Im Gespräch
01.05.2019

Ein Hauch Andalusien in Olten

Psychologe Andreas Widmer (l.) und Kunstmaler Jürg Meyer bringen mit Bildern und Olivenöl ein Stück Andalusien nach Olten. (Bild: mim)

Psychologe Andreas Widmer (l.) und Kunstmaler Jürg Meyer bringen mit Bildern und Olivenöl ein Stück Andalusien nach Olten. (Bild: mim)

Ausstellung Gemeinsam mit seinem Freund Andreas Widmer bringt der Kunstmaler Jürg Meyer mit seinen Bildern über und Olivenöl aus Andalusien südliche Stimmung ins Haus zum Adler nach Olten.

Mirjam Meier

Olivenhaine soweit das Auge reicht, eingebetet in eine hügelige Landschaft. Das sind die Erinnerungen von Kunstmaler Jürg Meyer an seinen einwöchigen Aufenthalt im vergangenen November in Andalusien, einer autonomen Region Spaniens an der Südküste des Landes. Die Idee zum Studienaufenthalt in Andalusien entstand jedoch bereits im vergangenen Juni und ist unmittelbar mit dem Haus zum Adler an der Marktgasse 34 in Olten verbunden.

Das Haus zum Adler

In den 1970er-Jahren traf sich die Jugend zum Teller Pommes und stundenlangem Jassen im Hotel Restaurant Adler. Auch Jürg Meyer, der einst die zweite Leiterstelle im Jugendhaus Färbi innehatte und dabei Andreas Widmer und seine zukünftige Ehefrau Verena Tresch kennenlernte, die ein Praktikum absolvierten, hat damals Gäste der Färbi im Hotel Restaurant Adler einquartiert. Nachdem das uralte Gebäude mit den schrägen Böden vor rund 18 Jahren einer Grundrenovation unterzogen wurde, befanden sich eine Boutique, ein Holzladen und schliesslich kurze Zeit eine Bar im Erdgeschoss des Hauses. Nach dem letzten Pächter beschlossen Andreas Widmer und seine Ehefrau den Raum im Erdgeschoss zu mieten. «Wir führen zusammen mit Berufskolleginnen seit 16 Jahren im ersten Obergeschoss eine psychotherapeutische Praxis, was sich mit der Bar, in der es vor rund zwei Jahren gebrannt hatte, nicht sonderlich gut vertrug», erklärt Widmer. «Seit August dient nun der Raum der psychotherapeutischen Praxisgemeinschaft zum Adler als Gruppenraum. Daneben war es stets der Wunsch meiner Ehefrau und mir die Räumlichkeiten künstlerisch zu bespielen und ihn ausserdem für Workshops, Familien- und Geburtstagsfeste an Anwohner der Altstadt zu vermieten», erzählt Widmer und fügt an: «Zudem kann der Raum, aufgrund der Nähe zum Zivilstandesamt und wenn gewünscht in Zusammenarbeit mit der benachbarten Bodega, als Apérolokal nach Trauungen genutzt werden.»

Alles begann mit dem Olivenöl

«Mein Bruder wohnt seit vielen Jahren in Madrid. Bei einem Besuch fragte er mich an, ob ich Interesse habe, Olivenöl von einem befreundeten Bauer in der Schweiz zu vertreiben», erzählt Widmer. «Ich antwortete, dass ich Psychologe und kein Händler sei und für mich, wenn überhaupt, nur ein biologisches Olivenöl in Frage käme, was zu dieser Zeit nicht produziert wurde.» Sein Bruder hatte dessen Bedingungen nicht vergessen und teilte ihm bei seinem nächsten Besuch mit, dass er nun Kontakte zu einer Kooperative in Andalusien habe, die biologisches Olivenöl anbiete. «Ich mag ehrliche, biologische Erzeugnisse, die ohne Pestizide hergestellt werden und so kam es, dass der Psychologe seither Olivenöl in einem sehr kleinen Rahmen importiert», erzählt Widmer schmunzelnd. Zudem seien die Olivenbauern in Andalusien sehr arm, weshalb dieser Import auch eine Hilfe zur Selbsthilfe bedeute. «Die erste Lieferung umfasste rund 100 Flaschen. Ein Kollege wettete mit mir, dass ich diese nie verkaufen werde. Den Wetteinsatz, eine Flasche Wein, genoss ich schliesslich ausgiebig», so Widmer lachend, der jährlich rund 1’000 Flaschen von der Kooperative importiert, welcher rund 650 Bauern angeschlossen sind. Das Olivenöl wird von vier Schweizer Restaurants und dem Oltner Spezialitätengeschäft «E guete» angeboten und von Zeit zu Zeit besucht Widmer die Produktionsstätten in Andalusien.

