Im Gespräch
05.12.2018

Mit eigenem Roboter nach Thailand

Jakob Hechler (l.) und Nicola Alessandrelli mit ihrem eigens gebauten und programmierten Roboter und dem Gewinner-Pokal der Vorausscheidung, mit dem sie sich für die World Robot Olympiad in Thailand qualifizierten. (Bild: Franz Beidler)

Jakob Hechler (l.) und Nicola Alessandrelli mit ihrem eigens gebauten und programmierten Roboter und dem Gewinner-Pokal der Vorausscheidung, mit dem sie sich für die World Robot Olympiad in Thailand qualifizierten. (Bild: Franz Beidler)

World Robot Olympiad Im Sommer qualifizierten sich «League of Robots» für die World Robot Olympiad in Thailand. Unter den 106 Teams platzierten sich die Jung-Ingenieure aus Erlinsbach auf dem 30. Rang. Die weite Reise bot aber auch Anlass, das südost- asiatische Land zu entdecken.

Franz Beidler

Nicola Alessandrelli, 13 Jahre und Jakob Hechler, 12 Jahre bilden zusammen das Team «League of Robots». Im vergangenen Juni gewannen die Erlinsbacher die nationalen Finals der Robotik-Olympiade in Aarburg und qualifizierten sich damit für die Teilnahme an der World Robot Olympiad (WRO), die vom 16. bis 18. November in Chiang Mai in Thailand stattfand. Nur für die drei Wett- kampftage die weite Reise bis nach Thailand zu unternehmen, kam für die Familien Alessandrelli-Näf und Hechler aber nicht in Frage. Sie nahmen die World Robot Olympiad deshalb zum Anlass, das südostasiatische Land zu entdecken. So flogen Jakob mit seinen Eltern Wolfgang und
Nadine und die Geschwister Nicola und Noemi mit ihren Eltern Riccardo und Irene bereits am
9. November zusammen nach Thailand und kehrten erst am 24. November wieder zurück. Das Turnier schloss «League of Robots» auf dem 30. Rang ab, bei insgesamt 106 teilnehmenden Teams in der Junioren-Kategorie. Ein Erfolg, von dem sie noch zu Beginn des Jahres nicht zu träumen wagten. Seit Januar bis zum Final in Aarburg tüftelten Jakob und Nicola fast jeden Samstag an ihrem Roboter und dessen Steuerungssoftware. Riccardo, als Automations-Ingenieur für diese Aufgabe prädestiniert, fungierte als Coach. Gemäss Reglement muss der Roboter gänzlich aus Lego-Mindstorm-Teilen gebaut und mit der entsprechenden Software programmiert sein. Die von der WRO gestellte Aufgabe musste auf einem rund drei Quadratmeter grossen Spielfeld gelöst werden, auf dem der Roboter Legosteine aufnehmen, transportieren und abstellen soll. Das diesjährige Motto des Wettbewerbs war «Food matters», weshalb die Legosteine zum Beispiel Setzlinge darstellten, die der Roboter pflanzen musste. Für die nationale Ausscheidung in Aarburg hatte sich «League of Robots» eine Platzierung unter den besten Zehn vorgenommen.
Es sollte anders kommen: Die Erlinsbacher gewannen. Sie durften nach Thailand reisen.

Die Suche nach Sponsoren

Damit begann die Suche nach Sponsoren. «Kost, Logie und die Flüge für die drei Wettkampftage der Olympiade mussten wir selber berappen», sagt Riccardo. Nicola und Jakob stellten der Jugendkommission Erlinsbach das Projekt vor, die schliesslich einen Betrag sprach. Neben dem Giganten Siemens beteiligten sich die Firmen Swisspower und KFS KanalService und auch die Arbeitgeber von Riccardo, Irene und Wolfgang, Swisslog, das Kantonsspital Aarau und EBL Schweizstrom am Projekt. «Von Freunden und Bekannten erhielten wir zudem unzählige Kleinbeträge», erzählt Riccardo. So hätte sich sogar sein Friseur für «League of Robots» eingesetzt. Das Abenteuer konnte beginnen.

