Im Gespräch
12.12.2018

Käse herstellen auf Madagaskar

Stefan Frey hat bereits eine neue Idee für Madagaskar im Köcher. (Bild: ZVG)

Stefan Frey hat bereits eine neue Idee für Madagaskar im Köcher. (Bild: ZVG)

Stefan Frey hat im Stadtanzeiger während eines Jahres monatlich von seiner Zeit und dem Leben in Madagaskar berichtet. Wir haben nun bei ihm nachgefragt, wie es heute um das «15-Dörfer-Projekt» der Organisation «Mad’ Eole» steht und was seine nächsten Schritte sowohl im Inselstaat vor der afrikanischen Südostküste als auch in Olten sind.

Mirjam Meier

Es sei momentan in Madagaskar feucht und 32 Grad kühl, ausserdem blase starker Wind, erzählt Stefan Frey während unseres Telefonats schmunzelnd. «Auch hier ist der Klimawandel spürbar», fügt der 66-jährige, pensionierte Mediensprecher ernst hinzu. Er hat im Jahr 1987 seine erste Reise zum Inselstaat vor der afrikanischen Südostküste im Auftrag der Schweizer Umwelt- organisation WWF unternommen. Sechs an der ETH Lausanne in erneuerbaren Energien ausgebildete Einheimische träumten lange von der Einführung der Windenergie auf der Insel, aber es fehlte stets an konkreten Projekten. Bis Frey im Jahr 2003 die Idee vorschlug, ganze Dörfer in der Region mit entsprechender Windenergie, respektive einem Stromnetz zu versorgen. Ein Jahr danach wurde die lokale Organisation Mad’Eole in Madagaskar mit dem Ziel gegründet der Landflucht entgegenzuwirken.

Die Zeit drängt

Zu Beginn des Jahres ist Stefan Frey zur Insel aufgebrochen, um das «15-Dörfer-Projekt» finanziell und organisatorisch auf eigenständige Beine zu stellen. «Dies ist zu grossen Teilen gelungen», erzählt er. Es sei hauptsächlich darum gegangen, das fünfte Dorf Joffre-Ville fertigzustellen. «Wir sind mit der Elektrifizierung nicht so weit gekommen, wie wir wollten, doch in rund zwei Wochen sollten die Strommasten errichtet sein.» Dies sei auch nötig, denn die Zeit dränge. «Wir müssen die grossen Arbeiten, die mit Transporten verbunden sind, noch vor der Regenperiode erledigen können, ansonsten verlieren wir vier Monate.»

Viel Geduld nötig

Auch wenn er einiges habe bewirken können während des vergangenen Jahres, so zeige sich immer wieder, dass in einem Land wie Madagaskar viel Geduld nötig sei, um Elektrifizierung ländlicher Gebiete voranzubringen, erzählt Frey, der auch Gespräche mit internationalen Organisationen über allfällige finanzielle Unterstützungen geführt hat. «Auf politischer Ebene herrschen zwei Meinungen. Die eine versteht das Projekt als Businessmodell und die andere, die auch ich vertrete, sieht die Dorfelektrifizierung als Entwicklungsschritt. Dieser soll zwar möglichst kostendeckend sein, jedoch ohne Gewinn erzielen zu müssen», betont Frey und fügt an: «Solange die strategische Ausrichtung nicht klar ist, macht es wenig Sinn, sich für die Aufnahme in einem Programm zu bewerben.» Deshalb strebt Frey eine grössere Unabhängigkeit an. Das «15-Dörfer-Projekt» soll sich künftig nicht nur auf Entwicklungsgelder stützen müssen. «Mad’Eole hat beispielsweise für ein Hotel den Auftrag erhalten, ihre grosse Solaranlage zu unterhalten und zu überwachen, was uns 30% der Lohnsumme sichert. Um jedoch finanziell vollumfänglich auf eigenen Beinen zu stehen, sind weitere Auf-träge nötig.»

