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30.03.2022

Eine Kochbücher-Pionierin von Weltruf und ihr tragisches Ende

Vorder- und Rückseite des Büchleins «55 gute Back-Rezepte», das Frieda Nietlispach veröffentlichte, um den ‹Moderna›-Backapparat, der von ihrem Mann Jean vertrieben wurde, zu promoten. (Bilder: ZVG/Schweiz. Gastronomiemuseum, Hilterfingen)
Das Couvert der Anwaltskanzlei Paul und Rolf Portmann, adressiert «An den Verlag Otto Walter AG, Olten». Der Brief trägt den Poststempel vom 21. Mai 1948. Die Anwälte vertraten Erna Duruz-Nietlispach beim Urheberrechtsstreit mit dem Verlag.
Die erfolgreiche Kochbuchautorin Frieda Nietlispach-Gisi in einer Aufnahme von 1940.

Vorder- und Rückseite des Büchleins «55 gute Back-Rezepte», das Frieda Nietlispach veröffentlichte, um den ‹Moderna›-Backapparat, der von ihrem Mann Jean vertrieben wurde, zu promoten. (Bilder: ZVG/Schweiz. Gastronomiemuseum, Hilterfingen)

Vorder- und Rückseite des Büchleins «55 gute Back-Rezepte», das Frieda Nietlispach veröffentlichte, um den ‹Moderna›-Backapparat, der von ihrem Mann Jean vertrieben wurde, zu promoten. (Bilder: ZVG/Schweiz. Gastronomiemuseum, Hilterfingen)
Das Couvert der Anwaltskanzlei Paul und Rolf Portmann, adressiert «An den Verlag Otto Walter AG, Olten». Der Brief trägt den Poststempel vom 21. Mai 1948. Die Anwälte vertraten Erna Duruz-Nietlispach beim Urheberrechtsstreit mit dem Verlag.
Die erfolgreiche Kochbuchautorin Frieda Nietlispach-Gisi in einer Aufnahme von 1940.

Das Couvert der Anwaltskanzlei Paul und Rolf Portmann, adressiert «An den Verlag Otto Walter AG, Olten». Der Brief trägt den Poststempel vom 21. Mai 1948. Die Anwälte vertraten Erna Duruz-Nietlispach beim Urheberrechtsstreit mit dem Verlag.

Vorder- und Rückseite des Büchleins «55 gute Back-Rezepte», das Frieda Nietlispach veröffentlichte, um den ‹Moderna›-Backapparat, der von ihrem Mann Jean vertrieben wurde, zu promoten. (Bilder: ZVG/Schweiz. Gastronomiemuseum, Hilterfingen)
Das Couvert der Anwaltskanzlei Paul und Rolf Portmann, adressiert «An den Verlag Otto Walter AG, Olten». Der Brief trägt den Poststempel vom 21. Mai 1948. Die Anwälte vertraten Erna Duruz-Nietlispach beim Urheberrechtsstreit mit dem Verlag.
Die erfolgreiche Kochbuchautorin Frieda Nietlispach-Gisi in einer Aufnahme von 1940.

Die erfolgreiche Kochbuchautorin Frieda Nietlispach-Gisi in einer Aufnahme von 1940.

Briefgeschichten Die Oltner Messerschmied-Tochter Frieda Nietlispach-Gisi war berühmt für ihre innovativen Kochbücher, die sie beim Otto Walter Verlag publizierte.

Von: Urs Amacher

Als Frieda Gisi am 1. März 1891 in Fulenbach geboren wurde, sagte ihr wohl niemand voraus, dass sie dereinst als Frieda Nietlispach eine Karriere als Kochbuch-Autorin von Weltruf machen würde. Frieda wuchs zusammen mit fünf Geschwistern in Olten auf, wo ihr Vater Jakob Gisi-Dörfliger seit 1893 am Salzhüsliweg 4 und ab 1917 an der Zielempgasse 4 eine Messerschmiedewerkstatt betrieb. Nach der Schulzeit besuchte Frieda Gisi das Seminar in Aarau, das sie 1911 mit dem Lehrerinnendiplom abschloss. Anschliessend gab sie als Verweserin Schule an verschiedenen Orten, so in Port-Nidau bei Biel oder Ramlinsburg. Für kurze Zeit trat sie in ein Kloster ein; sie war allerdings nicht für ein Klosterleben bestimmt, blieb jedoch dem Dritten Orden des heiligen Franziskus verbunden.

An Ostern 1919 verheiratete sich Frieda Gisi mit dem Kaufmann Johann Nietlispach, der 1917 als Commis zum Eisen- und Spezereihändler Bonaventur Meyer nach Olten gekommen war. Bereits 1920 kam ein Töchterchen zur Welt; es überlebte aber nur wenige Wochen. 1924 und 1925 folgten die zwei Kinder Hans und Erna Agnes.

1921 gründeten Johann und Frieda Nietlispach die eigene Firma «Copa» zur Herstellung und zum Vertrieb der «Sirius»-Bodenwichse, der Schuhcreme «Fox» und vor allem des eigenen «Moderna»-Backapparats. Da viele Kochherde damals keinen Backofen hatten, konnte man Kuchen mit der «Moderna», einer speziellen Aluminium-Kasserolle, auf dem Herd backen. Um den Verkauf zu fördern, verfasste Frieda Nietlispach ein Büchlein mit «55 guten Backrezepten».

