Im Gespräch
09.01.2019

«Ein Volksfest für Olten»

Einer der Jüngsten und doch der Letzte: Der 34-jährige Obernaar Reto «dr Auerletscht» mit seinem geerbten SchnitzelbankInstrument, einer Bierkiste der Marke Salmenbräu im Lokal der Säli-Zunft. (Bild: Franz Beidler)

Einer der Jüngsten und doch der Letzte: Der 34-jährige Obernaar Reto «dr Auerletscht» mit seinem geerbten SchnitzelbankInstrument, einer Bierkiste der Marke Salmenbräu im Lokal der Säli-Zunft. (Bild: Franz Beidler)

Obernaar Spätestens mit der Fezübergabe am Hilari am Samstag, 12. Januar wird aus Reto Wollschlegel Reto «dr Auerletscht». Der neue Obernaar gibt der Fasnacht 2019 ein Thema und ertrotzt komplette Narrenfreiheit für ganz Olten.

Franz Beidler

Ein grosses Volksfest für Olten wolle er mit seiner Zunft gestalten. Reto Wollschlegel sprüht vor Begeisterung, wenn er von seinen Aufgaben an der Oltner Fasnacht erzählt. Als neuer Obernaar hat er sich den Beinamen «dr Auerletscht» gegeben, zwar «eine Bieridee», wie er lachend zugibt, aber eben doch genau Ausdruck dessen, was er für Olten erreichen will: Nicht weniger als die komplette Narrenfreiheit, wenigstens während der fünften Jahreszeit. «Dafür breche ich zum Teil auch mit alten Zöpfen», betont er. So gibt es am Schmutzigen Donnerstag anstatt des Obernaaren-Apéros spät in der Nacht ein Beizen-Gaudi in den üblichen Oltner Fasnachtsbeizen, an das alle Fasnächtler zum Singen, Tanzen und Musizieren eingeladen sind. Im Rahmen der Proklamation am Naareschtopf und im HC-Zelt am Fasnachts-Montag veranlasst er ein Sau-Gaudi. «Eine Überraschung für alle, die ein Kostüm tragen», schmunzelt er spitzbübisch. Das HC Zelt wird zur «Alpe-Hippodrom-Stobe» umfunktioniert. Und er gibt der Oltner Fasnacht ein Thema: Bayern. Von da stammt auch das Motto «Mia san mia», in verständlichem Deutsch «wir sind wir», das gerade weil es schrullig-charmante Eigensinnigkeit demonstriert, Olten für die Fasnacht von allen Zwängen befreit - Narrenfreiheit eben. Auch wenn er vieles anders macht, im Kern wird die Oltner Fasnacht aber bleiben, was sie schon immer war: Ein Volksfest. «Trotz dem Motto wollen wir kein zweites Oktoberfest oder einfach ein Saufgelage», stellt Wollschlegel klar.

Ein Instinkt-Fasnächtler

Der diesjährige Obernaar verkörpert, was er mit Olten vorhat. Reto Wollschlegel, gebürtiger Oltner und gelernter Hochbauzeichner ist zum Instinkt-Fasnächtler herangewachsen. Sein Vater Jörg ist Zunftmeister der Säli-Zunft, seine Schwester Eliane dort Obfrau der Trommler und Pfeifer. Mutter Marlies, «die gute Seele der Familie», bemerkt Wollschlegel lächelnd, wirkt im Hintergrund. «Sie erledigt alles das, was wir während der Fasnacht vergessen.» Mit vier Jahren schon reimte er zum ersten Mal Schnitzelbänke bei den Säli-Kids. Anfang der 00er-Jahre war Wollschlegel in den Probejahren als Säli-Sänger. Seine Mit-Zünfter besuchten gemeinsam das Tambouren-Fest in Basel. Die lustige Truppe landete in einem kleinen Oktober-Fest-Zelt. «Da muss ein hoher Spasspegel geherrscht haben», erinnert sich Wollschlegel an die Erzählungen. Als er 2003 in die Säli-Zunft aufgenommen wurde und ihr fünfzigjähriges Bestehen gefeiert werden sollte, stand schnell fest, dass es ein Säli-Wiesn-Gaudi werden sollte. Der Anlass war dermassen erfolgreich, dass ihn die Säli-Zunft seither alle zwei Jahre durchführt und sich Wollschlegel der Bayrischen Kultur verschrieben hat. Seither hat er die Säli-Zunft massgeblich mitgeprägt: Als Cliquenchef der Sänger, als Laternenmaler, als OK-Mitglied des Säli-Wiesn-Gaudis, des Gruselballs und des Wirtshauses zum Alten Spittelwirt, als Zunftrat und Obmann des Fasnachtsrats und seit 2017 als Zunftweibel. Und ebenso wie er sie, hat die Säli-Zunft auch ihn geprägt: mit der Liebe zur bayrischen Kultur.

In Blau-Weiss gehüllt

«Sowohl die Farben von Bayern wie auch jene der Säli-Zunft sind Blau-Weiss und das sind auch die alten Farben der Stadt Olten», zeichnet Wollschlegel eine Verbindung zwischen seiner kulturellen, seiner fasnächtlichen und seiner örtlichen Heimat. An der Oltner Fasnacht 2019 treffen alle drei unter dem Motto «Mia san mia» zusammen. Darin spiegelt sich ebenso Bayern, wie Wollschlegel und die Säli-Zunft. «Wir sind bekannt dafür, dass wir immer gleich mit einem Sattelschlepper anreisen», spielt Wollschlegel lachend auf die Detailverliebtheit seiner Zunft an. «Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig.» An der Fasnacht sei die Säli-Zunft ebenso wichtig, wie er als Obernaar. «Meiner Zunft gebührt grossen Dank für die tatkräftige Unterstützung für die schönsten sieben Tage im Jahr.»

«Etwas zurückgeben»

Er freue sich auf alle Fasnachts-Anlässe, trotz dem gedrängten Fasnachtsprogramm, nicht zuletzt aber auf das Musizieren mit seinem Schnitzelbank-Instrument: eine alte Bierkiste der Marke Salmenbräu und ein Teppichklopfer. «Das habe ich 2004 von Säli-Zunftrat Pierre Künzli übernehmen dürfen.» Der habe es gebaut und damit mehr als vierzig Jahre Fasnacht bestritten. «Es ist das wohl ulkigste Instrument in Olten», sagt Wollschlegel lachend. Höhepunkte sind für ihn auch die Banausiade, «da stehe ich im Zentrum vor wohlwollenden Kritikern», und die Proklamation am Naareschtopf. «Etwas nervös werde ich dann wahrscheinlich schon sein», gibt er zu bedenken, «schliesslich arbeiten ich und meine Trabanten schon seit dem Sommer 2017 auf diesen Moment hin.» Wichtig sei vor allem, dass er in seiner eigenen Sprache spreche. «Ich bin ich», spielt er augenzwinkernd auf das Motto der Fasnacht an. «Obwohl ich grossen Respekt davor habe, schreibe ich deshalb alle meine Reden selber.» Nur so könne er mit seiner Botschaft erreichen, was er vorhabe: «Ich will Olten etwas zurückgeben.»

Hilari und Fezübergabe
Samstag, 12. Januar, ab 11 Uhr
in der Kirchgasse und auf dem Ildefonsplatz

www.oltnerfasnacht.ch

 

 

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