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26.01.2022

Noch immer mitten im Leben

Hier in seinem Arbeitszimmer verbringt Peter Niklaus viel Zeit. Er schreibt an einem biographischen Roman. (Bild: Achim Günter)

Hier in seinem Arbeitszimmer verbringt Peter Niklaus viel Zeit. Er schreibt an einem biographischen Roman. (Bild: Achim Günter)

Was macht eigentlich? Als junger Lehrer lancierte Peter Niklaus in den 80er-Jahren einen Anlass, der längst weit über Olten hinausstrahlt. Er war Initiant, Gründer und langjähriger Präsident der Oltner Kabarett-Tage. Heute geniesst er den «Unruhestand».

Von: Achim Günter

Das kurze Vorgespräch am Telefon beendet er mit einem herzhaften Lachen und den Worten: «Ich bin im Unruhestand.» 2010 liess sich Peter Niklaus als Lehrer pensionieren. Inzwischen ist der Gründervater der Oltner Kabarett-Tage 74 Jahre alt, aber ein wirklicher Ruhestand scheint in weiter Ferne. In seinem Wohnzimmer, an dessen Wänden eine bunte Mischung an Bildern hängt, erzählt er, wie er die Zeit verbringt.

Niklaus ist seit Jahrzehnten im Besitz der Privatpilotenlizenz und Mitglied der Flugsportgruppe Grenchen. Altershalber wird er im kommenden Frühling mit der Fliegerei nun aber aufhören. Auch Führungen als Flugplatzguide in Grenchen wird er ab dann keine mehr anbieten. Ebenfalls seit langem aktiv ist der Grossvater eines Enkels als Philatelist. Mit seiner Frau Margrit reist Peter Niklaus sehr gerne und oft. Da die Corona-Zeit dieses Hobby erschwert, wurde er mit über 70 Jahren noch zum Autor. Sein biographischer Roman «Clara aus Salatun» handelt von einer 1897 geborenen Tante seiner Frau, die in jungen Jahren Solothurn verliess, in die USA reiste und entgegen der ursprünglichen Absicht in Übersee blieb. Sein Kurzabriss des fast fertigen Werks klingt schon mal vielversprechend. Seit anderthalb Jahren arbeitet er an seinem Erstlingswerk. «Vielleicht ist es auch gleich das letzte», sagt er und lacht.

Und auch mit den Oltner Kabarett-Tagen ist deren Ehrenpräsident bis heute eng verbunden. 2007 ging die letzte Austragung unter seiner Verantwortung über die Bühne. 15 Jahre später nimmt er immer noch repräsentative Aufgaben für die Gesellschaft Oltner Kabarett-Tage wahr. Er fühle sich eigentlich noch «mitten im Leben», meint er zum Abschluss seiner Aufzählung. «Und es schlummern noch einige Projekte in mir.»

Die Oltner Kabarett-Tage jeweils im Mai sind eine Erfolgsgeschichte – und längst prägend in der Aussenwahrnehmung der Stadt Olten. Niklaus stellt einen gewissen Stolz darüber, was aus seinem Kind geworden ist, nicht in Abrede. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet ein Mann, der beruflich und privat in seiner Jugend und Ausbildungszeit stark mit der Stadt Solothurn verbunden war, schenkte Olten, dem zweiten grossen städtischen Zentrum des Kantons, einen renommierten Kulturanlass.

Als Peter Niklaus nämlich Ende der 70er-Jahre als junger Lehrer seine Brötchen verdiente, waren Lehrkräfte an Oltens Schulen noch verpflichtet, in der Dreitannenstadt Wohnsitz zu nehmen. So verliess Niklaus, der seine ersten Lebensjahre im aargauischen Reinach verbracht und dann als Erstklässler ins Wasseramt umgezogen war, 1978 mit seiner Frau das Eigenheim in Subingen eher unfreiwillig. Kurz zuvor hatte er in der Dreitannenstadt eine Stelle als Sekundarlehrer gefunden.

