Im Gespräch
17.04.2019

Das zwiespältige Verhältnis zur Weltkarte

Florian Eberhard posiert am Ufer der Aare für das Foto: «Ich verspüre einen gewissen Lokalpatriotismus für Olten.» (Bild: S. Furter)

Florian Eberhard posiert am Ufer der Aare für das Foto: «Ich verspüre einen gewissen Lokalpatriotismus für Olten.» (Bild: S. Furter)

Florian Eberhard hat bei schlechtem Wetter mit Schülerinnen und Schülern am Klimastreik teilgenommen. Im Gespräch verrät der angehende Politikwissenschaftler, warum ihm der Musiker Bob Marley laut der Gesichtserkennung von Facebook zum Verwechseln ähnlich sieht.

Sonja Furter

Der knackige rote Apfel auf dem Tisch stammt vom Bauernhof der Grosseltern. «Kein Apfel
der Welt wird jemals so gut schmecken wie dieser», schwärmt Florian Eberhard mit einem Schmunzeln. Dass er als Kind immer wieder Zeit auf dem Land verbracht hat, prägt ihn bis heute. «Wenn ich in der Migros Erdbeeren kaufe, sehe ich nicht nur die Schale voller Früchte, sondern habe das Bild meiner Grossmutter vor meinem geistigen Auge, wie sie im Garten Beeren pflückt.» Ein Relikt aus noch früherer Kindheit ist ein Schild mit dem Schriftzug «Breitenrainplatz», das auf dem Fenstersims platziert ist. In diesem Quartier in Bern wurde Eberhard geboren. Den grössten Teil seiner Kindheit und Jugend hat er jedoch in Olten verbracht, wo er heute noch wohnt. Eberhards Vater war bei der Geburt seines Sohnes noch Student und «hat oft spät nachts noch an seiner Masterarbeit geschrieben.» Seine Eltern haben sich Haus- und Erwerbsarbeit aufgeteilt, wodurch der Vater oft zu Hause war und zum Beispiel gekocht oder die Wäsche im Garten zum Trocknen aufgehängt hat. «Dies hat mein Rollenverständnis stark geprägt», sagt der heute
25-Jährige und stellt fest: «Ich bin ebenfalls Student, wie mein Vater es damals war und ich bin jetzt in dem Alter, in dem er bereits Vater geworden ist.»

Rote Punkte

Eberhard hat einen drei Jahre jüngeren Bruder Dimitri. Während dieser als angehender Sozial- arbeiter tätig ist, sitzt Eberhard neben seinem Job bei der Gesundheitsdirektorenkonferenz und der Uni für die junge SP Region Olten im Gemeinderat. Er erinnert sich noch, dass er als Dreikäse- hoch gerade die Windpocken hatte, als Dimitri zur Welt kam. «Ich wollte meinen kleinen Bruder im Spital unbedingt sehen und habe darum jeden Tag meinen Grosseltern gegenüber beteuert, wieder gesund zu sein. Nur leider haben die roten Punkte auf meinem Körper mich verraten.»

Gelebte Solidarität

Politisch interessiert sei er schon immer gewesen. Für die junge SP Region Olten, für die er nun auch an den Nationalratswahlen teilnehmen wird, hat er sich unter anderem entschieden, weil ihm der Solidaritätsgedanke wichtig ist. «Die ursprüngliche Arbeiterpartei sind wir zwar nicht. Aber Umverteilung und Chancengleichheit sind uns noch immer ein Anliegen.» So würden sich zum Beispiel viele Wähler für Prämienverbilligungen einsetzen, obwohl sie selber ein zu hohes Einkommen hätten, um von der Vergünstigung zu profitieren. «Das ist für mich gelebte Solidarität.» Vor kurzem hat Eberhard am Oltner Klimastreik von Schülerinnen und Schülern teilgenommen und dort Gesichter von Kindergartenkindern gesehen, die nun als Jugendliche für ihre Anliegen auf die Strasse gingen. «Mit dabei zu sein war für mich eine Botschaft an die Jugendlichen, dass wir Politiker von Olten hinter ihnen stehen und sich alle Generationen für den Klimaschutz einsetzen.» An dem Tag, an dem der Streik stattgefunden habe, sei es sehr kalt gewesen und es habe geregnet. «Ein Schwänzen war es für die Jugendlichen also definitiv nicht», so Eberhard. «Auch für mich persönlich war es eine bewusste Entscheidung, auf den Komfort meiner angenehm geheizten Wohnung zu verzichten, um dem Anliegen für mehr Umweltschutz Gehör zu verschaffen.» Der Umweltschutz ist auch der Grund, warum Eberhard zur Weltkarte, die an der Wand hängt, ein zwiespältiges Verhältnis hat. «Zum einen ist da mein Interesse für andere Länder und Kulturen sowie das Reisen und zum anderen damit einhergehende Flugreisen, die ich lieber vermeiden möchte», so Eberhard.

Jamaikanischer Rebell

Mit der Dreitannenstadt ist Eberhard stark verbunden. «Ich fühle mich angegriffen, wenn Olten schlecht gemacht wird.» Er wolle darum ein Botschafter der Stadt sein und gibt zu, dass er einen gewissen Lokalpatriotismus für seine Heimatstadt verspüre. «Olten hat auch eine Grösse, die mir sehr zusagt.» Gerne nimmt er zusammen mit Kollegen den Bus nach Ruppoldingen, um dort auf einem runden Schlauch die Aare hinunter zu schwimmen. In seiner Freizeit spielt Eberhard gerne Unihockey und ist als DJ tätig. Letzteres brauche sowohl eine gute Vorbereitung als auch viel Fingerspitzengefühl und Flexibilität. Oftmals fühle er sich vor einem Einsatz müde, doch das Auflegen gebe ihm Energie. «Wenn die Besucher einer Party mich als DJ irgendwann völlig vergessen und in die rhythmischen Melodien eintauchen, habe ich mein Ziel erreicht.» Auch die Musik vom jamaikanischen Reggae-Musiker Bob Marley schätzt Eberhard sehr. «Seine Lieder sind philosophisch, nachdenklich und sozialkritisch. Trotz seiner leisen Musik war er ein Rebell und hat viel bewirkt.» Zu seinem Lieblingssänger Marley hat Eberhard noch eine Anekdote zu erzählen: «Freunde berichteten mir immer wieder, dass ihnen die automatische Bilderkennung auf Facebook jeweils den Namen Bob Marley vorschlägt, wenn sie ein Bild von mir hochladen.
Es scheint, dass ich meinem Idol in gewissen Gesichtszügen ähnlich sehe.»

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