Sich still verhalten

Auf die Frage, welche Auswirkungen die Präsidentschaftswahl in Madagaskar auf das Projekt Mad’Eole hat, meint Frey: «Das fünfte Dorf Joffre-Ville mit seinen mehreren 100 Personen ist durch die Wahl in zwei Lager gespalten.» Frey und sein Team versuchen sich in dieser Zeit möglichst still zu verhalten und aus der Schlusslinie zu ziehen. «Der Wahltag findet am
19. Dezember statt, doch die offiziellen Resultate werden erst am 10. Januar verkündet, was insbesondere bei einem knappen Wahlergebnis zu einer spannungsgeladenen Phase führen kann.» In den letzten 15 Jahren habe in Putschsituationen die Taktik, sich klein zu machen und nicht aufzufallen funktioniert. «Personen oder Material von unserer Seite wurden glücklicherweise noch nie angegriffen und Ausländer stehen in der Regel nicht im Fokus des Geschehens. Jedoch wird das Land insgesamt unstabil», erklärt der Autor.

Der Unrastige

Neben dem «15-Dörfer-Projekt» arbeitet Frey bereits an einer neuen Idee. Wollte er sich nicht zurückziehen? «Das kleine Team vor Ort hat für das «15-Dörfer-Projekt» schon längst die volle Verantwortung übernommen und auch die Entscheidungen werden in Madagaskar getroffen», meint Frey. Loszulassen bereite ihm keine Probleme und es gebe vor Ort genug junge Menschen, die Talent für die technische Arbeit mitbringen würden. Doch es sei schon so, dass er sich nicht einfach zurücklehnen könne, meint der Oltner und fügt an: «Wir sind verpflichtet, die Welt zumindest etwas besser zu machen.» Deshalb hat sich der Unrastige auch bereits einer neuen Idee angenommen. «Auf der nördlichsten Halbinsel gibt es riesige Weidegebiete auf denen 14’000 Zebu-Rinder und 6’500 Menschen leben. Die Kühe kalbern während der Regenzeit, wenn das Gebiet Babaomby vom Rest des Landes abgeschnitten ist. In dieser Zeit können täglich gegen zwei Tonnen Milch nicht verwertet werden. Die Idee ist deshalb dank Solar- und Wind-Strom eine Käserei aufbauen», erzählt der Oltner. Das Projekt sei in seinen Grundzügen geplant. «Nun versuche ich, meine Erfahrungen und Möglichkeiten zu nutzen, um es vorwärtszubringen. Dies mit der Generierung von Geldern in der Schweiz, um den Aufbau zu ermöglichen, aber auch durch eine Zusammenarbeit mit Partnern, die Erfahrung und Kontakte einbringen können», so Frey und fügt an: «Wir sind ja keine Käser, sondern im besten Fall Elektriker.»

Der Versuch einer Liebesgeschichte

Frey wird Mitte Januar in die Dreitannenstadt zurückkehren. Er freue sich auf Olten und den Nebel, meint er und betont, dies tatsächlich ernst zu meinen. «Es wird ein Neustart in der Schweiz, wofür ich mir trotz meiner Pension Beschäftigung im Kommunikationsbereich suchen werde», erzählt der 66-Jährige, der voraussichtlich erst Ende 2019 wieder nach Madagaskar reisen wird. Neben Mad’Eole hat Frey während seines Aufenthaltes in Madagaskar an seinem dritten Buch gearbeitet, für das er nach seiner Rückkehr nach einem Verlag suchen wird. «Ziel ist es, das Buch im besten Fall bei einem Verlag und ansonsten als «Book on Demand» bis Februar zu publizieren», so Frey. Vom Oltner sind bisher Kurzgeschichten aus Madagaskar im Knapp Verlag und der Roman
«Der Abgang: Bericht aus einer nahen Zeit» erschienen. «Der neue Roman «Strohgold» der im
19. Jahrhundert angesiedelt ist, handelt von einem Bauernmädchen aus dem Freiamt, das sich als Au-pair-Mädchen in Paris in einen Garde-Offizier des Kaisers verliebt», erzählt der Autor. «Ursprünglich dachte ich, in meinen vorherigen Romanen meine Meinung genug kundgetan zu haben, um nun einen unpolitischen Roman zu schreiben», so der Oltner. «Im Laufe meiner Recherchen stiess ich allerdings auf augenfällige Parallelen zwischen dem 19. Jahrhundert und heute und musste leider feststellen, dass die Menschheit scheinbar nicht bereit ist dazuzulernen. Beim neuen Roman steht aber auf jeden Fall die spannende und manchmal auch tragische Strohindustrie im Freiamt und vor allem die Liebesgeschichte im Vordergrund.»

www.madeole.org

 

 

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