Im Gespräch
16.12.2020

Kein Fan des Leistungsprimats

Simon Gomm in seiner Lieblingsbar bei einem Feierabendbier. (Bild: Denise Donatsch)

Simon Gomm in seiner Lieblingsbar bei einem Feierabendbier. (Bild: Denise Donatsch)

Simon Gomm Der 30-jährige Simon Gomm empfing mich an seinem Arbeitsplatz in der Dreitannenbier-Brauerei in der Galicia Bar. Auf dem Weg in die Bar bot er mir das «Du» an und dort angekommen, bestellte er sich ein Bier.

Von: Denise Donatsch

Der grossflächig bunt tätowierte Arm des eingefleischten Oltners sticht sofort ins Auge, sein ruhiges Gemüt wirft diesbezüglich beinahe einen Kontrast. Auf seiner Jacke ist das Firmenlogo seines Arbeitsplatzes in der Dreitannenbierbrauerei zu sehen und obwohl sich der junge Mann, der bereits dreifacher Vater ist, mit seiner Tätigkeit als Brauer in hohem Masse zu identifizieren scheint, hat er noch einige weitere Betätigungsfelder in seinem Leben, denen er sich innig widmet.

Ein «verchillter» Schüler

«Ich bin in Olten geboren, in Olten aufgewachsen und in Olten geblieben», bemerkt Simon Gomm gleich zu Beginn des Gesprächs. Seine Eltern hätten in einer Genossenschaftswohnung an der Klarastrasse gewohnt und sind danach in ein Haus an der Oberen Hardegg gezogen. Dort habe er dann auch seine ganze Kindheit verbracht. An seine Primarschulzeit im Bifangschulhaus habe er eigentlich keine schlechten Erinnerungen, so Gomm, bemerkt aber gleich darauf verschmitzt: «Irgendetwas hat mich zwar immer ein bisschen angeschissen.» Insbesondere mit der Einführung des numerischen Benotungssystems habe er so seine Mühe gehabt. «Ich musste mich plötzlich darauf einstellen, dass nun Zahlen über meine Leistung bestimmen», und das obwohl er überhaupt kein Fan des Leistungsprimats sei. «Ich habe meine Schulzeit zu einem grossen Teil «verchillt» und meinen Spielraum immer ausgereizt», so Gomm, der damit sagen will, dass er nur dann lernte, wenn er wirklich nicht mehr darum herumkam. «Fleissig und interessiert war ich nur in den sogenannt irrelevanten Sachen.» Dies sei auch der Grund gewesen, warum er beinahe aus der Kantonsschule geflogen wäre, schlussendlich habe er es dann aber doch bis zur Matura geschafft.

Wenn nachts das Licht an der ETH noch brennt

Danach ging es im Jahr 2011 auf seine erste grosse Reise. Gemeinsam mit seinen Eltern reiste er nach Kalifornien. Als diese wieder abreisten, habe er sich entschlossen, noch etwas zu bleiben, um Toronto und schliesslich das, zumindest damals, sehr lebensfrohe Kuba zu bereisen. Danach habe er angefangen zu studieren, so der junge Mann. «Ich begann an der ETH Zürich mit dem Architekturstudium, war aber nach eineinhalb Jahren bereits komplett am Anschlag», erinnert sich Gomm. Er sei völlig überarbeitet gewesen, denn er habe nächtelang an Projekten geschuftet – wie das dort so üblich sei –, nur um anschliessend vom Dozenten zu hören, dass seine Arbeiten unbrauchbar seien. «Egal zu welcher Nachtzeit man an der ETH vorbeigeht, irgendwo brennt immer ein Licht – und zwar im Projektraum der Architekten.» An der ETH werde man nicht einfach zum Architekten ausgebildet, so Gomm, sondern zum Stararchitekten. Das Ziel der ETH sei definitiv nicht, dass die Absolventen eines Tages in einem Büro sitzen, um 08/15-Bauten zu planen. Wer das nicht bewältigen kann, fliege raus, bemerkt der junge Mann. Deshalb habe er sich schliesslich entschieden, das Studium zu beenden und einen anderen Weg einzuschlagen. Nach Einsätzen im Zivildienst und einigen Aushilfsjobs gelangte Gomm über die Uni Bern zur akademischen Ausbildung zurück und absolviert gerade die Ausbildung zum Lehrer Sek I an der PH Bern, was ein mögliches Berufsziel sein könnte, jedoch nicht das einzige.

Eine «Megafernbeziehung»

«Bevor ich Vater wurde, bin ich sehr viel mit meinen Freunden herumgereist.» Auf einer dieser Reisen habe er seine Frau kennengelernt, so der junge Vater. Getroffen hätten sie sich im Sommer 2014 in Japan, in die Schweiz gezogen sei seine Frau aber erst im Jahr 2016. «Das war eine sehr anstrengende Zeit, da wir eine «Megafernbeziehung» geführt haben.» Während dieser herausfordernden Zeit habe er dann auch ein halbes Jahr in Japan gelebt, so Gomm. Im Jahr 2016 sei er zum ersten Mal Vater geworden, 2018 und 2020 seien das zweite und das dritte Kind zur Welt gekommen, so der dreifache Vater. Es sei manchmal ganz schön anstrengend, alles nebeneinander vorbeizubringen, viel Freizeit bleibe ihm jedenfalls nicht.

Die Politik wurde ihm in die Wiege gelegt

Neben seiner Familie und seiner Ausbildung investiert Simon Gomm seine Energie auch in die Politik und in das Bierbrauen. Zum Bierbrauen sei er eher zufällig gekommen, so Gomm. Er habe eine Erwerbstätigkeit gesucht und ihm habe sich die Chance geboten als Brauer beim Dreitannenbier zu arbeiten. «Es ist für mich eine absolut wünschenswerte und auch denkbare Option, mich noch stärker in dieser Arbeit zu engagieren, auch mit der Aussicht, dass der Betrieb in Zukunft wachsen könnte.» Was die Politik betrifft, so sei sie ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Schon sein Grossvater war Kantonsrat und Gemeindepräsident in Trimbach und sein Vater wirkte viele Jahre für die SP im Regierungsrat des Kantons Solothurn. «Für mich war es völlig normal, dass mein Vater vor versammelter Menge Reden hielt und in der Öffentlichkeit stand.» Aber auch seine Mutter sei eine politische Person und durch die tägliche Konfrontation mit politischen Themen habe er sich ebenfalls seine Gedanken zu diesem Thema gemacht. Politisch aktiv sei er aber dennoch relativ lange nicht gewesen. «Was mich schlussendlich wirklich politisiert hat, war die Beinahe-Auflösung des Provisoriums 8.» Er habe einfach nicht gewollt, so Gomm, dass dieses Jugendkulturhaus verloren ginge. 2017 liess er sich dann – für die junge SP für die Kantonsratswahlen, die Stadtratswahlen und die Gemeinderatswahlen aufstellen und wurde ins erste und letzte Amt auch gewählt. Seither beteilige er sich aktiv am politischen Geschehen und möchte dies auch weiterhin gerne tun.

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