1980 trat dann Hans Hohler, der Vater des Kabarettisten Franz Hohler, von seinen Ämtern als Vorsteher der Oltner Sekundarschulen und als Präsident der Kulturförderungskommission zurück. «Wie die Jungfrau zum Kind», wie er selber sagt, kam Niklaus zu den beiden Aufgaben. Die Kultur lag ihm damals schon am Herzen. Von 1980 bis 1984 führte er mit seiner Frau und einem Kollegen die Kunstgalerie Dreitannen. Noch im Raum Solothurn hatte er einer Schnitzelbankgruppe angehört. Eine Affinität zum Humoristischen gab es also schon.

Aktiv gestalten, nicht bloss verwalten

Als Präsident der Kulturförderungskommission wollte er gestalten, etwas initiieren. Er blickte, bestimmt auch seiner Herkunft geschuldet, nach Solothurn, wo die Filmtage bereits einen guten Ruf genossen und die Literaturtage an Bedeutung gewannen. Das Konzept der «Tage» überzeugte Niklaus. Cabarettage schienen ihm geeignet; die Kleinkunstszene in Olten habe damals durchaus pulsiert. «Und die Oltner galten im Kanton ja immer ein wenig als die aufmüpfigen Untertanen aus dem unteren Kantonsteil.»

Die relevanten Personen aus dem damaligen «Kulturkuchen» holte Niklaus ins Boot, ebenso die Stadtpräsidenten Hans Derendinger und später Philipp Schumacher. Viel mehr als Türöffner waren jene Personen aber nicht. Er habe mehr als einmal in einem Restaurant ein Säli reserviert für eine Sitzung – und sei als Einziger erschienen. Lachend fährt er fort: «Das Schlechte daran war: Ich habe mich gegenüber den jeweiligen Wirten geschämt. Das Gute war: Alle Abstimmungen wurden einstimmig angenommen. Wirklich einstimmig!»

1986 fand die Premiere des Festivals statt – und zwar gleich mit Koryphäen der damaligen Zeit: Elsie Attenhofer, Hanns Dieter Hüsch, Lore Lorentz oder das Cabaret Rotstift etwa. Von allem Anfang an habe der Konsens geherrscht: «Wir wollen wirkliches Kabarett, politisches, satirisches Kabarett. Wir wollen keine Humoristen.» Anfänglich aufgrund des Aufwandes im Zweijahresrhythmus stattfindend, ging man 1990 zur jährlichen Austragung über. Niklaus war neben seiner angestammten Lehrertätigkeit OK-Präsident, Intendant und einiges mehr. Nicht selten besuchte er pro Woche mehrere Kabarettvorstellungen in der Schweiz und im nahen deutschsprachigen Ausland.

Neidischer Blick aus Solothurn?

Die Oltner Cabaretttage – inzwischen heissen sie längst Oltner Kabarett-Tage – fanden ihr Publikum rasch. Nach einigen erfolgreichen Austragungen des Festivals habe ihn ein Vertreter der Stadt Solothurn mal gefragt, ob er mit dem Festival nicht lieber nach Solothurn umziehen wolle. Die Erinnerung daran lässt Niklaus laut auflachen. Ein ernsthaftes Thema war eine solche Verlegung natürlich nicht. Zumal ihm in der Vergangenheit gewisse Stadtsolothurner Kreise zu verstehen gegeben hatten, nicht auf einen jungen Mann aus dem Wasseramt gewartet zu haben. «Hier in Olten hingegen war man sofort mittendrin in jenen Kreisen, die etwas zu sagen haben.»

2022 sollen die Oltner Kabarett-Tage nach dem zweijährigen unfreiwilligen Unterbruch endlich wieder stattfinden, zum 34. Mal. Sie sind bis heute ein Fixpunkt im Jahreskalender von Peter Niklaus geblieben. «Ich bin fast jeden Abend da.»

 

kurz und knapp

Dieses Buch kann ich wärmstens empfehlen

«Es klopft» von Franz Hohler. Eine Geschichte mit überraschenden Wendungen.

Auf diesen Gegenstand kann ich nicht verzichten

Auf meine Lesebrille. Aber in die Weite sehe ich immer noch sehr gut.

An diesem Ort gefällt es mir ausgezeichnet

Mir gefallen Städte wie Wien, Paris oder Dresden. Wegen des kulturellen Angebots.