Im Gespräch
02.12.2020

Ein Lebensprojekt im Grünen

Michael Burkert musste sich zuerst an die Abgeschiedenheit und die Ruhe rund um den Gasthof «EBERG» auf dem Engelberg ob Dulliken gewöhnen, könnte sich nun aber nichts Schöneres mehr vorstellen. (Bild: Denise Donatsch)

Michael Burkert musste sich zuerst an die Abgeschiedenheit und die Ruhe rund um den Gasthof «EBERG» auf dem Engelberg ob Dulliken gewöhnen, könnte sich nun aber nichts Schöneres mehr vorstellen. (Bild: Denise Donatsch)

Michael Burkert ist studierter Wasserwirtschaftsingenieur, doch seine Berufung hat er in einem ganz anderen Bereich gefunden. Seit 2018 führt er, gemeinsam mit seiner Frau, den Brunch- und Eventgasthof «EBERG» auf dem Engelberg ob Dulliken und fungiert dort als Wirt, Koch, Haus- und Hofmeister.

Von: Denise Donatsch

Schon von Weitem ist die hübsche Weihnachtsdekoration ganz oben auf dem Engelberg zu ­sehen, die den Weg zum «EBERG» weisst, der umgeben ist von nichts als Feldern und Wald. Empfangen wurde ich von Michael Burkert und ­seiner hübschen Labrador-Border-­Collie-Hündin, die mich schwanz­wedelnd begrüsste und unbedingt ­gestreichelt werden wollte. «Im Winter nutzen wir die Gaststube als zusätz­lichen Wohnraum, da unsere Wohnung im Obergeschoss relativ klein ist», ­bemerkte der junge Mann, der bald seinen 32. Geburtstag feiert. Anhand der Kinderspielsachen im Raum war unschwer zu erkennen: Hier lebt eine ganze Familie.

Ein begabter Handwerker

«Mein Vater ist Lehrer an der Rudolf-Steiner-Schule und meine Mutter Montessori-Erzieherin», begann Burkert zu erzählen. Der gebürtige Deutsche, der mit zwei Schwestern in Dachau bei München aufwuchs, verbrachte seine Schulzeit dann auch an der handwerks- und kunstbezogenen Waldorfschule, was er sehr geschätzt habe, genauso wie die pädagogische Idee, die Kinder zur Selbstdisziplin zu erziehen. Aber nicht nur das ist ihm in guter Erinnerung geblieben, sondern auch die innige Klassengemeinschaft sowie die vielen verschiedenen Veranstaltungen an der Schule, welche die Schüler stets aktiv mitorganisierten. Zu Hause in der ehemaligen Werkstatt seines Opas habe er in seiner Jugend Stunden herumge- werkelt und war darin schon bald dermassen geschickt, dass ihn sogar sein Vater ab und zu um Rat fragte, wenn es darum ging, etwas herzustellen oder am Haus zu sanieren.

Studium versus Lehre

Für Burkert war schon als Jugendlicher klar, dass er nach der Schule studieren wollte, so wie dies bei fast allen seiner Klassenkameraden der Fall war. Was genau wusste er zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht, aber dass es ein Studium sein sollte, darüber war er sich sicher. «Heute sehe ich das etwas anders», so der zweifache Vater, der rückblickend einen etwas anderen Weg wählen würde. «Heute würde ich vor einem Studium eine Lehre machen, etwas Handfestes.» Ein Studium sei halt schon sehr theoretisch, so der junge Wirt. Damals habe er sich aus Faszination für das Element Wasser für das Studium zum Wasserwirtschaftsingenieur entschieden, nachdem er erfreut festgestellt hatte, dass es so einen Studiengang überhaupt gibt. Gänzlich hinter sich gelassen habe er seinen alten Beruf dann aber doch nicht, denn würde sich die Gelegenheit ergeben, dass er sich nebenberuflich für die Revitalisierung von Gewässern einsetzen könnte, dann wäre ihm das schon eine Überlegung wert, so Burkert, der sich der Natur sehr verbunden fühlt. Garantieren, dass die Tierwelt und die Natur sich in einem revitalisierten Gebiet auch tatsächlich richtig erholen würde, könne man aber leider nicht.

Für die Liebe in die Schweiz

2011, mitten vor der Bühne eines Musikfestivals in Budapest, wurde er von einer jungen Frau mit den Worten «bisch ä huärä geile Siech» angesprochen. Die Sympathie traf auf Gegenseitigkeit und nachdem sie sich noch ein paarmal vor jener Bühne über den Weg gelaufen ­waren, war der Funke definitiv über-gesprungen. «Die ersten drei Jahre ­führten wir eine Fernbeziehung, da ich noch mitten im Studium steckte», so Burkert. Dies sei aber nie ein grösseres Problem gewesen, da sie beide eine ­Perspektive gehabt hätten. «Für uns war immer klar», ergänzt er, «dass wir ­unsere Zukunft gemeinsam in Deutschland oder in der Schweiz verbringen werden – mit dieser Aussicht war die Distanz gut aushaltbar.» Die Entscheidung, dass ihre Zukunft in der Schweiz liegen würde, fiel schliesslich aufgrund der bereits be­stehenden Anstellung seiner Frau. «Nach Abschluss meines Studiums im Jahr 2014 habe ich mich deshalb in der Schweiz als Ingenieur beworben und bereits nach dem ersten Vorstellungsgespräch hatte ich eine Jobzusage in der Tasche.»

Der Engelberg ruft

2016 konnte sich das junge Paar entscheiden, den Gasthof von Burkerts heutigen Schwiegereltern zu übernehmen. Sie wollten es gemeinsam anpacken und die Freude auf die Lebensumstellung war gross. «Zuerst musste ich mich an die Abgeschiedenheit und die Ruhe gewöhnen, aber jetzt könnte ich mir nichts Schöneres mehr vorstellen», so Burkert, der es liebt, dass sein Zuhause nun gleichzeitig sein Arbeitsplatz ist und er hier oben auch die Möglichkeit hat, seiner Leidenschaft für das Schreinern nachzugehen. Der junge Wirt und seine Frau schafften es auch, kreativ auf die Corona Krise zu reagieren, und bereiten aktuell für ihre Gäste im Aussenbereich herzhafte Suppen oder Eintöpfe aus dem Kessel über dem Feuer zu. «Wir zählen hier keine Stunden, der Tag beginnt am Morgen und endet dann, wenn er endet.» Wohin genau die Reise gehen soll mit dem Eventgasthof «EBERG» wolle die junge Familie noch heraus-finden. Klar sei aber, dass dieser Betrieb für sie ein Lebensprojekt darstelle, in dem Träume und Ziele steckten. Obwohl sie sich noch ganz am Anfang ihres Weges befänden, sei ihnen seit Beginn klar, dass sie mit ihrem Projekt einen nachhaltigen Mehrwert für die Bevölkerung, die Umwelt und auch ganz persönlich für die Familie schaffen wollen. Wohin die Reise aber genau führen werde, sei noch offen.

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