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29.05.2019

Buch zu Besuch im Altersheim

Initiantin Nadia Frey und Seniorin Heidi Stäheli mit der mobilen Mini-Bibliothek im Altersheim St. Martin. (Bild: mim)«Wir freuen uns über interessierte junge Frauen, die den ehrenamtlichen Gedanken mittragen wollen», so Doris Meister, Präsidentin GFVO. (Bild: ZVG)

Initiantin Nadia Frey und Seniorin Heidi Stäheli mit der mobilen Mini-Bibliothek im Altersheim St. Martin. (Bild: mim)

«Wir freuen uns über interessierte junge Frauen, die den ehrenamtlichen Gedanken mittragen wollen», so Doris Meister, Präsidentin GFVO. (Bild: ZVG)

Gemeinnütziger Frauenverein Olten GFVO Nachdem der Gemeinnützige Frauenverein Olten GFVO im März sein neues Vereins-lokal am Zielemp eröffnete, startete der Oltner Traditionsverein vergangene Woche mit seinem neuen Angebot «Buch zu Besuch».

Mirjam Meier

Sieben Bewohnerinnen und Bewohner des Alters- und Pflegeheims St. Martin hatten sich für die Präsentation im Aktivierungsraum eingefunden. Normalerweise trifft sich am Mittwochnachmittag der Buchclub in den Räumlichkeiten, was passte, schliesslich stellte Initiantin Nadia Frey den Bewohnern das neue Leseangebot mit der Mini-Bibliothek auf Rädern des Gemeinnützigen Frauenvereins vor. «Meine Kollegin Rebekka Salm entdeckte das Projekt in St. Gallen und war begeistert, weswegen sie das Angebot im Frühling des vergangenen Jahres nach Olten holen wollte und mich um Unterstützung anfragte», erzählt Frey, welche die Schulbibliothek der basellandschaftlichen Oberstufenschule Oberdorf leitet, vom ehrenamtlichen Engagement.

Offene Türen beim Gemeinnützigen Frauenverein

Anders als in St. Gallen, wo die Bücher den Senioren nach Hause gebracht werden, wollten die Initiantinnen in Olten mit den Altersheimen zusammenarbeiten. Insgesamt konnten mit Senevita Bornblick, Ruttiger, Weingarten, Stadtpark, St. Martin und dem Marienheim in Wangen bei Olten sechs Altersheime für das Angebot «Buch zu Besuch» gewonnen werden. Für fachliche Unterstützung während der Aufbauphase begeisterten die beiden Initiantinnen Sibylle Scherer, die Leiterin der Stadtbibliothek Olten. Doch aufgrund des fehlenden Budgets und der sehr eingeschränkten personellen Ressourcen ist dieser Einsatz gestrichen worden, weshalb Scherer die beiden Frauen in privatem Rahmen unterstützte. Um die Bücher und hochwertige Wagen zu beschaffen waren jedoch finanzielle Mittel nötig. «Wir fragten beim Gemeinnützigen Frauenverein an und stiessen auf offene Türen», erzählt Frey erfreut. «Wir haben im vergangenen Jahr mit «Zeit schenken» ein neues Projekt im Altersheim Stadtpark gestartet, in dem freiwillige Frauen Seniorinnen und Senioren besuchten und mit ihnen Zeit verbrachten. Doch leider ist das Projekt etwas harzig angelaufen und wir hatten Bedenken, dass wir zu wenig Personen stellen können, um das Angebot zusätzlich auf weitere Altersheime auszudehnen», erzählt Doris Meister, die Präsidentin des Gemeinnützigen Frauenvereins. Deshalb sei «Buch zu Besuch» in Zusammenarbeit mit den Altersheimen gerade zur richtigen Zeit gekommen. «Nach einer Bedürfnisabklärung bei den Altersheimen gingen wir gemeinsam mit Sibylle Scherer in den Buchhandlungen Schreiber und Klosterplatz auf Shoppingtour», wie Frey schmunzelnd erzählt. «Es war uns wichtig neue Bücher aus verschiedenen Sparten, aber auch Hörbücher anzubieten, die vielleicht wiederum für die Aktivierung eingesetzt werden können», so Frey und fügt an: «Zudem haben wir lange nach dem richtigen Wagen gesucht, um darauf die Bücher zu präsentieren.» Insgesamt investierte der Gemeinnützige Frauenverein 10’000 Franken für das Projekt. «Wir haben dafür bereits am Weihnachtsmarkt Geld gesammelt», erzählt Meister, da sich der GFVO durch Mitgliederbeiträge, Spenden, Legate und Stiftungen finanziert.

