Im Fokus
14.06.2022

An der Schwelle vom Elektrizitätswerk Olten-Aarburg zur Atel

Durch den Oberwasserkanal entstand bei Ruppoldingen eine Aareinsel.
Das Maschinenhaus des Kraftwerks Ruppoldingen stand parallel zum Flusslauf, so dass kein Unterwasserkanal benötigt wurde. (Bilder: ZVG; Marlis Keller, Rickenbach)
Das weiterverwendete Couvert des EWOA mit dem Stempel der neuen Firma Atel.
Casimir von Arx.

Durch den Oberwasserkanal entstand bei Ruppoldingen eine Aareinsel.

Durch den Oberwasserkanal entstand bei Ruppoldingen eine Aareinsel.
Das Maschinenhaus des Kraftwerks Ruppoldingen stand parallel zum Flusslauf, so dass kein Unterwasserkanal benötigt wurde. (Bilder: ZVG; Marlis Keller, Rickenbach)
Das weiterverwendete Couvert des EWOA mit dem Stempel der neuen Firma Atel.
Casimir von Arx.

Das Maschinenhaus des Kraftwerks Ruppoldingen stand parallel zum Flusslauf, so dass kein Unterwasserkanal benötigt wurde. (Bilder: ZVG; Marlis Keller, Rickenbach)

Durch den Oberwasserkanal entstand bei Ruppoldingen eine Aareinsel.
Das Maschinenhaus des Kraftwerks Ruppoldingen stand parallel zum Flusslauf, so dass kein Unterwasserkanal benötigt wurde. (Bilder: ZVG; Marlis Keller, Rickenbach)
Das weiterverwendete Couvert des EWOA mit dem Stempel der neuen Firma Atel.
Casimir von Arx.

Das weiterverwendete Couvert des EWOA mit dem Stempel der neuen Firma Atel.

Durch den Oberwasserkanal entstand bei Ruppoldingen eine Aareinsel.
Das Maschinenhaus des Kraftwerks Ruppoldingen stand parallel zum Flusslauf, so dass kein Unterwasserkanal benötigt wurde. (Bilder: ZVG; Marlis Keller, Rickenbach)
Das weiterverwendete Couvert des EWOA mit dem Stempel der neuen Firma Atel.
Casimir von Arx.

Casimir von Arx.

Briefgeschichten Ein weiterverwendetes Fenstercouvert vom September 1936 trägt den alten und den neuen Firmennamen – sowohl Elektrizitätswerk Olten-Aarburg als auch Aare-Tessin AG.

Von: Urs Amacher

Offensichtlich war die Umstellung nicht von langer Hand vorbereitet worden und drückte sich im Auftritt gegen aussen nicht unmittelbar aus. Jedenfalls verwendeten die Angestellten der neuen Firma Atel die bisherigen Briefumschläge noch eine ganze Zeitlang weiter. Die Couverts wurden nicht einfach eingestampft, sondern der neue Firmenname wurde über den alten schräg darüber gestempelt, solange, bis die Umschläge aufgebraucht waren. Jedenfalls weist das Fenster-Couvert mit Datumstempel vom 2. September 1936 sowohl den Aufdruck des Elektrizitätswerks Olten-Aarburg (EWOA) als auch den rotem Stempel der Aare-Tessin AG (Atel) auf.

Einerseits symbolisiert dieser simple Umschlag den Übergang der im 19. Jahrhundert in Olten entstandenen Elektrizitätsfirma zum Stromkonzern ebenso wie seine Expansion vom schweizerischen Mittelland über den Gotthard-Alpenpass hinaus in die Südschweiz. Gleichzeitig illustriert er, dass man auch in der neuen Firma Atel sparsam unterwegs ist und nichts verschwendet.

