Tessin, nach Cademario, und weilt im dortigen Kurhaus.

Bis zum Ausbruch der Coronapandemie war Baranowski noch berufstätig. Sie arbeitete als Disponentin für eine Sicherheitsfirma. «Ich mag den Kundenkontakt», erklärt sie. Nun sei sie halt pensioniert. Langweilig sei es ihr deswegen aber nie. Abends schaut sie sich gerne Dokumentationen im Fernsehen an, über Natur, Gesellschaft oder Geschichte. Besonders ihren Geburtsort möchte sie besser kennen lernen: Kaliningrad, «Königsberg», sagt Baranwoski. «Ich wünsche mir eine Reise nach Ostpreussen.» Das gehe sie als nächstes an.

 

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