Turnus sorgt für Abwechslung

Auf der mobilen Mini-Bibliothek befinden sich 30 verschiedene Bücher aus den unterschiedlichsten Bereichen, vom Krimi über den Bildband bis zum Büchlein in Mundart. «Sie können die Medien auch auf ihr Zimmer mitnehmen, müssen sich lediglich in der Liste eintragen», erklärte Frey den Bewohnern den Ablauf. Anhand der Liste wisse sie, welche Titel gefragt seien und welche nicht. Ein berndeutsches Buch wünschte sich Bewohnerin Heidi Stäheli. «Neben der Arbeit und der Familie blieb mir früher kaum Raum zum Lesen», erzählt sie und fügt an: «Nun nutze ich die gewonnene Zeit.» Nach rund drei bis vier Monaten werden die Bücher auf dem Wagen durch diejenigen von einem anderen Altersheim ausgetauscht, damit stets neuer Lesestoff angeboten wird. «Ziel ist es diesen Turnus einmal zu durchlaufen und danach hoffentlich wieder Neuanschaffungen tätigen zu können», erklärt Frey.

Geschichten vorlesen

Neben dem Bücherwagen beinhaltet das Projekt «Buch zu Besuch» je nach Wunsch der Altersheime jedoch auch Vorlesezeiten. «Heute wird der Schweizer Vorlesetag begangen», informiert Frey. Doch nicht nur deshalb wolle sie die Bewohner, die nicht mehr selbst reisen können, zumindest auf eine gedankliche Reise mitnehmen. Frey entführte ihre Zuhörer ins Berner Seeland und berichtete vom wundervollen Seeländer Himmel. Die zweite Geschichte von Elisabeth Pfluger, die vom bitterkalten Winter 1962 in Olten erzählt, bei dem Polizei und Tierschützer versuchten mit einer Rettungsaktion die scheinbar eingefrorenen Schwäne zu retten, weckte Erinnerungen und sorgte für schmunzelnde Gesichter.

Der GFVO auf dem Vormarsch

Der Gemeinnützige Frauenverein wurde 1946 mit dem Zweck gegründet, die gemeinnützigen Bestrebungen zu unterstützen und durchzuführen, welche in den Wirkungskreis der Frau fielen. Heute bietet der GFVO, der rund 580 Mitglieder zählt, ein breites Angebot von der Kinder- betreuung bis zum Mahlzeitendienst an. 1980 wurde der sehr erfolgreiche Ferienpass für Kinder eingeführt. Zudem lockt ein Sportangebot. Mit dem neuen Projekt setzt sich der GFVO ausserdem mit verschiedenen Projekten im Bereich der Seniorenbetreuung ein. Alles ehrenamtlich versteht sich. Im März hat der Verein sein Vereinslokal am Zielemp, in dem beispielsweise Englisch- oder neu Französisch-Konversationskurse sowie Nesteldecken nähen stattfinden, eröffnet. Es tut sich was im altehrwürdigen Verein. «Wir sind begeistert, dass es nach vielen Jahren, in welchen wir im Kinderhort an der Reiserstrasse unsere Sitzungen abhielten, nun endlich mit einem eigenen Vereinslokal geklappt hat», erzählt Meister erfreut, die seit fünf Jahren als Präsidentin amtet. Sie seien stets auf der Suche nach spannenden und innovativen Projekten, welche die Gesellschaft vorwärts bringen. «Zudem freuen wir uns über interessierte junge Frauen, die den ehrenamtlichen Gedanken mittragen wollen», schliesst Doris Meister.

www.gfvo.ch

 

 

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