Faszinierende Weite und Ruhe

Nachdem der gemietete Raum im Haus zum Adler Platz bot, fragte Andreas Widmer seinen Freund, den Kunstmaler Jürg Meyer an, ob ihn dieser auf eine Studienreise begleiten wolle, um danach Bilder von Andalusien zu malen. Dies führte schliesslich zu einem neuen Projekt für die Freunde, die bereits vor vielen Jahren mit dem Openair-Verein viele kulturelle Veranstaltungen durchgeführt haben. Die beiden flogen also für eine Woche nach Spanien, besuchten Widmers Bruder in Madrid und reisten weiter zur Südküste in Andalusien. Sie besuchten verschiedene Olivenbauern und wurden zu 170-jährigen Olivenhainen und 800-jährigen Olivenbäumen geführt. «Uns wurde erklärt, dass früher verschiedene Stauden zusammengebunden wurden, weshalb ein Olivenbaum heute mehrere Olivensorten tragen kann. In vielen Gebieten muss noch immer mit Mauleseln geerntet werden, da die Haine nicht mit dem Auto zugänglich sind, was die Bauern zu einem biologischen Anbau zwingt», erklärt Widmer, den die Landschaft, Weite und Ruhe sowie die lebensfrohen und gastfreundlichen Menschen in den ländlichen Anbaugebieten begeistern. «Ein grosser Kontrast zu den wilden und lebendigen Städten, die jedoch ebenfalls viel zu bieten haben. Die Stadtburg Alhambra im maurischen Stil auf dem Sabikah-Hügel von Granada und Córdoba mit der Mezquita, einer riesigen Moscheenkathedrale, sind beeindruckende Sehenswürdigkeiten», zeigt sich der Psychologe beeindruckt. «Für mich war es hingegen sehr interessant in ein Gebiet vorzudringen, das ich zuvor nicht kannte. In Erinnerung geblieben sind mir zudem die schmalen Strassen, die nur mit einem kleinen Auto zu befahren sind», erzählt Jürg Meyer, der vor seiner Pensionierung als Lehrer tätig war. Die Reise sei jedoch aufgrund der bevorstehenden Aufgabe und dem Druck, eine möglichst gute Arbeit abzuliefern, nicht nur entspannend gewesen, so der 69-Jährige. «Die vielfältigen Eindrücke von den Olivenhainen und der Weite habe ich versucht aufzusaugen und mit nach Hause zu nehmen, wo ich gleich im Anschluss an die Reise 15 Bilder nach einem straffen Zeitplan aus der Erinnerung heraus realisiert habe», erzählt der Kunstmaler. So richtig zum Leben erweckt würden seine Bilder jedoch erst, wenn sie in einem neuen Zuhause hängen.

Adler wird eingeweiht

Nun soll der lichtdurchflutete Raum im Haus zum Adler mit den acht ausgestellten Bildern von Kunstmaler Jürg Meyer und dem durch Andreas Widmer importierten Olivenöl aus Andalusien mit der Vernissage am Freitag, 3. Mai um 18 Uhr, einleitenden Worten von Iris Schelbert und musikalischer Umrahmung von Nick Perrin an der Gitarre eingeweiht werden. «Wir möchten das Kulturangebot von Olten mit einem Beitrag erweitern», erzählt Meyer. Eine Woche später am Freitag, 10. Mai um 20 Uhr findet zudem ein kleines, intimes Konzert für maximal 35 Personen von Fatima Dunn, die bereits an den vergangenen 23 Sternschnuppen in der Stadtkirche zu begeistern vermochte, im Haus zum Adler statt. Olten ist damit um ein weiteres Kulturlokal reicher.

Bilderausstellung Andalusien
von Jürg Meyer
Vernissage: Freitag, 3. Mai, 18 Uhr
Samstag, 4. Mai: 9 bis 17 Uhr
Samstag, 11. Mai, 9 bis 17 Uhr
Haus zum Adler, Marktgasse 34, Olten

www.haus-zum-adler.ch

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