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15.09.2021

Das Ende einer Erfolgsgeschichte als Übergang

Gewohnt scharfzüngig: Ökonom Beat Kappeler. (Bild: ZVG)

Gewohnt scharfzüngig: Ökonom Beat Kappeler. (Bild: ZVG)

Olten Vor hundert Besucherinnen und Besuchern fand am Freitag das 14. Aare Forum der Solodaris Stiftung im Oltner Stadttheater statt. Thema des Tages: «Übergänge von Last bis Lust». Daraus resultierte einmal mehr ein ebenso informativer wie unterhaltsamer Anlass. 2022 wird das Aare Forum durch das Solodaris Forum abgelöst werden.

Übergänge gehören zum Leben, sie sind Teil des menschlichen Zyklus. Dies zeigte gleich zu Beginn des 14. Aare Forums im Stadttheater Franz Liechti-Genge sehr anschaulich und mittels einer simplen Schwelle aus Holz, um die herum er sich bewegte. Übergänge seien oft etwas Heikles, sei man doch nicht mehr am alten aber eben auch noch nicht am neuen Ort, sagte der reformierte Theologe. Es gelte, sich diesen Übergängen zu stellen: «Wer sie überspringt und einfach nur umgeht, wird früher oder später davon eingeholt.»

Vom Übergang ins Berufsleben erzählte Peter Jakob, Mitinhaber der Schreinerei Glaeser Mümliswil AG. Zuerst müsse man säen, um später auch ernten zu können, lautet seine Losung in Bezug auf die Lernenden. Umso schöner dann, «wenn aus dem Lastmoment ein Lustmoment für die jungen Berufsleute wird», wie er sich ausdrückte. Dann nämlich, wenn sie ihr Diplom im Sack haben.

Pointiert und scharfzüngig wie eh und je äusserte sich der Ökonom Beat Kappeler zum hiesigen Rentensystem und zum Sozialwesen. Für ihn als Babyboomer müsse man nicht sammeln, sagte er: «Wir haben die höchsten Löhne erhalten und kriegen jetzt auch noch die höchste Rente.» Wir alle wissen: So geht es nicht mehr lange weiter. Das Problem sei, dass die AHV nie nachhaltig gewesen und auf einer mathematisch-ökonomischen Sünde aufgebaut sei. Kappeler ist noch immer auf der Suche nach den Politikern, die hinstehen und bekennen: «Nichts ist sicher, wir müssen unser Rentensystem gründlich überarbeiten.» Und er wartet auch auf die Jungen, die seiner Meinung nach längst schon hätten rebellieren sollen.

Käslin erzählt von Rücktritt

Das ehemalige Kunstturn-Ass Ariella Käslin schilderte eindrücklich ihren Übergang von der Spitzensportlerin zur «normalen» jungen Frau, die nach ihrem Rücktritt plötzlich ein zwar viel freieres, aber dafür nicht mehr auf die Minute durchgetaktetes Leben führte – und vorübergehend jeglichen Halt verlor. «Ich wusste plötzlich nicht mehr, wer ich bin und wo ich hin will», erzählte Käslin. Erst nach und nach fasste sie wieder Tritt und lernte auch, dass es ein Zeichen von Stärke ist, wenn man Schwäche zeigen darf.

Comedian Michel Gammenthaler sorgte am Aare Forum für die Übergänge auf und neben der Bühne, gab selber auch als Interviewpartner der Moderatorin intime Einblicke in sein Leben mit Trennungen und schmerzhaften Übergängen. Er unterhielt die Besucherinnen und Besucher auch mit seinen humorvollen Einlagen – und zeigte, weshalb er sich auf den hiesigen Bühnen zuerst als Zauberkünstler einen Namen gemacht hatte.

Wenig überraschend nicht einig wurden sich Ricco Bonfranchi und Caroline Hess-Klein im Streitgespräch zum Thema Inklusion. Für den Sonderschullehrer und Diplompädagogen ist Inklusion von Menschen, die als psychisch-, geistig- oder lernbehindert gelten schlicht eine Utopie und «eine Bagatellisierung der Behinderung». Eine Integration in die Regelschule funktioniere nicht, die Klasse selber leide darunter. Sein Credo: «Alle Menschen sind gleichwertig. Aber nicht alle Menschen sind gleichartig.» Für Juristin Klein ist Inklusion nichts weniger als eine rechtliche Verpflichtung laut UNO-Behindertenrechtskonvention. Das heutige Bildungssystem sei nicht inklusiv, sagte sie. Aber daraus zu schliessen, dies sei nicht möglich, sei falsch. «Die Frage ist nicht, ob wir das tun, sondern wie wir es tun!» Die konkrete Antwort auf exakt diese Frage, wie sie sich die Ausgestaltung einer solchen Schule vorstellt, blieb sie allerdings schuldig.

Der Übergang vom Leben in den Tod

Mit Roland Kunz hatten die Macher des Forums auch einen Pionier der Palliative-Care-Szene in der Schweiz zu Gast. Alle Lebewesen hätten die Sterblichkeit gemeinsam, sagte er. Doch nur die Menschen wüssten um die Endlichkeit ihres Lebens – was die Ausgangslage und letztlich den Übergang vom Leben in den Tod oft nicht einfacher macht. Während Jahrtausenden sei Sterben als Schicksal angeschaut worden, heute wisse man: «Sterben und der Tod sind etwas, das von biologischen und pathophysiologischen Parametern abhängt.» Kunz räumte auch mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: «Palliativmedizin heisst nicht einfach, nichts mehr zu machen», sagte er, sondern das Sterben so angenehm wie möglich zu gestalten.»

Wie hatte Solodaris-Geschäftsführer Daniel Wermelinger zu Beginn des Anlasses gesagt, als er Eriksons Acht-Stufen-Modell zitiert hatte? Übergänge gehören zum Leben. Einen solchen Übergang macht nun auch die Solodaris Stiftung, denn die 14. Ausgabe des Aare Forums war zugleich auch die letzte. «Es war eine Erfolgsgeschichte, die oft kopiert wurde. Was will man mehr?» Ab kommendem Jahr wollen Wermelinger und sein Team die Gäste zum «Solodaris Forum» einladen. Man darf gespannt sein. wno

www.solodaris.ch

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