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18.01.2023

«Total zugedröhnte junge Mädchen»

...und gut 50 Jahre später, Anfang 2023. (Bild: Achim Günter)
Herwig Prunner Anfang der 1970er-Jahre... (Bild: ZVG)

...und gut 50 Jahre später, Anfang 2023. (Bild: Achim Günter)

...und gut 50 Jahre später, Anfang 2023. (Bild: Achim Günter)
Herwig Prunner Anfang der 1970er-Jahre... (Bild: ZVG)

Herwig Prunner Anfang der 1970er-Jahre... (Bild: ZVG)

Unvergessen Er war in den letzten beiden Betriebsjahren zu Beginn der 70er-Jahre Teil des Teams im legendären Oltner Pop Pot Club: Herwig Prunner. Aus dem umtriebigen, aber wenig angepassten Teenager wurde später ein erfolgreicher Finanzbuchhalter eines Pharmakonzerns.

Von: Achim Günter

Herwig «Köck» Prunner wurde 1955 in Kärnten geboren und wuchs die ersten sechs Jahre bei seiner Grossmutter in Villach auf. Seine Mutter holte den Jungen ein Jahr nach dessen Einschulung ab und brachte ihn zu sich nach Olten, wo sie inzwischen geheiratet hatte. Herwig Prunner lebte fortan im Hause Köck, zusammen mit seiner Mutter, seinem Stiefvater und einem jüngeren Stiefbruder. Seither trägt er den Übernamen «Köck». In seiner ganzen Jugendzeit bemühte sich «Köck» um Zusatzeinnahmen. Das elterliche Sackgeld war ihm nicht genug, er wollte sich mehr als andere leisten können. Schon vor seinem zehnten Lebensjahr putzte er Schuhe und verdiente sich so etwas dazu. Später sammelte er Altpapier oder packte in den Schulferien in der «Sunlight» Zahnpastatuben ein. Prunner war kein Kind von Traurigkeit. Er verdiente sich zum Beispiel auch mal ein Töffli oder ein besseres Velo durch den Verkauf von Kondomen auf dem Schulhof. Und Anfang der 1970er-Jahre schrieb er mit am letzten Kapitel des Pop Pot Clubs Olten.

 

«Am Kiosk der berühmten Frau Stähli, im Bifang, zündete ich mir eines Tages eine Zigarette an. Dort kam ich ins Gespräch mit Beat Roth. Anschliessend spazierten wir gemeinsam nach Hause. Da fragte er mich: ‹Suchst du einen Job?› Ich antwortete: ‹Ich bin immer auf der Suche nach einem Job.› Er erklärte mir, dass er im Pop Pot Club an der Kasse arbeite und an der Bar Getränke ausschenke: Coca-Cola, Fanta, Sprite. Alkohol gab es keinen. Der Einsatz war immer am Freitag- und Samstagabend und am Sonntagnachmittag. Wir schauten uns den Laden mal gemeinsam an, und wenn ich mich richtig erinnere, arbeitete ich bereits am darauffolgenden Wochenende ein erstes Mal dort. Das dürfte 1970, vielleicht auch erst 1971 gewesen sein. ich war die letzten beiden Jahre mit dabei, bis zur Schliessung des Clubs.

Ich lernte im Club den Diskjockey René Steiner und die drei Eigentümer kennen. Die hiessen Pierre Haesler, Ruedi Schibler und Erwin Zimmerli. Allesamt waren junge Burschen, Studenten, wohl alle aus besserem Hause. Jedenfalls fuhren sie damals immer mit schnittigen Autos vor. Präsent waren sie im Club allerdings fast nie. Einer von ihnen kreuzte jeweils nachts um halb zwei auf und holte die Einnahmen des Abends ab. Der Chef vor Ort war René Steiner. Als DJ, aber auch sonst. Wenn beispielsweise an der Kasse jemand nicht bezahlen wollte oder stockbesoffen war, reichte es meist, wenn René mit seiner 2-Meter-Erscheinung auftrat.

