Im Gespräch
10.02.2021

«Ich bin kein Landei»

Iris Eichelberger, seit rund dreieinhalb Jahrzehnten in Olten wohnhaft, hält sich zwar gerne in der Natur auf, schätzt aber das Angebot in der Stadt. (Bild: Achim Günter)

Iris Eichelberger, seit rund dreieinhalb Jahrzehnten in Olten wohnhaft, hält sich zwar gerne in der Natur auf, schätzt aber das Angebot in der Stadt. (Bild: Achim Günter)

Iris Eichelberger Aufgewachsen im Baselbiet, ist Iris Eichelberger in Olten längst heimisch geworden. Als ehrenamtliche Helferin hat sie vielerorts Spuren hinterlassen.

Von: Achim Günter

Dass man es nicht hören würde, wäre gelogen. Iris Eichelberger stammt nicht aus der Region Olten. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines BVB-Tramfahrers mit einer zwei Jahre jüngeren Schwester im Baselbiet, in Allschwil. Den dortigen Dialekt hat sie auch nach vielen Jahren nicht gänzlich abgelegt. Fast entschuldigend merkt sie an: «Ich ‹oltnere› nicht.» Als ob man das müsste. Liebgewonnen indes hat sie den Knotenpunkt am Jurasüdfuss längst. Schon beinahe zwei Drittel ihres Lebens hat die bald 59-Jährige in der Dreitannenstadt verbracht.

Sie sei vor allem durch ihre drei Söhne integriert worden. «Ich fühle mich wohl hier. Und ich finde Olten auch sehr schön.» Sie schätze die vielen Angebote, etwa im Sport- oder Kulturbereich. «Und es ist ein Städtchen. Auf dem Land könnte ich nicht leben. Ich bin kein Landei», sagt sie lachend. «Ein wenig Stadt brauche ich. Das ist mir wichtig.»

Doch zu Beginn habe sie Mühe bekundet in Olten – wettertechnisch. «Früher hatte es viel mehr Nebel hier. Ich war oft bei den Eltern zu Besuch im Baselbiet. Und bei der Rückkehr tauchten wir auf dem Hauenstein in den Nebel ein. Das hat mich echt gestört.»

Sportlich und reiselustig

In ihrer Kindheit und Jugend hatte sich Iris Eichelberger oft und gerne im Freien aufgehalten. Etwa auf einem Vita Parcours, beim Wandern, im Schwimmbad oder auf Skipisten. «Wir hatten eine sehr schöne Kindheit», denkt sie gerne zurück. Die Liebe zum Sport blieb. Noch heute nennt Eichelberger neben Lesen und Gesellschaftsspielen Sportarten als Hobbys: Skifahren, Pilates und Reiten. Allesamt haben sie einen hohen Stellenwert in ihrem Leben.

Mal eben für ein Skiwochenende in die Berge? Klar doch! Reiten im Ausland? Auch das. Lassen es die Umstände zu, fliegt sie zweimal pro Jahr nach Djerba in Tunesien, um auf einem «kleinen Berber» schöne Stunden in der Natur zu verbringen. Und ja, auch das Reisen mag sie sehr gern. Ohne Corona hätte sie zum Beispiel im vergangenen Jahr mit ihrer 86-jährigen Mutter eine Flussreise in Russland unternommen.

Das Fernweh wurde bei Iris Eichelberger früh geweckt. Nach dem Progymnasium absolvierte sie eine dreijährige KV-Lehre beim damaligen «Bankverein» in Basel. Anschliessend besuchte sie eine Sprachschule in England, verliebte sich und blieb als Au-Pair bei adligen Eheleuten, die damals, Anfang der 80er-Jahre, Hochzeitsgäste beim Royal Wedding von Prinz Charles und Lady Diana waren. Zurück in der Schweiz verdiente Eichelberger erneut Geld auf der Bank, reiste wiederum zum Freund nach England, arbeitete dort in einem Pub und danach als Schreibkraft. Anderthalb Jahre lang dauerte die Liaison, ehe sie kurz in die Schweiz zurückkehrte, um gleich nach Paris weiterzuziehen, um die Französisch-Kenntnisse zu vertiefen, später auch noch kurz nach Havanna, um Spanisch zu lernen.

Zahlreiche ehrenamtliche Engagements

Als sie schliesslich einen Mann aus Winznau kennenlernte, verschlug es die junge Frau Mitte der 80er-Jahre nach Olten. Ihren zukünftigen Ehemann lernte sie dann bei der Arbeit in der «Atel» kennen. Im Frühling 1988 wurde geheiratet. Im selben Jahr gebar sie Sohn Lothar, ein Jahr später Matthias und drei Jahre danach Tobias. Berufstätig war sie in jener Zeit nicht mehr. Hingegen begann sie sich nach einigen Jahren ehrenamtlich zu engagieren – und zwar nicht zu knapp. Sie leitete in der Reformierten Kirchgemeinde eine Kindergruppe und begleitete Ferienlager. Sie half mit bei der Ludothek Olten; mittlerweile präsidiert sie diese seit über 20 Jahren. Sie führte das Sekretariat der Oltner Sektion von Schneesport Mittelland-Nordwestschweiz, verantwortete das Verbandsorgan. Sie amtete über viele Jahre als Aktuarin beim Skiclub Olten. Und sie sass und sitzt im Vorstand der Baugenossenschaft Dreitannen. Bei vielen Engagements spielten Kinder und Jugendliche eine zentrale Rolle.

Diese Konstante manifestiert sich nun auch wieder im Erwerbsleben. Seit vier Jahren nämlich – und nach Abgabe einiger ehrenamtlicher Engagements – ist Eichelberger nach langem Unterbruch wieder berufstätig. Als eine Stelle frei wurde als pädagogische Mitarbeiterin beim Heilpädagogischen Schulzentrum in Olten packte sie die Gelegenheit beim Schopf. Derzeit kümmert sie sich in einem 50-Prozent-Pensum um verhaltensauffällige und sprachbehinderte Kindergärtler. Eine Arbeit, die sie einerseits sehr erfüllt, andererseits auch stark fordert. «Das ist sehr anspruchsvoll, sehr anstrengend», seufzt sie mit einem Lächeln.

Zufriedener Blick zurück

Eine Erwerbsarbeit wieder aufgenommen hat sie just dann, als ihr Mann, der elf Jahre älter ist als sie, pensioniert wurde. «Wir haben einen Wechsel gemacht», sagt sie mit einem Schmunzeln. Würde sie im Rückblick etwas anders machen in ihrem Leben? Iris Eichelberger verneint. Sie sei glücklich und blicke mit Zufriedenheit auf ihr bisheriges Leben zurück. «Ich wollte immer eine Familie und Kinder haben.» Einen kleinen Wunsch aber hegt sie durchaus. Gerne würde sie im Hinblick auf ihren 60. Geburtstag 2022 das Präsidium der Ludothek abgeben. Die Nachfolgesuche gestaltet sich schwierig. Dennoch: Dieser Wunsch müsste doch eigentlich zu erfüllen sein.

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