Im Fokus
24.05.2022

Die Friedensverhandlungen im Villmergerkrieg

Brief-Ende mit Grussfloskel, Ort und Datum sowie den Unterschriften der Zuger Tagsatzungsgesandten. (Bilder: ZVG)
Überschwänglich-barocke Adresse von Herrn de Thurn und Gestelenburg (gemeint Zurlauben), Zug.
Sänfte der Ratsherrenfamilie Zurlauben.
Portrait des Beat Jakob II. Zurlauben auf dem Epitaph in der Kapelle zu Zug.

Brief-Ende mit Grussfloskel, Ort und Datum sowie den Unterschriften der Zuger Tagsatzungsgesandten. (Bilder: ZVG)

Brief-Ende mit Grussfloskel, Ort und Datum sowie den Unterschriften der Zuger Tagsatzungsgesandten. (Bilder: ZVG)
Überschwänglich-barocke Adresse von Herrn de Thurn und Gestelenburg (gemeint Zurlauben), Zug.
Sänfte der Ratsherrenfamilie Zurlauben.
Portrait des Beat Jakob II. Zurlauben auf dem Epitaph in der Kapelle zu Zug.

Überschwänglich-barocke Adresse von Herrn de Thurn und Gestelenburg (gemeint Zurlauben), Zug.

Brief-Ende mit Grussfloskel, Ort und Datum sowie den Unterschriften der Zuger Tagsatzungsgesandten. (Bilder: ZVG)
Überschwänglich-barocke Adresse von Herrn de Thurn und Gestelenburg (gemeint Zurlauben), Zug.
Sänfte der Ratsherrenfamilie Zurlauben.
Portrait des Beat Jakob II. Zurlauben auf dem Epitaph in der Kapelle zu Zug.

Sänfte der Ratsherrenfamilie Zurlauben.

Brief-Ende mit Grussfloskel, Ort und Datum sowie den Unterschriften der Zuger Tagsatzungsgesandten. (Bilder: ZVG)
Überschwänglich-barocke Adresse von Herrn de Thurn und Gestelenburg (gemeint Zurlauben), Zug.
Sänfte der Ratsherrenfamilie Zurlauben.
Portrait des Beat Jakob II. Zurlauben auf dem Epitaph in der Kapelle zu Zug.

Portrait des Beat Jakob II. Zurlauben auf dem Epitaph in der Kapelle zu Zug.

Briefgeschichten Vor 310 Jahren fand die eidgenössische Tagsatzung für einmal in Olten statt.

Von: Urs Amacher

Olten stand kaum einmal im Brennpunkt der Schweizer Geschichte. Doch ausgerechnet bei einem der heftigsten innereidgenössischen Konflikte liefen die Fäden in Olten zusammen.

Im Frühsommer 1712 versammelten sich die Tagsatzungsgesandten der katholischen Kantone in Olten, um im Villmergerkrieg die Formel zu einem Friedensschluss zu finden. Der Konflikt hatte sich im Toggenburg entzündet, wo sich die Untertanen gegen den Fürstabt von St. Gallen auflehnten. Nachdem die Städte Zürich und Bern den Toggenburgern halfen, Schwyz und die katholische Innerschweizer Orte aber der Abtei St. Gallen, wuchsen die Toggenburger Unruhen 1712 zu einem Krieg innerhalb der ganzen Eidgenossenschaft aus. Gleichzeitig versuchte man, am Verhandlungstisch Lösungen zu finden.

Olten und Aarburg anstatt Baden

Da die katholischen Stände den traditionellen Tagsatzungsort Baden kriegerisch besetzt hatten, kam für Zürich und Bern die Bäderstadt nicht mehr in Frage. Deshalb tagten die streitbaren Kantone vorerst getrennt. Da bot sich das Städtchen Olten, das hart an der Grenze zum Berner Aargau lag, als «Malstatt» (Konferenzstadt) an. Hier am Angelpunkt der Verbindung von Solothurn zu den katholischen Orten der Innerschweiz versammelten sich also vom 22. Mai 1712 an die katholischen Tagsatzungsgesandten. Präsent war auch der französische Ambassador François-Charles de Vintimille Comte Du Luc, der sich mit seinem Gefolge im Kapuzinerkloster einquartierte. Wo die Vertreter der Kantone in Olten logierten, ist nicht bekannt. Nur vom Gasthof «zum Löwen» ist in den Geschichtsquellen belegt, dass er Tagsatzungsgesandte beherbergte. Die gegnerische Partei wählte das benachbarte Aarburg auf reformiertem Territorium.

Regelmässige Berichte in die Heimat

Jeder Kanton entsandte jeweils zwei Vertreter an die Tagsatzung. Für Stadt und Amt Zug waren dies die Gesandten Wolfgang Damian Müller und Christian Hermann.

Selbstverständlich unterrichteten sie die Regierung zuhause über den Stand der Verhandlungen. Für Zug war es Wolfgang Damian Müller, der regelmässig rapportierte. Von ihm sind denn auch eine ganze Anzahl von Schreiben vorhanden, die er an den Zuger «Kriegsminister», Landeshauptmann Beat Jakob II. Zurlauben, adressierte. Im abgebildeten Brief schrieb Müller, zuerst habe Schwyz an der Tagsatzung eine ganze Woche gefehlt. Man habe bereits eine «ernstliche Mahnung» aufgesetzt, da seien die Schwyzer Deputierten «bei strömendem Regen», wie Müller vermerkt, doch noch eingetroffen.

Harziger Start

Überhaupt verlief der Start der Verhandlungen harzig. Zu Beginn begaben sich die katholischen Deputierten nach Aarburg, um Kontakt aufzunehmen. Also seien sie «in dem Würthshauß beim Falckhen eingekehret, da sie einen gedeckhten Tisch mit Confect uff gestellet, und sonsten Niemand angetroffen». Die eingeladenen Verhandlungspartner verschmähten also den Willkommens-Apéro. Vielmehr mussten die katholischen Gastgeber zusehen, wie die andern «allda sich uffhaltende Herren Ehrengesandte die Gassen unden hinauff kommend dem Rahthauß» zustrebten. Dort kam es zum Eklat: In der Mitte der Ratsstube stand nämlich der gepolsterte Lehnsessel des Ratsvorsitzenden, und auf diesen hatte sich bereits Landammann Johann Heinrich Zwicky, der Vertreter des reformierten Teils des Kantons Glarus gesetzt. Erst nachdem die katholischen Gesandten «darab ihre bestürtzung bezeugt» und interveniert hatten, stand Zwicky auf und wechselte «auff einen anderen, gleich den übrigen» Stuhl.

Umzug nach Aarau

Die Pendeldiplomatie zwischen Olten und Aarburg wurde später dann doch zu mühsam, weshalb die Tagsatzung am 7. Juni nach Aarau wechselte. Ein Teil der Gesandten reiste per Schiff, der andere auf dem Landweg. Dort konnten sie schliesslich den «Aarauer Frieden» aushandeln, allerdings akzeptierten ihn die katholischen Orte erst nach ihrer vernichtenden Niederlage in der Schlacht bei Villmergen.

Quellen: Zurlaubiana, hg. Kurt Meier, Rainer Stöckli und Josef Schenker; Tagsatzungsmanuale in den Staatsarchiven Solothurn und Luzern.