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05.01.2022

Der «Jakobsbrunnen» am Wilerweg – «Die gute Gaststätte für Jedermann»

Die Gastube der Neuen Spanischen Weinhalle «Barcelona» 1923 mit der Wirtefamilie Francisco und Maria Marqués als Fotomotiv auf der Postkarte im Mai 1923.
Werbekarte für das Café-Restaurant Jakobsbrunnen um 1960 mit Fotos von Josef Bolz.
Die Wirtsleute Franz und Margrit Rudolf von Rohr-Nick sitzen am Tisch mit Rösly, Ruth und Rita (v.l.), Serviertöchter und Buffettochter. Das Bild datiert aus den 1970er-Jahren. (Bilder: ZVG)

Die Gastube der Neuen Spanischen Weinhalle «Barcelona» 1923 mit der Wirtefamilie Francisco und Maria Marqués als Fotomotiv auf der Postkarte im Mai 1923.

Die Gastube der Neuen Spanischen Weinhalle «Barcelona» 1923 mit der Wirtefamilie Francisco und Maria Marqués als Fotomotiv auf der Postkarte im Mai 1923.
Werbekarte für das Café-Restaurant Jakobsbrunnen um 1960 mit Fotos von Josef Bolz.
Die Wirtsleute Franz und Margrit Rudolf von Rohr-Nick sitzen am Tisch mit Rösly, Ruth und Rita (v.l.), Serviertöchter und Buffettochter. Das Bild datiert aus den 1970er-Jahren. (Bilder: ZVG)

Werbekarte für das Café-Restaurant Jakobsbrunnen um 1960 mit Fotos von Josef Bolz.

Die Gastube der Neuen Spanischen Weinhalle «Barcelona» 1923 mit der Wirtefamilie Francisco und Maria Marqués als Fotomotiv auf der Postkarte im Mai 1923.
Werbekarte für das Café-Restaurant Jakobsbrunnen um 1960 mit Fotos von Josef Bolz.
Die Wirtsleute Franz und Margrit Rudolf von Rohr-Nick sitzen am Tisch mit Rösly, Ruth und Rita (v.l.), Serviertöchter und Buffettochter. Das Bild datiert aus den 1970er-Jahren. (Bilder: ZVG)

Die Wirtsleute Franz und Margrit Rudolf von Rohr-Nick sitzen am Tisch mit Rösly, Ruth und Rita (v.l.), Serviertöchter und Buffettochter. Das Bild datiert aus den 1970er-Jahren. (Bilder: ZVG)

Briefgeschichten Die Wirtschaft an der Aarauerstrasse an der Ecke zum Wilerweg in Olten war ein Quartierrestaurant mit Tradition.

Von: Urs Amacher

Francisco Marqués y Ribas trat am ersten Märzsonntag 1918 bei Juan Costa von der spanischen Weinhalle die Stelle als Officebursche an. Marqués, ein 28-jähriger Katalane, stammte aus Sant Pau d’Ordal, einem Weinbauerndorf in der Gemeinde Subirats in der Nähe von Barcelona. Doch bald machte er sich selbständig. Zusammen mit den ebenfalls aus Subirats hergekommenen Brüdern Esteban und Guillermo Ros y Roiz übernahm er das Restaurant zum Adler an der Hauptgasse 34 in Olten.

Im Sommer 1920 wechselte Francisco Marqués in den «Jakobsbrunnen» an der Einmündung des Wilerwegs in die Aarauerstrasse, vorerst noch gemeinsam mit dem älteren der beiden Brüder Ros y Roiz, dem gelernten Küfer Esteban. Doch per 4. April 1923 begann Marqués das Restaurant Jakobsbrunnen in eigener Regie zu führen. Neben der Gastwirtschaft trieb er Handel mit Wein und Likör über die Gasse. In der Zwischenzeit hatten er und die zehn Jahre jüngere Maria Valls y García geheiratet, und 1921 war das Mädchen Maria zur Welt gekommen.

Francisco Marqués gab dem Restaurant einen anderen Namen. Da es in der Altstadt bereits eine «Spanische Weinhalle» gab, nannte er das Haus an der Aarauerstrasse 98 nun eben «Neue Spanische Weinhalle Barcelona». Dementsprechend schmückte er das Lokal mit einer katalanischen und einer spanischen Flagge.

