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23.11.2022

«Da verlor ich alles, restlos»

Daniel Stämpfli heute.
Das Bild zeigt Daniel Stämpfli 1985, ein Jahr vor dem Unfall, als ambitionierten Läufer beim «Marathon du Valais». (Bild: ZVG)

Daniel Stämpfli heute.

Daniel Stämpfli heute.
Das Bild zeigt Daniel Stämpfli 1985, ein Jahr vor dem Unfall, als ambitionierten Läufer beim «Marathon du Valais». (Bild: ZVG)

Das Bild zeigt Daniel Stämpfli 1985, ein Jahr vor dem Unfall, als ambitionierten Läufer beim «Marathon du Valais». (Bild: ZVG)

Unvergessen Einst Leistungssportler, erlitt der Egerkinger Daniel Stämpfli mit 23 Jahren einen schweren Autounfall. Er fiel augenblicklich ins Koma und wachte erst nach einer Woche wieder auf. Der Kampf zurück ins Leben war lange und beschwerlich.

Von: Achim Günter

Der heute 59-jährige Daniel Stämpfli wuchs als Sohn eines Versicherungsvertreters in Bellach auf, zusammen mit einer zwei Jahre älteren Schwester und einem eineiigen Zwillingsbruder. Schon immer spielte Sport eine zentrale Rolle in seinem Leben. Sein Vater förderte die Kinder früh. Zuerst fuhr Daniel Stämpfli ambitioniert Skirennen, traf dabei etwa auf Franz Heinzer oder Hans Pieren. Später wechselte er zum Laufsport. Er feierte als ehrgeiziger Mittel- und Langstreckler Erfolge. Nach absolvierter Lehre trat er bald eine Stelle im Aussendienst an. Stämpfli verkaufte chemische Spezialprodukte im Grosshandel. Am Abend des 6. August 1986 verunfallte er im Kanton Bern mit seinem Auto und erlitt dabei ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Das Leben des 23-Jährigen veränderte sich schlagartig.

 

«Vom Unfall weiss ich noch heute nichts. Aufgrund von Akteneinsicht und Erzählungen ist mir ein bisschen was geläufig. Aber Erinnerungen habe ich keine. Der Unfall selbst ist mir ein Rätsel. Ich weiss auch nicht, wieso ich damals überhaupt dort unterwegs war. Ich möchte gar nicht gross darauf eingehen. Einerseits weiss ich nichts über den Unfall, andererseits hat er das ganze damalige Leben kaputt gemacht.

Ich fiel auf der Stelle ins Koma – und wachte erst nach einer Woche wieder auf. Danach wurde ich zwar immer wacher, funktionierte aber nicht. Offenbar erhielt ich zu jener Zeit oft Besuch, eine Erinnerung daran habe ich aber nicht. Mein Bewusstsein war noch enorm schläfrig, ich war unheimlich müde. Irgendwann realisierte ich, dass ich in einem Spital lag. Sensorik und Motorik im Gehirn waren wie bei einem Neugeborenen zwar vorhanden, funktionierten aber nicht. Zudem war ich am Rücken verletzt, und die rechte Schulter musste ich anderthalb Jahre physiotherapeutisch behandeln lassen. Ich hatte einen Sehnenriss und eine Absplitterung erlitten.

Zuerst wurde ich im Inselspital in Bern behandelt. Davon weiss ich gar nichts. Die Erinnerung setzt erst im Bürgerspital Solothurn wieder ein. Beim Transport von Bern nach Solothurn muss ich aber bereits wach gewesen sein. Im Bürgerspital verblieb ich etwa drei Wochen zur stationären Behandlung, danach begann die ambulante. Ich musste wieder gehen und sprechen lernen, hatte Ergotherapie, Logopädie und natürlich auch Physiotherapie. Ich erholte mich zum Glück rasch. Zugute kam mir, dass ich zuvor viel Sport getrieben hatte. Und die Fortschritte hängen davon ab, welchen Willen man zeigt. Ein Sportler erholt sich schneller von einem solchen Schicksalsschlag.