Im Jahre 1924 veröffentlichte Frieda Nietlispach ein umfassendes Kochbuch mit dem Titel «200 Mittagessen». Sie soll diese Publikation von 128 Seiten in bloss zwei Wochen zusammengestellt haben. In der Folge erlebte dieses Kochbuch mehrere Auflagen, wurde in verschiedene Sprachen übersetzt und über 70000 Mal verkauft. Anfänglich vertrieb Nietlispach das Werk über ihren eigenen Verlag. Von 1927 an brachte der renommierte Otto Walter Verlag eine ganze Reihe ihrer Rezeptbücher heraus. Frieda Nietlispachs Erfolg – um nicht zu sagen Weltruhm – basierte nicht nur auf ihren modernen, gesünderen Kochanweisungen. Ihre Rezeptbücher waren auch von der Aufmachung her sensationell innovativ: Sie waren mit farbigen Fotos der jeweiligen Menüs illustriert, erstklassig gedruckt im neuen Dreifarbendruckverfahren.

Die verhängnisvolle Reise ins Tirol

Im Herbst 1947 reiste Frieda Nietlispach mit ihrer Tochter Erna nach Österreich, um dort den Druck eines neuen Kochbuchs vorzubereiten. Es galt, einen lokalen Verleger zu finden und vor Ort banale Probleme wie die Beschaffung des Druckpapiers anzugehen. Im Gepäck führten sie bereits die Farbdiapositive für die Illustration mit sich. In Innsbruck (damals in der französischen Besatzungszone) bezogen sie im zivilen Teil des Hotels «Kreid» ein Zimmer. Im französisch-österreichischen Club lernte Erna zwei junge Einheimische aus Graz kennen, Herfried Hendel und Albin Mair. Die beiden erklärten sich bereit, beim Lösen der Papierfrage und bei der Wohnungssuche behilflich zu sein.

Allerdings handelte es sich bei Hendel und Mair um Kleinkriminelle, die sich mit Schwarzhandel über Wasser hielten. So blieb ihnen nicht unbemerkt, dass Nietlispach über einen gewissen Wohlstand verfügte. Sie beschafften sich Werkzeug und versuchten, in Nietlispachs Hotelzimmer einzubrechen, wurden aber durch Gäste im Korridor gestört. Deshalb änderten sie die Pläne und bezogen Robert Etzelt mit ein. Während Erna für einige Tage abwesend war, besuchten sie Frieda Nietlispach im Hotelzimmer. Etzelt würgte die überraschte Nietlispach, bis sie bewusstlos war, dann fesselte und knebelte er sie. Unterdessen packten seine beiden Kumpane die vorhandenen Wertgegenstände und Bargeld ein. Zu dritt konnten sie unbemerkt das Hotel verlassen.

Erna Nietlispach, die mit dem Nachtzug von ihrem Besuch in der Schweiz zurückgekehrt war, fand morgens um 3 Uhr ein verwüstetes Zimmer vor und ihre tote Mutter, die an der Knebelung erstickt war. Die Täter kamen allerdings nicht weit. Als sie Nietlispachs Reise-Schreibmaschine «Hermes 2000» und ihren Persianer-Pelzmantel verkaufen wollten, schöpfte der Händler Verdacht. Bereits zehn Tage nach der Tat wurden sie in Ossiach in Kärnten verhaftet.

Ein Jahr darauf wurden Etzelt, Hendler und Mair wegen räuberischen Totschlags zu je 16 Jahren schwerer Kerkerstrafe verurteilt. Staatsanwalt Riccabona hatte für alle die Todesstrafe gefordert. Das Tiroler Landesgericht berücksichtige jedoch, dass die Angeschuldigten durch den Krieg traumatisiert waren. Sie waren 1941 als erst 18-Jährige in die Deutsche Wehrmacht eingezogen worden und hatten sich bis 1946 nichts als an der Front und in Kriegsgefangenschaft befunden.

Streit um die Urheberrechte

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz überarbeitete Erna die Kochbücher ihrer Mutter und veröffentlichte sie unter dem Namen Erna Duruz-Nietlispach. Sie hatte unterdessen den Mittelschulprofessor am Kollegium Saint-Michel in Freiburg, Albert Duruz, geheiratet. Sie wechselte zuerst zum Berner Alpha Verlag von Duri Troesch und gab die Rezeptbücher schliesslich beim Kanisius-Verlag in Freiburg heraus.

Der Otto Walter Verlag wiederum engagierte die Haushaltungslehrerin Rosa Graf-Wüst, um die erfolgreiche Reihe von Frieda Nietlispach mit einer «Goldenen Kochfibel» fortzusetzen. Dies war Anlass für einen Streit um die Urheberrechte. Erna Duruz-Nietlispach verklagte die Direktoren Karl Engholm und Josef Rast, doch mit Hilfe der Oltner Anwaltskanzlei Portmann konnte sich Duruz schliesslich mit dem Verlag Otto Walter AG gütlich einigen.

Quellen: Bundesarchiv, Literaturarchiv Bern; Stadtarchiv Olten; www.e-newspaperarchives.ch