Von Olten-Aarburg zu Aare-Tessin

Exakt in der Mitte des Jahres 1936 wurde aus dem EWOA die Atel. Am 30. Juni 1936 änderte die Gesellschaft Elektrizitätswerk Olten-Aarburg AG ihren Firmennamen zu Aare-Tessin AG für Elektrizität. Die alte Firmenbezeichnung aus der Gründerzeit hatte schon lange nicht mehr den Realitäten entsprochen. Im Laufe der Zeit war das Elektrizitätswerk Olten-Aarburg gewachsen und hatte zum ursprünglichen Aare-Kraftwerk Ruppoldingen ein weiteres Werk in Gösgen gebaut. Zudem hatte das Unternehmen einige Beteiligungen in der Schweizer Elektrizitätswirtschaft erworben. Doch erst bei der Fusion des EWOA mit den Tessiner Elektrizitätswerken Officine Elettriche Ticinesi SA in Bodio (OfElTi) nahm man die Namensänderung vor. Der Hauptsitz der Atel blieb in Olten. War das EWOA mit einem Aktienkapital von einer Millionen Franken gegründet worden, so betrug dieses im Fusionsjahr 35 Millionen Franken; die neue Atel war mit 50 Millionen Franken kapitalisiert. In weniger als 50 Jahren hatte sich der Betreiber eines lokalen Laufwerks an der Aare zu einem Player im Strommarkt entwickelt.

Die Anfänge der Stromproduktion

Erste Projekte, Wasserkraft für die Stromproduktion zu verwenden, reichen ins 19. Jahrhundert zurück. 1888 nahm die Firma Bally einen Generator in Betrieb. Dieser wandelte das Wasser des Industriekanals bei Schönenwerd in elektrische Energie um, welche die Schuhfabrik mit Licht versorgte. 1892 installierte der Aarburger Holzhändler Hans Lüscher in seiner Sägerei eine Dynamomaschine. Diese betrieb er mit einer Turbine, welche das Wasser des Mühletychs nutzte. In Olten sind zwei Pioniere zu nennen. Der Öler und Lederhändler Johann Baptist Büttiker-Grolimund plante 1887 im Hammer ein Wasserkraftwerk. Er war der Vater von Richard, dem ersten Redaktor der katholisch-konservativen Tageszeitung «Der Morgen» und Grossvater von Verleger Otto Walter.

Im Winter 1891/1892 ersetzte Hans Flury-Trog ein Mühlenrad bei der Dünnern durch eine Rieter-Turbine aus Winterthur. Damit produzierte der Oltner Textilunternehmer Strom, um seine Leinenweberei im äussern Hammer mit elektrischem Licht zu erhellen (siehe Stadtanzeiger vom 28. April 2022).

Neben diesen privaten Kleinkraftwerken entstanden in Aarburg und Olten Projekte, um mit dem Wasser der Aare Strom zu generieren. Bald reifte bei den Initianten die Einsicht, dass sie – statt sich zu konkurrenzieren – das Unternehmen besser gemeinsam starteten. Umso mehr, als die Aare ein Grenzgewässer ist. Deshalb einigten sie sich, das Flusskraftwerk bei Ruppoldingen zu realisieren. Nachdem der Kanton Solothurn am 24. Oktober und der Kanton Aargau am 30. Oktober 1894 die nötigen Konzessionen erteilt hatten, wurde bereits am folgenden Tag, am 31. Oktober 1894, im Hotel Schweizerhof in Olten, die Elektrizitätswerk Olten-Aarburg AG (EWOA) gegründet. Olten war durch Stadtammann Casimir von Arx im Verwaltungsrat vertreten. Das Wasserkraftwerk in Ruppoldingen wurde im Jahr darauf, im November 1895, in Betrieb genommen. Aus diesen einfachen Anfängen wuchs das EWOA dann zur Atel, doch inzwischen ist auch diese Geschichte. Im Dezember 2008 fusionierte sie mit der EOS zur heutigen Alpiq.

Quellen: Peter Kaiser, Dokumentation: Kraftwerk Ruppoldingen, Aarau 1999; mit Dank an Andreas Meier, Alpiq Olten.