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06.07.2022

Früher Amtsstube, heute Akkordeon

Theophil Frey nimmt sich seit seiner Pensionierung immer noch Zeit, Landschaften zu studieren. (Bild: Cyrill Pürro)

Theophil Frey nimmt sich seit seiner Pensionierung immer noch Zeit, Landschaften zu studieren. (Bild: Cyrill Pürro)

Was macht eigentlich? Noch vor wenigen Jahren amtete Theophil Frey als Gemeindepräsident von Dulliken und unterrichtete in seinem Hauptberuf als Geografie- und Biologielehrer an der Kanti Olten eine Vielzahl von Schülerinnen und Schüler aus der Region. Heute als Pensionierter füllt er den zeitlichen Freiraum mit alten und neuen Aktivitäten.

Von: Cyrill Pürro

Das Regenwetter an diesem Tag stört Theophil Frey nicht. «Die Abkühlung nach dieser Hitzeperiode ist sogar willkommen», kommentiert der 67-Jährige, während er Kaffee serviert. Die Tasten seines Steirischen Akkordeons, das er eigens bei einem österreichischen Akkordeonisten besorgte, lassen sich leichter drücken. Wöchentlich wird er wieder zum Schüler und besucht den Akkordeonunterricht in Aarau. «Die Griffschrift zu erlernen ist für mich eine Herausforderung. Aber die grauen Zellen zu trainieren soll ja auch im Ruhestand wichtig sein», sagt Frey mit einem Schmunzeln.

Nebst dem Erlernen von Akkordeongriffen singt Frey auch im Jodelverein Rothrist mit. Das sei ein langjähriger, heimlicher Wunsch von ihm gewesen. Offen ausgesprochen habe er diesen früher nie. «Ich habe mir immer vorgenommen, im dritten Lebensabschnitt das zu machen, was sich für mich gut anfühlt», so der in Dulliken Wohnhafte. Gern gesungen habe er schon immer und schon früher gewusst: Wenn er pensioniert wird, tritt er einem Jodelverein bei. Gesagt, getan. Neue soziale Kontakte zu knüpfen, nachdem dies im Berufsalltag nicht mehr oder nur schwer möglich ist, sei ein willkommener Nebeneffekt neben dem Geniessen des Jodelgesangs.

Vom Nebenjob zur Leidenschaft

Als seine eigentliche Leidenschaft betitelt Frey das Radfahren. Ob mit dem Mountainbike oder mit dem Rennrad, es zieht ihn fast täglich in die nähere oder weitere Umgebung – je nach dem, ob es das Wetter erlaubt. Dazu meint er: «Velofahren macht den Kopf frei. Man kann drei Dinge gleichzeitig tun: etwas für die Fitness, tiefsinnige Überlegungen anstellen oder Arbeitsvorbereitungen im Kopf machen.» Letzteres sei mit der Pensionierung weniger notwendig geworden. Dafür hat der Geograf jetzt aber mehr Zeit zum Geniessen und Bestaunen der Schönheiten der Landschaft. Am häufigsten zieht es ihn auf den Engelberg oder auf die erste Jurakette. Und am liebsten fährt er im Entlebuch oder Emmental über Stock und Stein. Seine geografische Brille begleitet ihn auch hier: «Die beiden Naturlandschaften sind für mich der Inbegriff für Harmonie.» Das Rad fehlt auch nicht, wenn es zu den geografischen Wurzeln seiner Frau geht: in den Vinschgau im Südtirol.

Freys Flair für Landschaften kommt nicht irgendwo her. Nach dem Geografie-Studium in Basel und Zürich startete er als Aushilfslehrer an der Kanti Olten – gerade mal nach dem dritten Studiensemester. Plötzlich Lehrer zu sein forderte ihn. «Ich lebte, was den vorbereiteten Stoff betraf, buchstäblich von der Hand in den Mund», sagt der zweifache Familienvater dazu. Der Unterrichtsstoff, den er am Vortag vorbereitete, reichte anfänglich immer gerade für den unmittelbar bevorstehenden Unterrichtstag. Lehrer sei nie sein Berufswunsch gewesen. «Es war einfach die Möglichkeit, mit dem Unterrichten das Studium zu finanzieren.» Mit zunehmender Erfahrung wuchs dann seine Freude an der Tätigkeit – und gleichzeitig das Gefühl, seine Berufung gefunden zu haben. Junge Leute auszubilden, begann er mit der Zeit immer mehr als hehre Aufgabe zu betrachten. «Heranwachsende Persönlichkeiten mit noch unverbogenen Meinungen fördern zu dürfen war für mich ein Geschenk», kommentiert Frey. Die Diskussionen mit den Schülerinnen und Schülern vermisse er seit seiner Pensionierung «enorm».