Der Pop Pot Club war in zwei riesigen Räumen im früheren Bierdepot der Brauerei Feldschlösschen im Winkel zwischen Bahnhofsstrasse und Unterführungsstrasse angesiedelt. Die beiden schlauchartigen Räume waren miteinander verbunden. Im ersten Raum befanden sich die Kasse, die Bar und einige Tische. Im anderen Raum war die Diskothek. Neben dem DJ-Pult war die Einrichtung sehr spärlich. Tische gab es keine.

Die Kasse schlossen wir jeweils nach Mitternacht. Anschliessend kamen noch weitere Gäste, die nicht bezahlen konnten oder wollten. Um zwei Uhr morgens war dann Schluss. Manchmal haben wir gleich im Anschluss das Lokal geputzt, manchmal auch erst am nächsten Tag vor der Wiedereröffnung. Verdient habe ich fünf Franken pro Stunde. Das war gut bezahlte Arbeit. Immer wenn einer der drei Betreiber die Tageseinnahmen abholen kam, erhielten wir unsere Stundenlöhne bar auf die Hand. Ich war damals in der Lehre bei Gasser Textilgrosshandel und konnte mir durch den Zusatzverdienst mehr leisten als meine Kollegen.

Meine Eltern waren anfänglich nicht begeistert von meiner Arbeit im Pop Pot Club. Aber wenn der Sohn schon selber Geld verdienen wollte, hielten sie mich auch nicht davon ab. Sackgeld erhielt ich keines mehr. Die Eltern sagten, solange ich rauche, gebe es kein Sackgeld. Mir gefiel der Job im Club. Es lief etwas, es kamen immer viele Leute. Wobei ich die meisten gar nicht kannte. Ich war zu Beginn erst 16. Die meisten Kunden waren 18- oder 20-jährig. Manche kamen sogar aus Zürich oder Basel. Mit dem verdienten Geld leistete ich mir zum Beispiel ein 2-Gang-Sachs-Moped. Nach drei Wochen war das allerdings wieder weg. Ein Kollege hatte es frisiert. Ein anderer Kollege lehnte es aus und raste mit ihm mit über 60 Stundenkilometern in Richtung Aarburg. Eine Polizeipatrouille wurde auf ihn aufmerksam. Als Besitzer des Mofas musste ich antraben und den Motor abschrauben. Das Mofa wurde eingezogen.

Aufregend war es immer, wenn am frühen Abend bei Schichtbeginn Bands eintrafen. Wir mussten helfen beim Runtertragen der Instrumente und beim Einrichten der Bühne. Wobei das damals noch keine Grössen waren. Manche wurden es später. Aber damals waren es für uns einfach Musiker. Bei diesen seltenen Anlässen waren auch die drei Eigentümer jeweils da. Sonst sahen wir die nie. Vom DJ wurde oft Pink Floyd, Jimi Hendrix, Janis Joplin aufgelegt, auch mal Rolling Stones, vor allem aber Heavy Metal.

Einmal besuchten uns auch die Hells Angels – ohne Eintritt zu bezahlen, und von uns hat sich verständlicherweise niemand gewehrt. Sie kamen in den Club rein, schubsten die Leute ein wenig herum, verhielten sich aber ansonsten ruhig. Sie kamen zu mir an die Bar und verlangten ein Bier. Ich zeigte auf meine drei Zapfhähne und sagte, dass es nichts anderes gebe. Sie zogen schnell wieder ab und gingen weiter in den ‹Hammer›, wo sie in jener Nacht eine grosse Schlägerei anzettelten. Ansonsten gab es keine Schwierigkeiten. Auch die Polizei kreuzte nie im Club auf.

