Im Gespräch
22.12.2020

Vom Paradies und anderen Geschichten

Werner Nydegger hat als umtriebiger Schaffer sechs Bücher innerhalb von einem Jahr im eigenen Verlag Kobold-Books publiziert. (Bild: Isabelle Bitterli)

Werner Nydegger hat als umtriebiger Schaffer sechs Bücher innerhalb von einem Jahr im eigenen Verlag Kobold-Books publiziert. (Bild: Isabelle Bitterli)

Werner Nydegger Mit «Willi Barth» hat der Oltner Kunstschaffende seinen ersten Roman veröffentlicht. Dabei handelt es sich um das sechste Buch, welches das umtriebige Verlegerpaar Isabelle Bitterli und Werner Nydegger in diesem Jahr publiziert hat.

Von: Mirjam Wetzstein

Nächstes Jahr sei es genau 50 Jahre her, seit 1971 sein erster Cartoon erschienen sei, erzählt Werner Nydegger während er durchs Sitzungszimmer tigert. Auch mit 75 Jahren ist der Oltner kaum ruhiger geworden. Nun ist Nydegger vor einigen Jahren mit der einstigen Werbefachfrau und Oltner Gastronomin Isabelle Bitterli auf einen ebenso ruhelosen wie anpackenden Tüftlergeist gestossen. Deshalb erstaunt es nicht, dass das umtriebige Duo zu Beginn des Jahres mit Kobold Books ihren eigenen Verlag gegründet hat, bei welchem nun bereits sechs Bücher der beiden erschienen sind.

Eine hanebüchene, himmeltraurige Liebeshorror-Geschichte

Nydeggers neuster Streich ist das Buch «Willi Barth», eine gemäss eigener Aussage «hanebüchene, himmeltraurige, herzergreifende Liebeshorror-Geschichte», an welcher der 75-Jährige während rund vier Jahren gearbeitet hat. Darin erzählt Fürsprecher, Notar und Stadtpräsident Linus Wartmann die Geschichte des 12-jährigen Willi Barth, der seine Eltern bei einem Unfall verliert und dabei nicht gerade unglücklich ist, dass ihm nun die Welt offen steht und er zukünftig lernen darf, was er möchte. Neben sieben Stammtischbrüdern begegnet Barth einer Frau und arbeitet später als 18-Jähriger bei einem Arzt, dessen Gut er schliesslich erbt. Mit viel Fantasie erschafft er dort sein eigenes Paradies. Doch was ist das Paradies?

Vielseitiger Schaffer

Nydegger hat einst die Kunstgewerbeschule Basel besucht und nach Beendigung sein eigenes Grafik-Atelier in Olten eröffnet. Den Durchbruch schaffte er mit seinen satirischen Cartoons und Illustrationen, welche er während 25 Jahren in den namhaftesten Zeitungen, Zeitschriften und Magazinen im In- und Ausland veröffentlichte. Neben der Anfertigung von Drei-Dimensionalen-Cartoons und dem Sammeln von Antiquitäten begann der Oltner schliesslich Möbel zu designen und ab 2003 mit der Einrichtung von Geschäfts- und Wohnhäusern. Dabei geht Nydeggers vielseitigem Schaffen nicht selten ein persönliches Bedürfnis voraus, das ihn zu Tüfteleien mit den unterschiedlichsten Materialien anregt. So entstanden beispielsweise ein drehbarer Tisch oder ein riesiger Schiebetürenschrank mit den verschiedensten Fächern, um auch bei kleinen Arbeitsmaterialien Ordnung zu haben. Zudem begann der Kunstschaffende neben seiner langjährigen Faszination von Asiatika und dem Sammeln von asiatischer Kunst, im 2009 mit dem Studium der chinesischen und japanischen Schrift und fertigte Tuschbilder an.

Von Kurzgeschichten zum Roman

In seinem Schaffen ist Nydegger unermüdlich und perfektionistisch und dies teilweise nächtelang. «Schlafen kann ich noch, wenn ich Tod bin», meint er trocken. Noch immer locken ihn neue Arbeitsgebiete, denen er sich über Jahre bis zur Perfektion widmet, um sie danach für ein neues Arbeitsfeld zur Seite zu schieben. «Ich bin ein Gwunderfitz», meint Nydegger achselzuckend auf die Frage, wie er denn nun zum Bücherschreiben gekommen sei. «Ich habe jahrelang Cartoons gezeichnet. Dies bedeutet eine Anhäufung einer Geschichte und die Spitze ist schliesslich der Cartoon. Bei der Durchsicht alter Arbeiten war es mir deshalb ein Anliegen, diese in Worte zu fassen und so die ganze Geschichte zu erzählen», erklärt Nydegger, der nun zu Beginn des Jahres das Buch «Turmfrisuren im Affentheater» mit schrägen Kurzgeschichten und Cartoons publiziert hat. Doch hingegen ein ganzes Buch mit der Geschichte wie der von Willi Barth zu schreiben, die Nydegger bereits längere Zeit im Kopf herumgeisterte, sei nochmals eine ganz andere Sache gewesen. «Ich habe mit einem ersten Entwurf begonnen, diesen aber schliesslich wieder verworfen», erzählt der Autor von der «Zangengeburt» des ersten Buches. Erst das Redigieren durch seinen einstigen Weggefährten Peter Baumann, mit dem Nydegger 1978 den Verlag «Edition Cartoon & Comics» gegründet hat, kam schliesslich der stimmige Abschluss. «Er kennt meine Gedankengänge und verstand es hie und da wichtige Akzente zu setzen, die schliesslich zur Fertigstellung verhalfen.

Alte Arbeit in neuem Gewand

Doch damit nicht genug hat Nydegger mit einer 20 Jahre alten Arbeit, einem Kalender mit seinen bekannten Wimmelbildern, die er damals im Auftrag der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) gezeichnet hat, ein neues Buch gefertigt. «Ich wollte die Bilder wieder verwenden», so Nydegger, der betont, dass ihn das was war, eigentlich nicht mehr interessiert. «Ich fand es jedoch spannend, dass die Bilder nichts an ihrer Aktualität verloren hatten, im Gegenteil», so der Oltner und erwähnt die Skihalle, die er damals gezeichnet habe, lange bevor es die erste überhaupt gab. «Alles was machbar ist, wird der Mensch versuchen umzusetzen, deshalb brauche ich keine hellseherischen Fähigkeiten, sondern muss mir lediglich überlegen, was der Mensch noch anpacken möchte. Diese Haltung des Menschen ist so gut, wie sie schlecht ist», so Nydegger achselzuckend. Seine Lebenspartnerin Isabelle Bitterli hat die Bilder durch Geschichten und Verse ergänzt. Vor 40 Jahren hat Nydegger zudem für die Mobiliar Versicherungen ein Wimmel-Poster gefertigt. Dieses hat er nun in verschiedenen Ausschnitten in einem Buch abgebildet und mit gemäss seiner Aussage «trümligen Geschichten» versehen. «Man muss Gas geben, wenn man mit einem Projekt vorwärts kommen möchte», stellt Nydegger klar.

Werner Nydegger
Willi Barth - eine hanebüchene, himmeltraurige, herzergreifende Liebeshorror-Geschichte
ISBN 978-3-9535235-2-0
Kobold Books

www.kobold-books.ch

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