Im Gespräch
13.03.2019

«Ich möchte mit Vorurteilen aufräumen»

Seit die Sekundarlehrerin Sarah Thanasis im ländlichen Huttwil unterrichtet, erscheint ihr Olten wie eine Grossstadt. (Bild: ZVG)

Seit die Sekundarlehrerin Sarah Thanasis im ländlichen Huttwil unterrichtet, erscheint ihr Olten wie eine Grossstadt. (Bild: ZVG)

Sarah Medea Thanasis hat für den Preisüberwacher Stefan Meierhans gearbeitet, trägt ein Verlobungstattoo und definiert ihre Zugehörigkeit zur Schweiz nicht über die Nationalität. Im Gespräch verrät sie, warum sie als Oltnerin «bärndütsch» redet.

Sonja Furter

Eine Katze räkelt sich auf dem Boden, blickt Sarah Medea Thanasis mit ihren intensiv gelben Augen an. Das Fell auf der Stirn bildet ein «M», ein typisches Merkmal der Rasse British Shorthair. Der andere Stubentiger hat sich auf dem Kratzbaum zusammengerollt, seine Fellfarbe verschwimmt fast mit dem grauen Stoff des Möbels. Die Sekundarlehrerin Sarah Medea Thanasis beschreibt sich selbst als leidenschaftlich, herzlich und authentisch. Ihre Grosseltern väterlicherseits stammen aus Griechenland und ihre Mutter ist in Portugal geboren. «Der Heimatbegriff ist deshalb für mich schwierig», sagt Thanasis. «Bei Ferien in den Heimatländern meiner Eltern bin ich immer die Schweizerin. Hier in der Schweiz werde ich hingegen oft als Ausländerin bezeichnet. Die Verbundenheit mit einem Land über die Nationalität zu definieren, passt nicht in mein Weltbild.»

Der rote Pass

Wenn sie Heimat jedoch beschreiben müsste, dann sei diese für sie der Ort, an dem sie ganz sich selber sein könne. Ihre eigenen Erfahrungen mit Multikulturalität haben Thanasis auch politisiert. «Das Bedürfnis, mitzureden, ist schon während der Kantonsschule da gewesen.» Während der KV-Lehre in Bern hat sie die politischen Prozesse im Bundeshaus mitverfolgt. «Es ist äusserst spannend, was alles dahinter steckt, bis ein Gesetz geändert werden kann.» Doch sie machte die bittere Erfahrung, dass sie sich ohne roten Pass nicht einbringen konnte. «Es betrifft mich, aber ich kann nichts dazu sagen.» Unter anderem deshalb engagiert sie sich seit ihrer Einbürgerung für die Junge SP Region Olten. «Es ist wichtig, den Menschen zu sehen, nicht seine Herkunft. Ich möchte mit Vorurteilen aufräumen.»

Olten ist WunderBar

Die Dreitannenstadt ist der Ort, an dem Thanasis aufgewachsen ist. «Hier kann ich mich selbst sein», nimmt sie Bezug auf den Heimatbegriff. Trotzdem hatte sie als junge Erwachsene eine Phase «in der ich weg wollte». Sie brauchte Abstand und Distanz von ihrer Geburtsstadt «um mich zu lösen, erwachsen zu werden, mich selber zu finden». Zwar ist sie immer gependelt, aber während rund vier Jahren war sie an den Wochenenden nie in Olten. «Die Stadt wieder neu schätzen gelernt habe ich durch meinen Verlobten Läli. Er ist sehr Olten-verbunden.» Besonders gefallen ihr das Bifang-Quartier, die Schützi, die WunderBar und der «Chöbu» in dem sie jeweils einen Vegi-Burger mit Raclette-Käse bestellt. «Olten ist zwar etwas rauer als Solothurn, aber charmant.» Früher sei ihr Olten im Vergleich zu Bern, Zürich und Basel eher klein erschienen. «Seit ich in Huttwil auf dem Land arbeite, habe ich das Gefühl, Olten sei eine Grossstadt», sagt sie lachend.

Eins werden mit der Musik

Sarah Medea Thanasis trägt seit ihrer Verlobung mit Julian «Läli» Spring ein Verlobungstattoo anstelle eines Fingerrings. «Das Motiv ist ein Morsecode mit einer geheimen Nachricht. Leider war der Satz zu lang, so dass wir kürzen mussten.» Da es nicht ihr erstes Tattoo ist, habe es sie nicht allzu viel Überwindung gekostet, sich unter die Nadel zu legen. «Anders als bei einem Ring ist diese Verbindung jedoch nur sichtbar, wenn wir nebeneinander sitzen.» Ein grosses Hobby von Thanasis ist das Tanzen. «Es ist eine Möglichkeit, abzuschalten und ganz zu sich zu kommen. Ich beschreibe es als Eins werden mit der Musik.» Auch könne sie beim Tanzen sowohl Dampf ablassen wie auch Energie tanken. Auch Lesen gehört zu ihren Hobbies. «Durch das Lesen leichter oder tiefgründiger Lektüre kann ich mich informieren, mir eine Meinung bilden.»

Unter dem Sofa versteckt

Als Kind las Thanasis so gerne, dass ihre Eltern ihr manchmal das Buch weggenommen hätten, erzählt sie. «Ich habe mich deshalb unter dem Sofa versteckt. Während meine Eltern nach mir suchten, habe ich Seite um Seite verschlungen.» Ihr jüngerer Bruder ist heute 21, die jüngere Schwester 14 Jahre alt. Wie war Thanasis selber als Jugendliche? «Ich habe lautstark meine Meinung vertreten, auch wenn sich diese fünf Minuten später wieder geändert hatte.» Immer wieder fliessen in den Redefluss der Oltnerin berndeutsche Wörter ein. «Das liegt daran, dass ich das KV in Bern absolviert habe.» Im Sekretariat hat sie ein Jahr für Preisüberwacher Stefan Meierhans gearbeitet. «Dadurch habe ich einen Einblick in die Preisbildung erhalten. Mit den SBB ist zum Beispiel eine Einigung für den Verkauf von Sparbilleten erzielt worden.» Auf dem zweiten Bildungsweg besucht sie aktuell die Pädagogische Hochschule in Bern und unterrichtet als Klassenlehrerin eine Realklasse an der Oberstufe in Huttwil. Spannend fände sie am Alltag der Jugendlichen vor allem die rasante Entwicklung, welche diese durchmachten. «Manchmal bekomme ich mit, dass es zwischen zweien gefunkt hat. Das ist schön, denn es sind erste Liebesgeschichten in der Biografie dieser Menschen.»

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