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06.10.2021

Der Botschafter mit Buch und Kamera

«Ich komme immer gerne wieder nach Hause.» Weltreisender Daniel Mauerhofer in seinem Büro. (Bild: Franz Beidler)

«Ich komme immer gerne wieder nach Hause.» Weltreisender Daniel Mauerhofer in seinem Büro. (Bild: Franz Beidler)

Was macht eigentlich? Daniel Mauerhofer unterrichtete 36 Jahre lang an der Kantonsschule Olten. Noch immer entdeckt er die Welt und berichtet zuhause vom Erlebten.

Von: Franz Beidler

Behutsam legt Daniel Mauerhofer ein Blatt Papier auf seinen Schreibtisch. Vor dem Fenster des Büros im zweiten Stock seines Hauses in Lostorf türmt sich gerade eine Dampfwolke des Gösger Kernkraftwerkes auf. «Ich habe da schon mal etwas zusammengestellt», erklärt Mauerhofer mit einem Lächeln. Überschrieben ist das Blatt mit «Persönliche Informationen zu Daniel Mauerhofer». Es ist eine Übersicht seines Lebens, in wenigen Sätzen geordnet, ein Resümee. Der Übersicht zuliebe, zwängt Mauerhofer sein Leben auf eine A4-Seite. Eigentlich sind deren Ränder zu eng.

«1948 geboren und aufgewachsen in Neuenegg als 7. und jüngstes Kind meiner Eltern», folgt auf die Überschrift. Im Kanton Bern aufgewachsen spricht Mauerhofer bis heute reinrassiges Berndeutsch. «Das ist wohl ein Teil meiner Identität», mutmasst er. Er besteht darauf, dass sein Name mit langem U ausgesprochen wird, also «Muurhofer», wie das im Berndeutschen eben üblich ist.

Der nächste Satz des Resümees erzählt von der Ausbildung am Lehrerseminar im bernischen Hofwil. Die Zeile danach beginnt mit Jahrzahlen: 1968-1971 arbeitete Mauerhofer als Lehrer im Fricktal. «In der vierten Klasse hatte ich einen Lehrer, der mir wahnsinnig imponierte», erinnert sich Mauerhofer. Seither habe er auch Lehrer werden wollen. Der Traum sollte sich erfüllen: Während 36 Jahren arbeitete Mauerhofer an der Kantonsschule Olten. «Diese Stelle war das grosse Los für mich», blickt Mauerhofer zurück. Vor zehn Jahren wurde er pensioniert.

Sinnkrise im Fricktal

1968 aber, als er eben seine erste Stelle im Fricktal antrat, geriet er in eine Sinnkrise. «Ich arbeitete mit Schwererziehbaren», erklärt Mauerhofer und fragt rhetorisch: «Aber sind wir nicht alle etwas schwererziehbar?» Ein verschmitztes Lächeln umspielt Mauerhofers Mund. Jedenfalls sei er mit der Aufgabe völlig überfordert gewesen, fährt er dann fort. Da habe er gemerkt, dass er einen Halt brauche. Den fand Mauerhofer schliesslich im Glauben. Seither liest er täglich in der Bibel und findet Zuversicht im Gebet.

«Daraufhin hatte ich auch Erfolg als Lehrer», sagt Mauerhofer. Mit schwierigen Schülern, «also den spannenden», schiebt er ein und lächelt wieder verschmitzt, mit diesen Schülern gäbe es zwei Arten umzugehen: «Ich kann sie ablehnen und ihnen zu spüren geben, dass ich sie nicht mag. Oder ich kann für sie beten. Wenn ich bete, dann verändert sich etwas in mir.» Mauerhofer macht eine Pause, blickt auf den Schreibtisch vor sich und sagt dann: «Man kann Leute nicht einfach verurteilen.»

Geografie, Geologie und Geschichte

Der nächste Punkt im Resümee: Studium. Mauerhofer studierte von 1971 bis 1976 an der Universität in Bern, im Hauptfach Geografie, daneben Geologie und Geschichte. Er schloss mit einem Doktorat ab. «Das war eine hydrologische Untersuchung im Saaneland», erklärt er, während er aufsteht und aus dem Bücherregal neben ihm ein etwa zweihundert Seiten schweres Manuskript zieht. Damit setzt er sich wieder an den Schreibtisch. «Ich arbeitete vier Jahre lang daran», sagt er und blättert in der Dissertation herum.

