Im Gespräch
27.02.2019

«Kater Findus ist mehr Kind als Katze»

Sie feiert genau um einen Tag nicht an einem Schnapszahlendatum Geburtstag. Deborah Peterson ist genauso Oltnerin wie Weltenbürgerin. (Bild: ZVG)

Sie feiert genau um einen Tag nicht an einem Schnapszahlendatum Geburtstag. Deborah Peterson ist genauso Oltnerin wie Weltenbürgerin. (Bild: ZVG)

Deborah Petersons Leben ist voller Farben und voller Fragen. Im Gespräch verrät sie, warum Chips und Eistee ein Tritt ins Fettnäpfchen sein können.

Sonja Furter

Vor den Fenstern des Erkers in ihrem Zimmer blühen im Sommer grüne Blätter an den Baum- kronen. Es ist Deborah Petersons privater Rückzugsort, während sie Küche, Wohnzimmer und Bad mit den anderen Mietern ihrer Wohngemeinschaft in Trimbach teilt. Für diese Art des Zusammenlebens hat sich Peterson bewusst entschieden. «Womit fülle ich diese Zimmer, diese Räume als Einzelperson?», habe sie sich beim Besichtigen von Wohnungen jeweils gefragt. Aufgewachsen ist Peterson in Hägendorf, keine sieben Kilometer von ihrem jetzigen Zuhause entfernt. «Viele meiner Freunde leben in der Stadt Olten. Fast an jedem Ort kann ich jemandem «Sali» sagen.» Nebst dem Kleinstädtischen gefalle ihr an der Dreitannenstadt besonders das Aare-Bistro, das einen Blick auf die Stadtmauer biete. Auch zum China-Restaurant in der Altstadt hat sie eine besondere Verbindung. «Meine Eltern haben dort ihre Verlobung gefeiert.»

Die ABC-Inseln

Die Liebe zur asiatischen Küche in der traditionellen Altstadt ist wie ein Sinnbild für die Person Peterson. «Als halb Schweizerin und halb Holländerin sowie einem Sechzehntel indianischem Blut in meinen Adern sind meine Beine auch im Winter immer braun. Und trotz rotem Pass esse ich keinen Käse. Nicht einmal auf der Pizza.» Die Multikulturalität perfekt macht die Tatsache, dass Petersons Vater zwar Niederländer ist, aber auf den sogenannten ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curaçao vor der südamerikanischen Küste aufgewachsen ist. Als junger Mann hat Petersons Vater als Funker bei der Marine gearbeitet und bereiste per Schiff die Meere. In Sachen Liebe hat es aber nicht auf rauer See, sondern in stilleren Gewässern gefunkt. Auf einem Schiff auf dem Vierwaldstättersee in Luzern hat sich der niederländische Urlauber schliesslich in eine Serviertochter verliebt. Mehr als zwanzig Jahre später haben Deborah Peterson und ihre Schwester das Flugzeug auf die Antillen bestiegen, um ihre Wurzeln zu finden. «Auf der Karibikinsel ist der Bus oftmals zu spät gekommen. Wenn er schliesslich an der Haltestelle stoppte, hat der Fahrer mit dem Pöstler noch einen Schwatz gehalten.»

Alltag im Ausland

Nach Abschluss der Bezirksschule hat sich Peterson für die Ausbildung zur Autolackiererin entschieden. Ein grosses Vorbild für die Berufswahl war ihr ehemaliges Kindermädchen. «Sie hat Autos lackiert, was mich als Teenager sehr beeindruckt hat.» Der Beruf als Autolackiererin brauche nicht nur Kraft, sondern auch Fingerspitzengefühl, so Peterson. «Beim Wiederherstellen und Schleifen spüre ich mit der Hand, ob die Fläche glatt ist, bevor die Farbe draufkommt.» Nach der Lehre und einer Zeit als Au-pair in den Niederlanden und in Schottland, in der sie den Alltag im Ausland habe erleben können, studierte Peterson auf dem zweiten Bildungsweg soziale Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW. Während früher nach einem Arbeitstag ihre Hände, der Pulli und die Schuhe voller Farbe waren, sucht sie heute als Klassen-lehrerin in einer heilpädagogischen Schule und als Kindermädchen Antworten auf Kinderfragen. «Werde ich einmal älter sein als du?» ist nur eine von vielen. Durch das Betreuen eines Vierjährigen begegne sie selbst dem Leben wieder ganz anders und sehe die Welt durch Kinderaugen. «Das ist enorm spannend und bereichernd.»

Kein Eistee

Sie selbst sei bereits als Kind konsequent mit dem Fuss ins Fettnäpfchen getreten, erzählt Peterson lachend. «Als ich als Sechsjährige mit meinen Cousins unterwegs war, sollten wir einige Besorgungen erledigen.» Auf dem Einkaufszettel standen Brot, Milch und Käse. Im Einkaufswagen landeten jedoch auch Chips und Eistee. «Meine Cousins schärften mir ein, nichts davon zu erzählen.» Als die Tante von ihrer Nichte wissen wollte, wie der Ausflug gewesen sei, sagte diese: «Wir haben eine gute Zeit verbracht und keine Chips und keinen Eistee gekauft.» Danach gefragt, was sie für eine Person sei, tut sich Peterson schwer, eine Antwort zu finden. «Jeder Mensch hat so unendlich viele Facetten.» Sich auf drei Eigenschaften festzulegen sei darum unmöglich. «Ich kann mir nicht selber ein «Label» verpassen.» Dass viele Menschen bei ihrem Nachnamen an das bekannte Kinderbuch «Petterson & Findus» denken würden, könne sie jedoch verstehen. «Ich kenne natürlich die Geschichten vom Vierbeiner und dem Alten.» Aus Witz und als Anspielung auf ihren Nachnamen schenkt Peterson ihren Freundinnen manchmal ein Buch mit Abenteuern von «Petterson & Findus» zur Geburt derer Kinder. «Wobei mich Kater Findus eher an ein verschmitztes Kind als an eine Katze erinnert.»

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