Fotokarte an seine Eltern

Am 2. Mai 1923 schickte Francisco Marques seinen «queridos padres» – seinen lieben Eltern in Sant Pau d’Ordal – eine Fotokarte, verbunden mit den besten Grüssen und der Hoffnung, dass es ihnen gut gehe. Auf der Ansichtskarte war die Gaststube, das «interior del Restaurant», abgebildet.

Francisco Marques schrieb die Karte in spanischer (kastilischer) Sprache. Maria hingegen, welche die Heimatgrüsse ebenfalls unterzeichnete, ergänzte den Text mit einer kurzen Bemerkung auf Katalanisch: «La Nena te 17 mesos» (Das Mädchen ist 17 Monate alt). Gemeint ist das Ende 1921 geborene Töchterchen Maria, das auf der Fotografie auf dem Schoss der Mutter sitzt.

Auf Ende Dezember 1923 wechselte die Familie Francisco Marqués y Valls ins Traditionslokal «Helvetia» am Bifangplatz und nannte es wiederum ‹Neue Spanische Weinhalle Barcelona›. Sie führte es, zuletzt mit den Töchtern Mercedes und Carmen, bis zur Übergabe Mitte der 1950er-Jahre an die Familie Schibli.

Die Ära Rudolf von Rohr

Als Nachfolger auf dem «Joggibrunnen» wirteten vorerst Hans Philipp und Anna Greder-Schneider und von 1959 an die Familie Rudolf von Rohr-Nick. Der 1916 in Kestenholz geborene Bauernsohn Franz Rudolf von Rohr absolvierte eine Lehre als Metzger. Nach Wanderjahren und Aktivdienst konnten er und Margrit ‹Gritli› Nick im selben Jahr 1946, in welchem sie heirateten, das Speise-Restaurant «Zur Sonne» in Lostorf samt Metzgerei und Gartenwirtschaft erwerben. 1956 suchten sie eine neue Herausforderung und pachteten das Hotel-Restaurant Bahnhof in Cham. Zwar zerschlugen sich die Pläne, diesen Betrieb zu kaufen, dafür ergab sich die Gelegenheit, den «Jakobsbrunnen» in Olten zu übernehmen.

Die Familie Rudolf von Rohr führte die Wirtschaft als Quartierbeiz, als «Die gute Gaststätte für Jedermann», wie sie in einem Prospekt warb. Es gab zwei Stammtische, einen für gewöhnliche Leute und einen, wo sich die Geschäftsherren trafen. Das Restaurant Jakobsbrunnen servierte Essen und hatte auch Pensionäre, die täglich zum Zmittag kamen. Da der «Joggi» nicht weit von der Marienkirche lag, war er beliebt für Taufe-Essen und andere Familienfeiern. «Wir waren die ersten in Olten, die selbst gemachte Glacés servierten», sagt nicht ohne Stolz Mädi, die Tochter des Wirtepaars Rudolf von Rohr. «Ebenso war das Beefsteak Tatar hier unbekannt, bevor wir es auf der Karte hatten.» Auch an der Fasnacht war der «Jakobsbrunnen» eine sichere Adresse, mit Musik und jedes Jahr mit einem andern Sujet dekoriert.

Ein Markenzeichen des Jakobsbrunnen war die ‹Sängerfamilie von Rohr›. Gritli Nick war im Luzernischen vor ihrer Heirat eine bekannte Solojodlerin gewesen. Nun trat sie bei festlichen Anlässen zusammen mit den drei Kindern Jörg, Mädi und Roland als Gesangsgruppe auf. Begleitet vom Handorgelspieler Walter Saner unterhielten sie die Gäste mit Volksliedern und alten Schlagermelodien.

Von 1985 an führte Mädi Rudolf von Rohr, unterstützt von den Eltern, das Café-Restaurant, bevor sie sich 1989 entschieden, mit dem Wirten aufzuhören und den «Joggibrunnen» zu verkaufen. Nachfolgend wurde aus der Quartierbeiz eine Pizzeria, und einige Jahre später musste diese einem Laden weichen. Der Schriftzug «Jakobsbrunnen» am stattlichen Haus wurde entfernt, womit die Ära Joggibrunnen endgültig besiegelt wurde. Einzig der 1952 vom Oltner Bildhauer Willi Schibler geschaffene Brunnen mit dem Jakobsmotiv erinnert an die «gute alte Zeit».

Quellen: Stadtarchiv Olten; Auskunft Jörg, Mädi und Roland Rudolf von Rohr.

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