Geografie und Geschichte unterrichtete er dann eben auch an der Oltner Kantonsschule. Und er fand einen Weg, die Fächer auch ausserhalb des Schulzimmers auszuleben: Seit nunmehr fast vierzig Jahren ist Mauerhofer als Reiseleiter unterwegs. Auf den Reisen fotografiert er. Und wenn er wieder zuhause ist, erzählt er in Vorträgen vom Erlebten.

«Als ich noch an der Kanti war, hatte ich eine Abmachung mit der Familie», erzählt Mauerhofer mit erhobenem Zeigefinger und breitem Schmunzeln. «Eine Reise pro Jahr.» Seit der Pension aber gilt die Abmachung nicht mehr. Nun sind es jährlich drei bis vier Reisen. Er habe wohl ein Neugier-Gen, witzelt Mauerhofer. «Alte Männer, die nur noch rumsitzen, verstehe ich nicht.»

Die Begeisterung für Afrika

Als Mauerhofer zu Beginn der 80ger-Jahre als Reiseleiter anfing, fand er seine Begeisterung für Afrika. Algerien, die Sahara, Äthiopien, Timbuktu oder Mali bereiste er alle mehrmals. Doch Mitte der 90ger wurden viele Länder Afrikas von Kriegen überzogen. Nach Algerien reiste Mauerhofer so lange immer wieder, bis er in den Kreuzungen von Algier Panzern gegenüberstand. «Ich wollte es nicht wahrhaben», erinnert er sich.

«Das macht mir grosse Mühe», sagt Mauerhofer zu den Wirren in Afrika. «Wegen der tollen Landschaften, aber vor allem wegen der grossartigen Menschen, die ich kennenlernte.» So musste er seinen Fokus verschieben und fand «die Länder, die ehemals hinter dem Eisernen Vorhang versteckt waren.» Ungarn, Rumänien, Bulgarien, speziell aber Georgien und später Albanien.

Seine Vorträge zu den Reisen organisierte Mauerhofer lange über die Museumsgesellschaft Olten. Seit 1981 amtete er als deren Präsident. Vor zwei Jahren löste sie sich auf. «Ich hatte festgelegt, dass ich mit siebzig aufhöre», erklärt Mauerhofer. Dann trat niemand die Nachfolge an. «Es ist besser, einen Verein bewusst aufzulösen, als ihn langsam untergehen zu lassen», findet Mauerhofer.

Auch nächstes Jahr um die Welt

Für das nächste Jahr hat Mauerhofer bereits geplant. Drei bis vier Reisen will er unternehmen: Namibia, Albanien, im November Patagonien. Und erstmals wird er eine Zugreise begleiten, durch Ostpreussen. Und er widmet sich weiterhin seiner Glaubensgemeinschaft. Dort organisiert er zusammen mit seiner Ehefrau einen monatlichen Unterhaltungsnachmittag für Senioren. Ausserdem besuchen ihn jede Woche mindestens zwei seiner neun Enkelkinder. Dann spaziert er mit ihnen von Lostorf nach Stüsslingen auf den dortigen Spielplatz. Oder er spielt mit ihnen «Encore», ein Würfelspiel oder «Tutto», ein Kartenspiel. Mauerhofer lacht und meint: «Wir sind eine ziemlich spielwütige Familie.»

Das Berndeutsche blieb ihm, und er zieht in die Welt, um sie zu entdecken. Bleiben wollen habe er aber in keinem der Länder, die er bereiste. «Ich komme immer gerne wieder nach Hause.»

kurz und knapp kurz und knapp

Dieses Buch kann ich wärmstens empfehlen

«Pardon, ich bin Christ» von C.S. Lewis. Darin beschreibt der irische Philosoph, wie er im Glauben eine neue Sichtweise fand.

Auf diesen Gegenstand kann ich nicht verzichten

Auf den Fotoapparat. Den trage ich auf den Reisen mit, obwohl er etwas schwer ist. Meine Frau meint, ich sei etwas süchtig nach Fotografieren (lacht).

An diesem Ort gefällt es mir ausgezeichnet

Hier in Lostorf, hier bin ich zuhause. Weil ich viel unterwegs bin, brauche ich das Zuhause.

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