Dreitägiger Wettbewerb

Der erste olympische Tag stand den Teams zum Testen der Roboter und der Software zur Verfügung. «Wir nahmen den Roboter nochmals komplett auseinander und bauten ihn wieder zusammen», erzählt Jakob. Die Montage der rund zweihundert Einzelteile gehört zum Wett- bewerb. «Wir hatten den Roboter seit dem Sommer nicht mehr zusammengebaut und waren froh um das Training», ergänzt Nicola. Am Abend des Testtages fand eine «Friendship-Party» statt: Die teilnehmenden Teams beschenkten sich gegenseitig mit Souvenirs aus ihrem jeweiligen Land. «League of Robots» brachte seinen Mitstreitern Ricola-Bonbons, Ovo-Schokolade und Basler-Leckerli mit. Dafür erhielten sie die unterschiedlichsten Mitbringsel wie kleine, mexikanische Sombreros aus Ton oder Stoffelefäntchen aus Thailand. «Und unzählige Anstecknadeln aus Taiwan, Russland, Japan oder Kanada», erzählt Riccardo. Mit sieben anderen Nationen am Tisch zu sitzen und eine weltweite Solidarität zu spüren sei unvergesslich, fügt er an. «Wir haben auch E-Mail-Adressen mit den Teams aus Kasachstan, Pakistan und Spanien ausgetauscht», erzählt Jakob.

Die zwei Wettkampftage

Am zweiten Tag galt es dann ernst: Nach der Montage wurde von drei Runden, in denen der Roboter sein Programm abspulen musste, die Beste gewertet. Daneben galt es, eine Zusatz- aufgabe zu lösen, die vor dem Turnier nicht bekannt war. Die Teams mussten ihre Roboter also vor Ort innerhalb von zweieinhalb Stunden entsprechend umprogrammieren. In der zweiten der drei Runden gelang «League of Robots» das perfekte Ergebnis: Punktemaximum inklusive der gelösten Zusatzaufgabe. Am dritten Tag bestand der Wettbewerb aus zwei Runden und einer halbstündigen Zusatzaufgabe. Er begann für «League of Robots» mit einer schlechten ersten Runde. «Mit dem gleichen Programm erzielten wir am Vortag die volle Punktzahl», erzählt Jakob. Ratlosigkeit machte sich breit. «Wir beschlossen, das Programm nochmals neu zu laden», ergänzt Nicola. Das half, der Roboter verhielt sich wieder wie vorgesehen. Auch die Zusatzaufgabe lösten die Erlinsbacher erfolgreich. «Dazu mussten wir in der Software nur einen Schalter umlegen», erklärt Nicola. Dieser Schalter musste allerdings schon vorprogrammiert sein, sonst war die Aufgabe in der kurzen Zeit unlösbar. Dass sich «League of Robots» nicht noch weiter vorne platzierte, liegt am Tempo der Roboter. Über etwa die ersten fünfzig Platzierungen entschied die benötigte Zeit.

Unbezahlbare Erinnerungen

Neben den Souvenirs haben die beiden Familien auch unbezahlbare Erinnerungen mit nach Hause genommen: Elefanten füttern und waschen, Tempel besuchen oder in Wasserparks baden. «Wir assen frittierte Heuschrecken», erzählt Nicola und kommentiert den Geschmack als «essbar». «Sie sind salzig und haben einen komischen Nachgeschmack», hält Jakob dagegen fest und erzählt weiter: «Auf der Insel Ko Samui sah ich Geckos, Papageien und Wildschweine.» «Thailand ist voller Scooter und trotzdem hupt nie jemand», erklärt Nicola und zeigt sich fasziniert von der Hochbahn in Bangkok. Thai-Massagen seien äusserst angenehm und Menus, die auf der Karte als scharf ausgezeichnet würden, unessbar, sind sie sich einig. Bis Jahresende gönnen sie sich nun eine Pause vom Tüfteln und Programmieren.

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