Im Gespräch
08.05.2019

Länger zu Hause bleiben können

Herzspezialist und Projektleiter Prof. Dr. med. Hugo Saner freut sich, dass bei Heidi Hofmann vor wenigen Wochen der «StrongAge»-Dienst installiert werden konnte. (Bild: ZVG)

Herzspezialist und Projektleiter Prof. Dr. med. Hugo Saner freut sich, dass bei Heidi Hofmann vor wenigen Wochen der «StrongAge»-Dienst installiert werden konnte. (Bild: ZVG)

Strong Age So lange wie möglich zu Hause bleiben ist der Wunsch von vielen Senioren und die Sicherheit derjenige der Angehörigen. «StrongAge» soll helfen beide Bedürfnisse zu erfüllen. Am Montag, 13. Mai um 18.30 Uhr wird der Oltner Herz- spezialist und Projektleiter Prof. Dr. med. Hugo Saner im Kantonsspital Olten «StrongAge» vorstellen.

Mirjam Meier

Sei es die Verwandlung der einstigen Turnhalle ins Kulturzentrum Schützenmatte oder die Beschaffung der Weihnachtsbeleuchtung durch eine Spendenaktion auf der rechten Aareseite, Hugo Saner hat sich immer wieder mit verschiedensten Projekten für das gesellschaftliche Leben in Olten eingesetzt. Aber damit nicht genug war der Internist und Kardiologe während 20 Jahren am Kantonsspital Olten für das Herz verantwortlich, wo er 1986 das erste ambulante Reha-bilitationsprogramm für Herzpatienten gründete. Mit seiner Ehefrau Dr. Brigitte Saner eröffnete er die eigene Praxis an der Florastrasse, rief die Herzgruppe Olten ins Leben und wurde schliesslich 1997 für eine leitende Stelle im Inselspital Bern angefragt. Heute ist der emeritierte Professor in verschiedenen Projekten tätig, hat einen Lehrstuhl in Russland und 2013 einen europäischen Kongress für «eKardiologie» gegründet.

Daten zusammengetragen

«Durch den europäischen Kongress für «eKardiologie» bin ich in Kontakt mit dem Innovation Park der L’Ecole polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) gekommen, deren Team das System «DOMO Safety» entwickelte. Der präventive Gedanke entsprach mir und überzeugte mich. Dabei überlegte ich mir, dass mir das System vielleicht ebenfalls eines Tages zugutekommen könnte», erzählt der 70-jährige Projektleiter der Non-Profit-Organisation «StrongAge» lächelnd. Die Organisation fördert Massnahmen und Technologien, welche der Erhaltung der Selbstständigkeit im Alter dienen. Im Jahr 2017 fragte Hugo Saner Bekannte und Nachbarn aus Olten und Starrkirch-Wil an und fand innert kürzester Zeit 25 Personen mit einem Altersdurchschnitt von
88 Jahren, die sich bereit erklärten, das «DOMO Safety»-System bei sich zu Hause installieren zu lassen, um während eines Jahres die für die Veröffentlichung des Systems benötigten Daten zu sammeln.

Person definiert Zugriff selbst

Bei «StrongAge» wird mit Umgebungssensoren, die beispielsweise am Kühlschrank und unter der Matratze angebracht werden, gearbeitet. Das System zeichnet die täglichen Bewegungen, aber auch das Schlafverhalten auf. 14 Tage nachdem das System installiert wurde, schaut sich eine Fachperson mit dem Senior oder der Seniorin die bis dahin erfassten Werte an und programmiert, wie das System zukünftig zu arbeiten hat: Wie lange soll gewartet werden, bis nach einem Sturz eine Meldung an die Zentrale in St. Gallen geschickt wird? Wer soll informiert werden, die Zentrale, die Kinder, der Hausarzt? «Die Person definiert selbst, wer wann Zugriff auf die Daten erhält», betont Saner. Solange nichts Ungewöhnliches auftritt, sendet das System sowieso keine Informationen an Dritte.

Stürze verhindern

«Es geht jedoch nicht nur darum, bei einem Sturz Alarm schlagen zu können. Solche Hilfsmittel gibt es bereits», so Saner. Vielmehr soll das System Ursachen erkennen und damit auch Stürze vermeiden. Wenn bei den Messungen eine ungewöhnliche Änderung der Lebensroutine festgestellt wird, kann dies auf ein medizinisches oder psychisches Problem hindeuten. «In den seltensten Fällen stolpern Senioren über ihren Teppich», weiss Saner und fügt an: «In der Regel stürzen sie aufgrund fehlender Muskeln, einer Gleichgewichtsstörung oder auch einer Depression.» Müsse eine Person viel häufiger zur Toilette, könne dies eine medizinische Ursache haben. Zeige eine Person schnelle, ungezielte Aktivitäten deute dies auf eine Demenz hin. «Das Fortschreiten von einigen altersbedingten Erkrankungen kann jedoch mit gezielter Behandlung verzögert werden: Muskelaufbau durch elektrische Stimulation und Trainingsvideospiele für einen Aufschub der Demenz», zählt Saner zwei Beispiele auf. «Strong-Age» plant in Zusammenarbeit mit der Pro Senectute und dem Schweizerischen Roten Kreuz auch gleich das Fachpersonal, welches bei einem Zwischenfall zum Einsatz kommt. «Das System ist kein Ersatz für menschliche Zuwendungen», betont Saner.

Belastete Angehörige

«Meist erholen sich die Senioren nach einem Sturz nicht mehr vollständig und bauen danach stark an Kraft und Intelligenz ab, weshalb der nächste Schritt oftmals der Gang ins Altersheim bedeutet», hält Saner fest. Das sei eine schwierige und belastende Situation für die Senioren, aber auch für die Angehörigen, weiss der Herzspezialist aufgrund der Betreuung seines Vaters und seiner Schwiegereltern aus eigener Erfahrung. «Die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern ist stets auf Emotionen begründet, doch mit den Messungen kann sie auch auf Fakten beruhen», so der Professor. Mittels einer App sind die Angehörigen zudem über das Wohlergehen ihrer Angehörigen informiert.

Gegen steigende Gesundheitskosten

Neben dem Erhalt der für die Senioren wichtigen Eigenständigkeit und der Sicherheit für die Angehörigen leistet das System ausserdem im Bereich der stetig steigenden Gesundheitskosten und des Fachkräftemangels in der Pflege einen wichtigen Beitrag. «Es geht nicht darum, dass die Senioren nicht mehr in ein Altersheim gehen sollen, sondern der Gang dorthin noch etwas hinausgezögert werden kann, was grosse Kosten einspart», betont Saner. «Nach der einjährigen Erhebung der Daten wissen wir nun genug, um das System für Interessierte anzubieten. So konnte vor rund vier Wochen bei den ersten Personen das System installiert werden», freut sich Saner. Der «Strong-Age»-Dienst kann gemietet oder gekauft und das Angebot gemäss seinen Bedürfnissen individuell zusammengestellt werden. Mit einem Blick in die Zukunft hofft der Projektleiter, dass es sich in zehn Jahren bei «StrongAge», um ein ganz alltägliches Angebot handelt und es in einigen Neubau-Alterswohnungen bereits fix installiert ist.

Informationsanlass: StrongAge
Montag, 13. Mai, 18.30 Uhr
Mehrzweckraum, Kantonsspital Olten
Referent: Prof. Dr. med. Hugo Saner

 

 

Günstige Komplettlösungen von update AG