Schon drei Monate nach meinem schweren Unfall wollte ich wieder aktiv sein. Ich stellte eine günstige Chauffeuse an und nahm meine Arbeit im Aussendienst wieder auf. Autofahren durfte ich nicht. Das ging eine Woche lang gut – dann kam der Absturz. Ich wohnte damals mit meiner Freundin zusammen. Diese Beziehung zerbrach, nachdem ich einen Suizidversuch unternommen hatte. Ich hatte einen Abschiedsbrief verfasst; sie fand mich abends bewusstlos. Die Belastung wurde für sie zu gross. Auch meine Familie war mit meinem Schicksal völlig überfordert. Eltern und Geschwister konnten nicht damit umgehen, dass ich die vorherige Leistung nicht mehr bringen konnte. Zu mir hielten noch ein, zwei Personen aus der Zeit vor dem Unfall. Ein solcher Unfall verändert das Leben, eine Hirnverletzung verändert das Wesen des Menschen.

Bei mir verlief die Entwicklung wie an der Börse: Es ging aufwärts, ehe ein schwerer Absturz folgte. Dann ging es wieder aufwärts – bis zum nächsten Absturz. Energie und Lebensmut waren weg, ich war immer müde, hatte starke Kopfschmerzen und grosse Konzentrationsschwierigkeiten. Ein Jahr, vielleicht anderthalb, ging das so. Nach einem Absturz musste ich jeweils warten, ehe ich die Arbeit wieder aufnehmen konnte. Eines Morgens kam ich gar nicht mehr aus dem Bett. Da verlor ich alles, restlos. Nach einer Hospitalisation in einer Privatklinik wurde ich obdachlos und kam in einer Auffangstation unter. Unterstützt wurde ich in jener Zeit von der Familienberatungsstelle. Fragile Suisse, die Vereinigung hirnverletzter Menschen, wurde erst 1990 gegründet.

Mit meinem Schicksal haderte ich sehr stark. Teilweise tue ich das heute noch, wahrscheinlich werde ich das bis an mein Ende tun. Ich bin froh, kann ich mich jetzt um Projekte kümmern. Die fordern mich, aus denen schöpfe ich Kraft. Ich brauche Herausforderungen. Jetzt, mehr als 36 Jahre nach dem Unfall, werde ich immer noch wacher. Heute bin ich zum Beispiel wacher als vor zwei Jahren. Aber die grosse Müdigkeit ist noch immer da. Wenn ich mich bei etwas verausgabe, ist der Tag anschliessend gelaufen.

Nach zwei Selbstmordversuchen fasste ich langsam wieder Fuss, belegte ein Intensiv-Praktikum in Magglingen als Sportbetreuer und ein Fortbildungsseminar in Nottwil. Ab 1991 konnte ich ein Jahr lang beim FC Solothurn arbeiten. Als Dauermieter konnte ich zuerst günstig in einem Hotelzimmer wohnen, später fand ich eine kleine Wohnung. Auch in einem Programm der IV arbeitete ich. Eine Rente wurde mir erst nach Jahren zugesprochen.

Am Silvesterabend 1990 lernte ich meine spätere Frau kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Seit jenem Silvesterabend sind wir zusammen. Sie ist die liebste Frau, die man sich vorstellen kann. Ihr ging es damals ebenfalls nicht gut. Bei ihr wurde zuerst fälschlicherweise eine Blutkrankheit diagnostiziert. Sie war wie ich psychisch stark angeschlagen. Es wurde zu meiner Lebensaufgabe, ihr zu helfen.»

 

Daniel Stämpfli heiratete 1993 und wurde danach zweifacher Vater. Heute wohnt er mit seiner Frau in Egerkingen und hat zwei erwachsene Kinder. Er ist Frührentner, leitet ehrenamtlich Nordic-Walking-Gruppen bei Fragile Suisse in Aarau und Olten. Üblicherweise jeden zweiten Donnerstag führt er eine Gruppe hirnverletzter Menschen ab dem Kleinholz zu Therapiezwecken durch die Natur. Er beschäftigt sich intensiv mit Hirnforschung, hat sogar einen persönlich gefärbten Vortrag über das menschliche Gehirn und Hirnverletzungen geschrieben. Den möchte er gerne demnächst vor möglichst vielen interessierten Gruppen halten. Auch beabsichtigt er, einen Solidaritätslauf für die Stiftung Fragile Suisse zu organisieren. Im kommenden April wird Stämpfli 60 Jahre alt. Kontakte mit seinem Bruder und seiner Mutter pflegt er seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Beziehung zu seinem Vater nahm er vor zwei Jahren wieder auf, nachdem er von dessen Hirninfarkt erfahren hatte. Berührt vom Schicksal seines Vaters, der wie er eine Hirnverletzung erlitten hat, besucht er seinen Vater regelmässig, um mit ihm therapeutisch zu arbeiten und seine Erkenntnisse und eigenen Erfahrungen weiterzugeben.

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