In der Gemeinde engagiert

Neben dem Lehrerdasein war Frey 24 Jahre in der Gemeindepolitik tätig, zwölf Jahre als Vizepräsident und zwölf Jahre als Präsident. Sein Hauptanliegen war es zu seiner Zeit als Politiker, den Anliegen der Einwohnerinnen und Einwohnern zuzuhören. Und dabei sei es ihm egal gewesen, welche Nationalität oder welchen sozialökonomischen Hintergrund die Einwohnenden hatten. Zu dieser Zeit habe es mehrheitlich positive Begegnungen, Ereignisse und Überraschungen gegeben. «Die negativen habe ich alle vergessen», sagt der leidenschaftliche Radfahrer und schmunzelt dabei.

Nach den wertvollsten Meilensteinen für die Gemeinde während seiner Präsidentschaft gefragt, muss Frey nicht lange überlegen: «Einer der wichtigsten Erfolge, die wir seinerzeit erreicht haben, ist die Aufwertung des Standortes der Schuhfabrik Hugi.» Das an der Bahnlinie und nahe zur Hauptstrasse liegende Gebäude ist für Tausende Passanten jeden Tag gut sichtbar. Der marode Bau war für die Gemeinde jahrelang negativ imageprägend. «Nach jahrelanger, scheinbarer Machtlosigkeit, diesen Schandfleck zu tilgen, reagierte der Gemeinderat mit Erfolg», kommentiert Frey stolz. Er machte diese unschöne Situation mehrmals zum Traktandum und publizierte seinen Unmut darüber in der Tageszeitung. Unter diesem Druck habe der Privatbesitzer das Objekt zum Verkauf veräussert. Ein Käufer, der mit Restaurationen von Industriehallen vertraut sei, baute die Liegenschaft um. Dabei entstand ein lebendiges Quartier.

Ein weiterer Meilenstein, den Frey aus seiner Zeit in der Gemeindepolitik nennt, war der Rückkauf des Gemeindestromnetzes. Nach Ablauf des seinerzeitig gültigen Pachtvertrags machte der Gemeinderat Gebrauch vom Recht des möglichen Rückkaufs. «Dieser Prozess war komplex und langwierig», sagt Frey dazu. Aber: Dank «hervorragender technischer und juristischer Beratung» sei dieser mutige Schritt gelungen. So war der Weg für die Gründung einer gemeindeeigenen Elektrizitätsversorgungsfirma geebnet, deren Gewinne der Netzpachtgebühren gemäss Frey zu 100 Prozent in die Gemeindekasse flössen.

Persönlich freut sich Frey über das vor einem Monat geborene Enkelkind und über seine zukünftige Rolle als Grossvater. Deshalb hofft er auf friedvollere Zeiten, dass bald Lösungen für die Probleme der heutigen Zeit gefunden werden und «dass auch die jungen Menschen bald optimistischer in die Zukunft blicken können».

 

kurz und knapp

Dieses Buch kann ich wärmstens empfehlen

«Die Macht der Geografie» von Tim Marshall. Der Autor versucht die Weltpolitik anhand von zehn Karten zu erklären. Dieser geografische Zugang zu Erklärungen dessen, was politisch und territorial auf unserem Planeten abgeht, finde ich spannend.

Auf diesen Gegenstand kann ich nicht verzichten

Eindeutig auf mein Fahrrad, denn das ist mein tägliches Fortbewegungsmittel. Ziele in der näheren Umgebung steuere ich vor allem mit dem Fahrrad an. Zudem ist es mein Sport- und Erkundungsgerät.

An diesem Ort gefällt es mir ausgezeichnet

Im Ausland ist es das Südtirol, das zu meiner zweiten Heimat geworden ist. Meine Frau stammt ursprünglich aus dieser Gegend, weshalb wir jedes Jahr drei- bis viermal dort sind. In der Schweiz sind es das Entlebuch, das Emmental und auch das Wallis.

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