Im Gespräch
17.07.2019

Wo die Gabelschlüssel sich kreuzen

Mit Freunden unternimmt Cédric Aeschlimann eine Ausfahrt mit dem Motorrad, im Rucksack ein Stück Brot und eine Wurst. Manchmal ist weniger eben mehr. (Bild: sf)

Mit Freunden unternimmt Cédric Aeschlimann eine Ausfahrt mit dem Motorrad, im Rucksack ein Stück Brot und eine Wurst. Manchmal ist weniger eben mehr. (Bild: sf)

Cédric Aeschlimann erzählt im Gespräch, dass eine gesunde Portion Selbstironie das Leben ungemein versüsst, für ihn Qualität vor Quantität kommt und er gerne zur Gitarre greift.

Sonja Furter

Treffpunkt für das Interview ist die «Corner Garage». Seinem Namen entsprechend steht das Gebäude an einer Strassenecke, nämlich an der City Kreuzung in Olten. Das Wort Garage hingegen ist irreführend. Denn hinter dem Logo von zwei gekreuzten Gabelschlüsseln verbirgt sich keine Autowerkstatt, sondern ein Kleidergeschäft. Inhaber ist Cédric Aeschlimann. Der 33-Jährige schmunzelt: «Wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich einmal ein Kleidergeschäft führe, hätte ich ganz sicher dagegen gewettet.» Aber eben: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. In einer Ecke der Corner Garage steht eine Bar, die er selber gebaut habe, sagt der Betriebsökonom. Für die Studienrichtung Wirtschaft hat er sich aus folgendem Grund entschieden: «Was auch immer du tust tangiert die Wirtschaft.» Ausserdem gefalle ihm das Unternehmertum. Mit nichts anzufangen und daraus etwas entstehen zu lassen sei faszinierend.

Nahe an der Wurzel

Auf der Corner Bar stehen Glasgefässe, in denen «Bierdeckeli» gesammelt werden. Ein altes Industriefenster mit rotem Rahmen dient als Vitrine, darin ausgelegt sind französische Taschenmesser. Als Sitzgelegenheit steht die Rückbank eines alten Citroen bereit. «Ich habe Freude an Dingen, die Geschichten erzählen», sagt Aeschlimann. Bei fast allem, was das Leben ausmacht, kommt für Aeschlimann Qualität vor Quantität. «Kleider lassen wir sehr nahe an uns heran. Das Essen lassen wir sogar in uns hinein», sinniert er. Lange habe er selber nicht gerne Kleider eingekauft und nicht in Worte fassen können, was er denn möchte. Heute weiss er, dass ihm wertige Verarbeitung und die Haptik wichtig sind. «Ich habe gefunden, wonach ich nicht gesucht habe, aber was ich immer gewollt habe.» Ein Ideal für ihn sei ein möglichst ursprünglicher Charakter und nahe an der Wurzel zu sein. «Historisch gesehen ist eine Jeans eine gewobene Arbeitshose, deren Schwerpunkt auf der Funktionalität lag.»

Keine SMS

Selber beschreibt sich der 33-Jährige als kreativ, lustig und ungeduldig. Er nennt diese Eigenschaften ohne zu zögern. «Es sind drei Begriffe, die mich nicht ganz falsch beschreiben.» Humor und Ironie seien zudem die Essenz des Alltags. «Eine gesunde Portion Selbstironie versüsst das Leben ungemein.» Seine Lebenspartnerin ist nicht nur privat, sondern auch im Geschäft seine Partnerin. «Es war Liebe auf den ersten Blick.» Sie hätten sich nie SMS geschrieben, aber beide gehofft, einander wieder zu begegnen.

Der Gerechtigkeitskämpfer

Aufgewachsen ist Aeschlimann als der Jüngere von zwei Brüdern in Olten. «Als kleiner Bruder habe ich oft aufs Dach bekommen. Bis ich eines Tages grösser war als mein grosser Bruder», erzählt er mit einem Schmunzeln. Es habe aber auch Vorzüge, der Jüngere zu sein. «Im Windschatten meines Bruders konnte ich mich vorwagen.» Sein Elternhaus beschreibt er als klassisch schweizerisch mit Hund und Einfamilienhaus. Die Schule besuchte er in der Dreitannenstadt. «Ich war ein fordernder Schüler, habe hinterfragt und wollte viel wissen. Zudem war ich ein Gerechtigkeitskämpfer, der sich lauthals für seine Anliegen einsetzte.» Mit seinem Bruder hat er im Quartier auf der Strasse Hockey gespielt. Dabei kam es schon mal zu Dellen an parkierten Autos. «Es war nicht schwer, die Schuldigen zu finden.» Aeschlimanns Vater war als Handelskaufmann im Verkauf tätig. Die Mutter managte als Hausfrau die Familie. «Aus logistischer Sicht hat sie ein kleines Unternehmen geführt», anerkennt Aeschlimann. Olten bedeutet für ihn Heimat. «Hier bin ich aufgewachsen, hier bin ich zur Schule gegangen, hier lebe ich und habe viele Freunde.» Ein gutes Glas Rotwein oder ein Bier gebe es in Olten an vielen Orten. Die Dreitannenstadt biete Charme, Überschaubarkeit und Provinzcharakter. «Man kennt sich.»

Brot und Wurst

In seiner Freizeit zelebriert Aeschlimann das Essen und Kochen. «Am Kochen gefällt mir das Entschleunigende. Die Gerüche, Gewürze und Farben.» Essen und Kochen bringe Leute zusammen. Auch macht er gerne Musik. «Ich greife lieber zur Gitarre als zur Fernbedienung des Fernsehers.» Musik machen sei eine Sprache, um Emotionen einen Ton und einen Klang zu geben. «Ich drücke meine Gefühlslage im Moment des Musizierens aus.» Obwohl seine Aktivzeit bereits über zehn Jahre her ist, spielt er immer noch Eishockey. Mit drei Kollegen zusammen hat er zudem eine «echte» Garage, in der er an seinen Motorrädern werkelt. «Ich bin ein Hobby-Schrauber.» Eine Ausfahrt mit dem Motorrad, im Rucksack ein Stück Brot und eine Wurst, reduziere die Wahrnehmung auf den Moment. So entfliehe er der Reizüberflutung und sei für andere nicht erreichbar. «Ich bin dann mit denen unterwegs, mit denen ich unterwegs bin.»

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