Das Ende des Clubs kam ganz plötzlich. Die Hintergründe kenne ich nicht. Aber ein Zusammenhang mit dem Drogenmissbrauch liegt auf jeden Fall nahe. Das Drogenelend hatte mit dem stadtbekannten Gerry Studer begonnen. Er brachte Stoff mit und verkaufte diesen im Umfeld des Clubs. Es wurde immer mehr. Einmal pro Abend tauchte er im Club auf, positionierte sich in der Nähe des Durchgangs, tätschelte sich mit der rechten Hand zweimal kurz auf die Brusttasche, und dann standen zehn, fünfzehn Leute auf und gingen an ihm vorbei nach draussen, als würden sie ihn nicht kennen. Kurz darauf war auch er verschwunden. Als er seinen Stoff verkauft hatte, ging er jeweils hinüber zum ‹Hammer›. Und die Leute, die gerade eben Drogen gekauft hatten von Gerry Studer, kamen einer nach dem anderen wieder rein.

Im Club wurde ausser Zigaretten nichts geraucht. Wenn mal jemand versuchte, einen Joint zu drehen oder gar zu rauchen, trat René Steiner, der allerdings nicht bis zum Ende als DJ dabei war, auf den Plan und spedierte diese Gäste nach draussen. Ging man abends um 11 Uhr in den Innenhof, sah man dort reihenweise junge Leute, die einen Joint rauchten. Und früher oder später stiegen einige von denen um auf härtere Drogen. All jene damaligen Konsumenten verschoben sich nach der Schliessung des Pop Pot Clubs in den ‹Hammer›, dort gab es eine eigentliche Drogenmeile zu jener Zeit.

Gegen Ende der Zeit im Pop Pot Club trafen wir immer häufiger total zugedröhnte junge Mädchen im Umfeld des Clubs an. Als wir uns nachts um zwei Uhr auf den Heimweg machen wollten, fanden wir mehr als einmal im dunklen Hinterhof in einer Ecke ein heulendes Mädchen, das sich nicht nach Hause getraute – vollgepumpt mit Drogen und womöglich auch sexuell missbraucht. Das ist die tragische Seite meiner ansonsten aufregenden und abwechslungsreichen Zeit im Pop Pot Club.»

 

Nach erfolgreicher Beendigung der KV-Lehre arbeitete Prunner ein Jahr im Schweizer Buchzentrum in der Informatik, finanzierte seinen Lebensunterhalt eine Zeitlang aber auch mit Pokern. Zu jener Zeit begann er, jeden Abend das Lokal Scharfer Ecken in Rothrist zu besuchen. Das behielt er drei, vier Jahre lang bei. Unzufrieden mit dessen Lebenswandel, schmiss die Mutter ihren Sohn 1974 aus der Wohnung. «Mit 19 stand ich auf der Strasse, mit einem Koffer voll Kleider und einer Fünfzig-Franken-Note in der Tasche. Ich mietete eine Wohnung in Olten. Die ersten drei Wochen schlief ich auf einer alten Wolldecke eines Kollegen. Die Wohnung war leer, kein Bett, kein Stuhl, nichts.»

Durch die Vermittlung eines Bekannten nahm Prunner einige Wochen später bei einer Bank in Langenthal einen Kredit über 8000 Franken auf und konnte sich damit zumindest die Wohnung möblieren. In der Folge arbeitete er während elf Jahren in der Buchhaltung und in der Informatik bei der ehemaligen Schuhfabrik Hug in Dulliken, ehe er zur Siegfried AG in Zofingen wechselte. Beim Pharmakonzern war er 32 Jahre lang als Softwareentwickler und dann lange in der Finanzabteilung als Controller tätig. 1980 heiratete Prunner, 1982 kam eine Tochter zur Welt. Seit fünf Jahren ist Prunner pensioniert. In dieser Woche feiert er seinen 68. Geburtstag. Seine Jugenderinnerungen hat er in einem 15 Episoden umfassenden Buch niedergeschrieben.

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